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Gerald Reschs „Hanni“. Monolog mit Musik nach Franzobel in Linz

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Gerald Resch wendet sich in seinem Monolog mit Musik „Hanni“ einem Stoff des österreichischen Schriftstellers Franzobel zu. Die Texte dieses Autors, die sich zwischen Experiment und Dadaismus, Humor, zeitgeschichtlichen, aber auch historischen Anspielungen bewegen, haben schon viele Komponisten der Gegenwart, auch den deutschen Komponisten Moritz Eggert, inspiriert. In „Hanni“ erzählt Franzobel eine reale Geschichte. Und die Überraschung ist, dass die fast 100 Jahre alte Hauptperson Hanni bei der Uraufführung des Stücks von Gerald Resch am 25. Juni 2021 im Brucknerhaus Linz auch persönlich anwesend sein wird.

Gerald Resch beschreibt Franzobels „Hanni“ und seine musikalische Adaption mit folgenden Worten:

„Der Vater, Rossknecht, musste im Sautrog schlafen, sie wurde bei den Bauern wie eine Leibeigene gehalten. Die Geschichte der Hanni ist voll bitterer Not, Armut und Entbehrungen, ein modernes Aschenputtel, nur dass ihr Prinz, ‚ein Bild von einem Mann‘, bald nach der Hochzeit in den Krieg einrücken musste. Hanni und ihr Vater wurden gezwungen, beim Bau der Baracken für das Konzentrationslager Gusen mitzuarbeiten. Später hat sie gesehen, was darin vorging, außerdem die Opfer der Mühlviertler Hasenjagd. Ihre lebensgefährlichen Versuche, den Häftlingen zu helfen, waren wenig aussichtsreich. Als aber nach dem Krieg die Bevölkerung daranging, die Baracken zum Eigennutz auszuschlachten und dort eine Siedlung errichteten, wollte sie damit nichts zu tun haben.

Ihr Mann, ausgezeichnet mit dem ‚G´frierfleischorden‘, kehrte erst zwei Jahre später und völlig verändert aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Vom Leben betrogen suchte er Trost im Alkohol und in Weibergeschichten. Da er alles versoff und verspielte, musste Hanni kämpfen, die sechs Kinder durchzubringen. Ständig Delogierungen, Pfändungen.

Trotz dieses schweren Schicksals hat Hanni nie den Glauben an das Leben verloren. Wenn man die bald Hundertjährige fragt, wie alt sie werden will, sagt sie Hunderttausend. Das Stück, eine Hommage an eine Hundertjährige, zeigt die große Geschichte aus der Perspektive ganz kleiner Leute, deren unerschütterliche Kraft und Lebensmut vorbildlich ist.

Es ist eine gleichermaßen schlichte wie packende Geschichte, welche die Grundlage für den neuen Monolog mit Musik bildet. Der Schriftsteller Franzobel hat in ‚Hanni‘ das Leben einer dieser vielen sogenannten einfachen Frauen vom Land nachgezeichnet, deren Biografie sich allerdings insofern aus der Masse heraushebt, als sie vor fast 100 Jahren begann und die Person der Handlung an ihrem 99. Geburtstag als Gast zur Premiere erwartet werden darf: gefeiert mit einem Werk, das als Hommage auf sie zu verstehen ist und ihre unerschütterliche Kraft und ihren Lebensmut hervorhebt.“

25.06.2021
Linz
UA Gerald Resch
„Hanni“ (Monolog mit Musik)
Maxi Blaha (Schauspiel, Gesang) 
Wolfgang Kogert (Orgel)
Ensemble Phace
Brucknerhaus Linz

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