Prokofjew-Sonate in einer begeisterten PIANO-NEWS-Kritik

In der aktuellen PIANO-NEWS-Ausgabe 4/04 findet sich folgende Besprechung der 8. Klaviersonate op. 84 von Sergej Prokofjew, die bei den Sikorski Musikverlagen in den Druckausgaben Ed. 2179 und als Sammelausgabe der Sonaten Nr. 6-9 als Ed. 6872 erschienen ist. Der Rezensent schreibt:

„Prokofjews Klaviersonaten gehören derzeit zu den meist eingespielten Solowerken russischer Literatur des 20. Jahrhunderts überhaupt. Weit ruhiger, ja weniger aggressiv als Nikolai Lugansky und Evgeni Koroliov greift der aus Sibirien stammende Alexej Nabioulin bei dieser überzeugenden Surround-Sound- Einspielung die Werke an. Im markanten Finale der achten Klaviersonate op. 84 produziert er wahrhaft wellenartige Kraftentladungen, die aufs äußerste mit dem vorangegangenen kantablen, scheinbar so harmlosen Andante sognando kontrastieren. Wie ein Intermezzo wirkt dieser Mittelsatz zwischen den ausladenden Ecksätzen. Prokofjews Rückgriff auf ein Thema aus der im Booklet missverständlich als „nicht realisiert“ (weil immerhin geschrieben) angegebenen Filmmusik zu Michail Romms „Pique Dame“ ist umso bemerkenswerter, als Michail Jurowski diesen Soundtrack erst im Oktober vergangenen Jahres in Berlin zur Uraufführung gebracht hat, nachdem die Partitur (genau wie die zu „Alexander Newski“) jahrelang in Moskau gelegen hatte.

Gewiss ist Nabioulins Stil stark von Svjatoslav Richter beeinflusst, aber das soll nicht als Vorwurf missverstanden werden. Penible Treue zum Notentext und eine elegante Bewältigung der technischen Klippen sind diesem noch nicht mal dreißigjährigen Talent eigen. Durchgesetzt hat sich Nabioulin dennoch weder in seiner Heimat, wo er als Assistent am Moskauer Tschaikowsky Konservatorium tätig ist, noch auf den internationalen Konzertbühnen, obwohl er im gleichen Jahr wie die Japanerin Uehara (siehe Rezension Tchaikovsky Piano Recital in diesem Heft) mit dem 2. Preis beim Moskauer Tschaikowsky Wettbewerb ausgezeichnet wurde. Transparent und – wo nötig – kraftvoll gestaltet er die beiden Rachmaninoff-Préludes op. 23 und 32 und die vierte, neoklassizistisch angehauchte Klaviersonate op. 29 („nach alten Heften“) von Prokofjew, die wie ein versöhnlicher Ausklang zum Einstieg mit der „Kriegs-Sonate“ von 1944 anmuten könnte.

zur CD:

Sergej Prokofjew:

Sonate Nr. 8 op. 84 und Nr. 4 op. 29 /

Sergej Rachmaninoff:

Prélude Ges-Dur op. 23 Nr. 10 und E-Dur op. 32 Nr. 3

Alexej Nabioulin (Klavier)

Super Audio CD Audite 92.513 SACD