60 Jahre Ulrich Leyendecker

Ulrich Leyendecker wird am 29. Januar 2006 sechzig. Kaum ein anderer Komponist seiner Generation hat so stringent und akkurat seinen Stil ausgestaltet wie der in Wuppertal geborene Komponist. Vieles davon hat Leyendecker, der auf eine lange Tätigkeit als Hochschulprofessor in Hamburg und Heidelberg-Mannheim zurückblicken kann, auch an seine Schüler und Studenten weitergeben können. Einer seiner bekanntesten Studenten, Stephan Marc Schneider, wird ebenfalls von den Sikorski Musikverlagen vertreten.

Orchesterwerke, Kammer- und Klaviermusik sowie Vokalmusikkompositionen in zum Teil recht unterschiedlichen Ensembleformationen beherrschen Leyendeckers Werkkatalog. Oft verweisen Werktitel auf eine außermusikalische Inspiration, die der Komponist in vielfacher Weise verarbeitet und reflektiert. Charakteristisch ist Leyendeckers Festhalten an alten Gattungsbezeichnungen der Musikgeschichte wie Symphonie (er schreibt den Begriff noch in der alten Form), Konzert oder Trio. Wer dahinter aber Traditionalismus und Rückwärtsgewandtheit vermutet, ist auf dem falschen Weg. Arnd Richter kommentiert: „Das Spannungsverhältnis zwischen der jeweiligen Werkbezeichnung und der emotionalen, formalen, satztechnischen Lösung des gestellten Problems erzeugt eine Musik von emotionaler Nachvollziehbarkeit. Die weiten Bögen, die vielen seiner Werke eigen sind und das Wesen seines Schaffensprozesses entscheidend mitbestimmen, sind keine Romantizismen, sondern Ausdrucksmittel in einer Kompositionsweise, die den großen Zusammenhang sucht und bevorzugt, ohne darüber die Sorgfalt im Detail zu vergessen.“

Leyendeckers Werke gedeihen lange. Bis zur ausgereiften Partitur lässt sich der Komponist viel Zeit. Das Endprodukt ist dann jedoch perfekt und erfährt in den meisten Fällen keine Änderungen mehr. Zwei seiner Hauptwerke, das einst vom Konzertmeister des NDR Sinfonieorchesters Roland Greuter uraufgeführte Violinkonzert und die 3. Symphonie, sind auf einer empfehlenswerten CD mit dem NDR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Johannes Kalitzke bei Naxos erschienen (Naxos 8.557427).