Repertoiresuche

Suche nach Nachnamen

Detailsuche

ANGELUS NOVUS. Musiktheater nach Walter
Benjamin

Komponist: Mahnkopf, Claus-Steffen
Spieldauer: 90:00
Opus/Jahr: (1997-2000)
Gattung: Oper
Besetzung: Sopran, Fl, PiccOb, Vc, Klav, Schl 1(Picc,AFl),1(EnglHorn),2(Es-Klar,BKlar),1(KFag) - 1,1,1,THorn,0 - Schl (Crot, 5 Holzbl, 3 Tomt, gr.Tr, 2 Timbales, Tam-t, Glsp, Vibr), Harfe, Git, Klav, Streicher (4/0/2/1/1)
Urauffhrung: 04.05.2000 / Mnchen / D / Ensemble SurPlus / James Avery

Inhalt:

Angelus Novus heit ein Bild von Paul Klee, das sich im Besitz des Philosophen Walter Benjamin befand, und den es zu einer der bedeutendsten geschichtsphilosophischen Thesen des 20. Jahrhunderts inspirierte. Fr Benjamin stellt die abgebildete Figur des Angelus Novus den Engel der Geschichte dar, der unaufhaltsam in die Zukunft getrieben, den Blick entsetzt und starr auf etwas in der Vergangenheit liegendes richtet, das dem Betrachter verborgen bleibt. Der Engel ist getrieben von einem Sturmwind, der aus dem Paradies blst und unaufhaltsam eine Katastrophe nach der anderen produziert. Der Engel der Geschichte mchte zwar innehalten und die Welt wiederherstellen, der Wind ist aber so stark, dass ihm kein Halten vergnnt ist. Benjamin bestimmt diesen Sturm als das, was wir Fortschritt nennen. Damit interpretiert er nicht nur die
groe historische Katastrophe in der Mitte des 20. Jahrhunderts, sondern gibt auch eine extrem skeptische, ja pessimistische Wesensbestimmung des geschichtlichen Fortschritts. Dieses Musiktheater setzt bei der Umsetzung der berhmten Benjaminschen These auf das Primat der Musik. Es versucht, mit primr musikalischen und weniger narrativen und szenischen Mitteln, die Aspekte dieses Benjaminschen Bildes vom Lauf der Welt zu thematisieren. Es besteht aus einer Verschachtelung von sechs eigenstndigen Werken. Im Mittelpunkt steht eine Sngerin, gleichsam ein weiblicher Engel, der fnf Grundbefindlichkeiten des Menschen (Angst, Freude, Hoffnung, Trauer, Verzweiflung) in dramatischer und hochexpressiver Weise prsentiert. Drei Instrumentalsolisten (Violoncello, Klavier und Flte) stellen drei verschiedene Dimensionen des Engels dar: seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft (Traum, Schrecken, Vision). Eine lngere Kammersymphonie berlsst sich in zwei Teilen der musikalischen Komplexitt und Vielgestaltigkeit als Bild des multiperspektivischen 20. Jahrhunderts. Beschlossen wird das Musiktheater von einem Kammerkonzert mit Piccolooboe, das eine vorsichtige messianische Perspektive auf die Erlsung der Menschheit aus diesem Fortschrittssturm anbietet.
Dem Werk eignet eine offene Konzeption und ist insofern experimentell, als es bewusst kaum Angaben zur Bhne und zur Inszenierung enthlt. Daher kann es in ganz unterschiedlichen Graden der Visualisierung aufgefhrt werden. Denkbar ist eine rein konzertante Auffhrung, aber auch, auf der anderen Seite des Extrems, eine totale Visualisierung etwa in Form eines Films. In jedem Falle ist der Regisseur aufgefordert, in eigenstndiger Kreativitt eine Bildersprache und eine Geschichte in Bildern zu erfinden, eine weitere Schicht, die sich zur Musik kontrapunktisch verhlt.

In Druckausgaben:

Mahnkopf, Claus-Steffen
  • Angelus Novus
    Musiktheater nach Walter Benjamin
    Editionsnr.: SIK8657
    Ausgabe: Studienpartitur
    Preis: € 75,00 inkl. MwSt. zzgl. Versand