Prokofjews Oper „Krieg und Frieden“ in Genf

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Prokofjew wollte in seiner Oper „Krieg und Frieden“ nach Leo Tolstois Roman weder Kriegsschauplätze noch Massenszenen im Mittelpunkt sehen. Er plante, als er mitten im Zweiten Weltkrieg 1941 mit der Arbeit daran begann, vielmehr ein sehr intimes Drama, ja ‚lyrische Szenen’ im Geiste Tschaikowskys. Herausgekommen ist ein opulentes Werk, das – ungekürzt – zwei Aufführungsabende füllt und eine große Besetzung erfordert. 

Am 13. September 2021 hatte eine Neuinszenierung von „Krieg und Frieden“ des katalanischen Regisseurs Calixto Bieito Premiere am Grand Théâtre de Genève. Das Werk wird in russischer Sprache gesungen. Die musikalische Leitung hat Aleja Perez. 

Das Roman-Epos „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi hatte Prokofjew stets als eines seiner Lieblingsbücher bezeichnet. Der Roman spielt in der Zeit der napoleonischen Kriege im zaristischen Russland zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Abgesehen von dem für Prokofjews Musiktheaterwerke ungewöhnlichen Umfang ist die stilistische Konzeption der Oper eine konsequente Fortsetzung seiner Opernerfolge „Die Liebe zu den drei Orangen“, „Der feurige Engel“ und „Die Verlobung im Kloster“. Er verwendet Leit- und Erinnerungsmotive, verzichtet überwiegend auf traditionelle Arien- oder Duett-Partien und reiht viele kurze Handlungsabschnitte wie Filmszenen aneinander.

Das Grand Théâtre de Genève schreibt zu der spektakulären Neuinszenierung:

„Prokofjews posthume Oper ‚Krieg und Frieden‘ sollte nach Meinung einiger ‚Frieden und Krieg‘ heißen. Inspiriert unter anderem durch die Invasion der UdSSR durch Nazi-Deutschland, hat Sergei Prokofjew den Koloss von Leo Tolstoi in Angriff genommen, um dieses Werk von monumentalen Missverhältnissen zu schaffen. Erst 1959, sechs Jahre nach dem Tod des einen Tag vor Stalin verstorbenen Komponisten, wurde die Oper in ihrer Gesamtheit uraufgeführt. Prokofjew gab sein Bestes, um die intimen Szenen des Friedens zu komponieren, und hatte keine andere Wahl, als dasselbe zu tun und gleichzeitig Stalins Ego zu schmeicheln in seiner Verherrlichung der russischen Generäle im Krieg. Dennoch verbindet Prokofjew in diesem fragmentierten Fresko von in der Masse verlorenen Individuen individuelle Abenteuer mit Volkskampf und erzählt eine große Geschichte von Liebe und Tod, vielleicht sogar mit wahrhaft nationalistischem Gefühl. Starregisseur Calixto Bieito, Experte für Massenszenen, kommt zum ersten Mal auf die Genfer Opernbühne, seine emotionale Intensität wird vom leidenschaftlichen jungen argentinischen Dirigenten Alejo Pérez perfekt erwidert.“

13.09.2021
Genf
Premiere 
Sergej Prokofjew, Oper „Krieg und Frieden“ (russ.)
Opéra de Genève 
Regie: Calixto Bieito          
Ltg.: Alejo Pérez
- Koproduktion mit der Ungarischen Staatsoper Budapest -

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