Der bedeutendste Liederzyklus von Alfred Schnittke als Druckausgabe

Das klavier- oder kammermusikalisch begleitete Sololied stellt im OEuvre von Alfred Schnittke eine Sondergattung dar. Des ungeachtet sind es insbesondere die Vokalkompositionen, die zuweilen besondere Wendepunkte in seiner Entwicklung markieren. Die „Drei Gedichte von Marina Zwetajewa“ für (Mezzo-)Sopran und Klavier entstanden im Jahr 1965. Alfred Schnittke war von dem befreundeten Geiger Mark Lubotsky auf die Gedichte aufmerksam gemacht worden. Zwar kannte Schnittke die Lyrik, die Dramatik und die Prosa der Dichterin, die zwischen 1922 und 1939 in Berlin, Prag und Paris gelebt hatte und 1941 im Alter von 49 Jahren Selbstmord beging, aber erst diese drei Gedichte haben ihn zu einer Vertonung angeregt. „Jetzt hatte sie mich wirklich beeindruckt“, gesteht Schnittke, „ganz unmittelbar. Es war etwas, das sofort Noten forderte, etwas, wofür es keine Worte gibt.“ Zwetajewa Gedichte Einfach ist mein Betragen“, „Schwarz wie die Pupille“ und „Ich habe die Venen geöffnet“ kreisen um das Moment der Grenzüberschreitung, um den Übergang vom Leben in den Tod. Schnittke: „Ich komponierte die Zwetajewa-Lieder während einer Zeit des strengen Serialismus. Es war mein erster Versuch, herauszufinden, wie ich bestimmte aleatorische Methoden benutzen könnte, um mich – wie in der ersten Klaviersonate – von einem fixierten Metrum und von der strikten seriellen Ordnung zu befreien. Insofern befreiten mich die Zwetajewa-Gedichte von meinen musikalischen Komplexen.

Alfred Schnitte: Drei Gedichte von Marina Zwetajewa (1965)

für Sopran und Klavier

Ed. 1946

dgl. für Mezzosopran und Klavier

Ed. 828