Musikalische Impressionen aus Russland: Umfangreiche Rezension von Sikorski-Neuerscheinungen

Im monatlich erscheinenden Online-Magazin „Die Tonkunst“ (Ausgabe 11, 1.11.2003, www.dematon.de) finden Sie einen zweiseitigen Beitrag über Neuerscheinungen aus unserem Hause. Der Rezensent schreibt u.a.:

„Passend zum Länderschwerpunkt der Frankfurter Buchmesse legt der Hamburger Musikverlag Sikorski zwei Notenausgaben russischer Komponisten vor. Während die eine Bearbeitungen bekannter Tänze aus Orchesterwerken von Schostakowitsch, Prokofjew und Glinka für Klavier zu vier Händen enthält, bietet die andere westlichen Ohren eine Rarität: Kinderlieder von Sergej Prokofjew.

Gregor Gardemann hat seine Klavierarrangements im zweiten Band der ‚Tänze aus russischen Orchesterwerken’ (Sikorski Ed. 1721) mit viel Sinn für die orchestralen Klangwirkungen der Originale angelegt, dabei aber stets auf Transparenz und Durchhörbarkeit geachtet, um die musikalischen Strukturen offen zu legen. Dmitri Schostakowitschs Second Waltz aus der 2. Jazz-Suite, die er 1938 auf Wunsch des neugegründeten Staatlichen Jazzorchesters der Sowjetunion und seines Dirigenten Viktor Knuschewitzkij schrieb, bietet hierfür ein gutes Beispiel. Die Themenwiederholung vertauscht beide Elemente, versetzt die Melodie ins obere Register des linken Spielers und die Walzerbegleitung in den Diskant. Die Walzer-da-capo-Reprise bringt eine neuerliche Variante: das Thema erklingt nun in Doppeloktaven, ‚aufinstrumentiert’ mit akkordeigenen Fülltönen, und imitiert, unterstützt von den kompakten Klängen der Begleitung, ein Orchestertutti. Auf diese Weise werden die unterschiedlichen Register des Klaviers vielfältig genutzt und die Parts der beiden Spieler ausgewogen und gleichermaßen dankbar gestaltet. (...) Gardemanns Bearbeitungen wie auch deren Präsentation im Druck sind vorbildlich. Mit Bedacht hat er Stücke ausgewählt, deren Schwierigkeitsgrad allmählich zunimmt. Sie sind gut geeignet für den fortgeschrittenen Klavierunterricht und geben dem Schüler die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Die Eingängigkeit der Titel – man kann ja geradezu von ‚Ohrwürmern’ sprechen – dürfte die nötige Motivation garantieren. Die Ausgabe selbst ist im Druckbild sehr übersichtlich gehalten: Sie bietet die nötigen artikulatorischen und dynamischen Bezeichnungen, vermeidet dagegen überflüssige herausgeberische Zutaten. Die Notensysteme sind mit Taktzählung versehen, was den praktischen Gebrauch erleichtert. Der Seitenumbruch wurde so gewählt, dass immer einer der Spieler Zeit hat umzublättern. Und das ist bei vierhändigen Ausgaben nicht selbstverständlich!

Die ‚Drei Kinderlieder’ für Gesang und Klavier von Sergej Prokofjew (Sikorski Ed. 2247), dessen Todestag sich am 5. März 2003 zum 50. Mal jährte, bilden aufgrund ihres unterschiedlichen kompositorischen Anspruchs eine heterogene Sammlung. Komponiert in den Jahren 1936-39, entstanden sie nicht in einem Zuge, sondern wurden erst nachträglich zu Opus 68 zusammengestellt. Sie stammen aus einer Zeit, in der sich der nun endgültig in die Sowjetunion zurückgekehrte Komponist ausgiebig mit Musik für Kinder beschäftigte. (...)“