Komponistensuche

Suche nach Nachnamen

Detailsuche

Repertoiresuche

Katalogsuche

Ballett „Kassandra“ mit Musik von Alfred Schnittke am Pfalztheater Kaiserslautern

Hochgeladene Datei

Das Concerto grosso Nr. 1 von Alfred Schnittke ist ein Klassiker der Moderne. In diesem Werk, dem ersten eines mehrteiligen Zyklus, schuf der Komponist mit Hilfe polystilistischer Techniken moderne Konzerte nach dem Vorbild barocker Concerti grossi in einem pseudohistorischen Klangbild für unterschiedlichste Instrumentalbesetzungen.
Der Choreograf des Pfalztheaters Kaiserslautern, James Sutherland, wählte zwei markante Sätze aus Schnittkes Concerto grosso Nr. 1 für sein neues Ballett „Kassandra“ aus, das am 22. Januar 2022 am Pfalztheater Kaiserslautern zur Uraufführung gelangt. Olivier Pols leitet das Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern.
Zum Stück schreibt das Pfalztheater Kaiserslautern:

„Kassandra ist in der antiken Mythologie eine trojanische Priesterin und Königstochter, die für ihre Schönheit vom Gott Apollon die Gabe bekommt, die Zukunft vorauszusehen. Als sie jedoch seine Verführung zurückweist, bestraft er sie damit, dass niemand ihren Voraussagungen glauben wird. So sieht sie schon vor Beginn des trojanischen Krieges gegen Griechenland den Untergang Trojas voraus und muss doch über Jahre jede falsche Entscheidung ihres Vaters und ihrer Brüder mitansehen, ohne dass ihre Warnungen Gehör finden.
Die unmittelbare Verbindung von Erkenntnis und Hilflosigkeit wirkt bis heute faszinierend und wurde auch von modernen Autor*innen aufgegriffen: Jean-Paul Sartre zeichnet in einem Antikriegs-Stück mit großer Ironie Götter, die eitel und engstirnig den Menschen das Leben schwermachen und denen insbesondere Kassandra schlichtweg intellektuell überlegen ist. Christa Wolf beschäftigte sich einige Jahre lang intensiv mit der Frage, wer Kassandra war – bevor sie zum Mythos wurde. In ihrer Erzählung ‚Kassandra‘ beschreibt sie sie als eine hochsensible und intelligente junge Frau, die in der Gegenwart, in den politischen Weichenstellungen und im veränderten Verhalten ihrer Mitmenschen, erkennt, welche Zukunft die Trojaner*innen sich dadurch selbst herbeiführen. James Sutherland widmet sich dieser Figur als einer verletzlichen Frau, die einen chancenlosen Kampf gegen ihre politische Ohnmacht, gesellschaftliche Isolierung und die Demontage ihrer Person führt. Mit seinem Ensemble und einer Schauspielerin, die Auszüge aus den Texten des antiken Dichters Euripides und der Autorin Christa Wolf spricht, zeichnet er ihren Weg nach: Während das Leben in Troja immer mehr von strategischer Rationalität, Uniformität, Misstrauen gegeneinander geprägt wird, plädiert sie vergeblich für Perspektivwechsel, Empathie und die Fülle des Lebens jenseits von definierten Situationen. Sie weiß, dass sie zutiefst verstrickt ist in einen Loyalitätskonflikt, in dem sie sich selbst nur treu bleiben kann um den Preis, ihre Familie und ihr Volk zu verlieren. Aber es gelingt ihr zumindest nach dem Krieg, den mitgefangenen trojanischen Frauen zu vermitteln: Solange wir leben, kann es noch Menschlichkeit geben.“

22.01.2022
Kaiserslautern
UA
Alfred Schnittke
Ballett „Kassandra“ u.a. mit zwei Sätzen aus dem Concerto grosso Nr. 1
Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern
Choreograf: James Sutherland; Ltg.: Olivier Pols
Pfalztheater Kaiserslautern