Alfred Schnittkes pluralistische Welt dargestellt von Maria Kostakeva

Zerfall und Dekonstruktion der Form seien die Grundgedanken der Kompositionsmethode von Alfred Schnittke, heißt es in der Einleitung zu einem besonders lesenwerten Artikel in der Zeitschrift „Das Orchester“ (aktuelle Ausgabe 1/2003). Was es mit Schnittkes sogenannter „Polystilistischer Methode“ wirklich auf sich habe, versucht Maria Kostakeva in ihrem Aufsatz „Die Explosion des Museums“ (S. 37-43) anschaulich zu machen. „Wenn man mit den getarnten Monogrammen, Symbolen, Proportionen, Anspielungen und Allusionen dieses ‚heimatlosen Kosmopoliten’ vertraut ist“, stellt sie fest, „wird man sein echtes Zuhause entdecken: die bedingungslose, freie geistige Heimat, in welcher Kunst und Leben, Musik und ihre Geschichte, politische Aktualität und mythische Ewigkeit untrennbar miteinander existieren.“ Anhand von Beispielen aus zentralen Werken Schnittkes wie der 1996 in Hamburg uraufgeführten Oper „Historia von D. Johann Fausten“, der 1. und 5. Sinfonie und des Opernerstlings „Leben mit einem Idioten“ nähert sie sich den Trugbildern der Tradition, die sich wie ein roter Faden durch das komplexe OEuvre des Komponisten ziehen. „Die polystilistische Methode“, so schließt die Autorin, „ist Ausdruck von Schnittkes künstlerischer Weltanschauung. Das zeigt sich in der inneren Programmatik seines Instrumentalschaffens, vor allem aber in der Dramaturgie seiner Bühnenwerke.“