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Twilight for 2 violins or violin and viola, string orchestra and synthesizer

Composer: Kancheli, Giya
Title: Twilight for 2 violins or violin and viola, string orchestra and synthesizer
Edition: Study Score
Edition series: exempla nova 361
Instrumentation: 2V(V,Va),StrOrch,Synth
Binding, cover: KT
Number of pages: 33
Format: 29,7 x 21,0 cm
Edition number: SIK8561
ISMN: 9790003036076
Price: € 25,50

Work information

„Wann immer ich von meinem Schreibtisch in Antwerpen, wo ich nun bereits seit zehn Jahren lebe und arbeite, aufblicke, fällt mein Blick auf einige ungewöhnlich schöne, turmhohe Pappeln. Je nach Jahreszeit verändern sie ihr Aussehen: Während sie gegen Ende des Sommers von einem dichten grünen 'Teppich' bedeckt sind, erscheinen darin gegen Ende des Herbstes, abgesehen von einer plötzlichen Farbenpracht, erste Lichtstreifen, die mit dem Herannahen des Winters allmählich breiter werden, so dass sich durch die kahlen Äste hindurch eine Perspektive abzuzeichnen beginnt, welche sich ins Unendliche verliert.
Nachdem ich soeben eine schwere Krankheit überstanden habe, rufen solche Wunder der Natur bei mir Vergleiche mit dem menschlichen Leben hervor. Normalerweise schenken wir unseren gesundheitlichen Problemen kaum Beachtung. Doch irgendwann werden wir plötzlich von einer ernsthaften Gefährdung heimgesucht, wenn unser Leben, bildlich ausgedrückt, am seidenen Faden hängt und nur das Zusammentreffen verschiedener Umstände uns das Weiterleben ermöglicht - obgleich, verglichen mit meinen Pappeln, nur vorübergehend. Solche Überlegungen waren es, die meiner Arbeit an dem Salzburger Auftragswerk vorausgingen, dem ich daher nicht ohne Grund den Titel 'Twilight' (Dämmerung) gab.
Dieses Werk für zwei Violinen, Streichorchester und Synthesizer entstand auf Veranlassung von Gidon Kremer für die alljährlich in Salzburg stattfindende Mozart-Woche. Gidons Persönlichkeit ist ständig in meinem Bewusstsein zugegen. Dies hilft mir sogar dann, wenn ich an einem nicht für ihn bestimmten Werk arbeite. Wenn aber er die Hauptperson meiner Bemühungen und Leiden ist, so erhalten meine Anstrengungen eine besondere Zielgerichtetheit, was es mir in gewissem Sinne erleichtert, mein Schicksal zu ertragen. Gleichzeitig fällt es mir aber auch äußerst schwer, für Gidon zu komponieren, umso mehr als meine musikalischen Gedanken auf den ersten Blick ausgesprochen einfach aussehen und klingen. Und doch gibt es niemanden außer Gidon Kremer, der in der Lage wäre, meiner 'Einfachheit' jene gedankliche, ja - wenn man so will - komplexe gedankliche Tiefe zu verleihen, die sich bei einer nur visuellen Betrachtung meiner Partituren nicht unmittelbar erschließt.
Wann immer sich Interpreten, die ansonsten jede Art von technischen Schwierigkeiten problemlos bewältigen, mit meiner endlos gedehnten, gleichsam einförmigen Musik beschäftigen müssen, kommt seit jeher eine gewisse Verlegenheit auf. Daher wird meine erste Begegnung mit Thomas Zehetmair für mich besonders aufregend sein, und ich hoffe sehr, dass auch er die Schwierigkeit meiner 'einfachen' Musik erfühlt und er ihr Wohlwollen entgegenbringt.
Ich habe mein Werk dem Ehepaar Julia und Sergej Mironow gewidmet. Ich glaube, dass der Allerhöchste beide mit einer seltenen Herzensgüte bedacht hat, die mit Worten unmöglich beschrieben werden kann. Ob ich diese in irgendeiner Weise in meiner Musik widerspiegeln konnte, weiß ich nicht. Ich bin meinem Schicksal jedenfalls unendlich dankbar dafür, dass diese beiden Menschen in einem für mich kritischen Moment bei mir waren und mich unter Einsatz all ihrer Kräfte buchstäblich wieder ins Leben zurückholten ... und zu meinen Pappeln ...“ (Gija Kantscheli - Antwerpen, den 6. November 2004)

€ 25,50

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