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Ehemaliger Sikorski-Verlagsdirektor Jürgen Köchel verstorben

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Am 4. Mai 2021 starb der ehemalige Sikorski-Verlagsdirektor Jürgen Köchel im Alter von 95 Jahren in seiner Wahlheimat Bochum.
Er studierte zunächst Klavier, Flöte und Gesang, stand gelegentlich als Oratoriensänger auf der Bühne und arbeitete zu Beginn seiner Karriere als Musiklehrer in Berlin. Danach war er einige Jahre lang für den Moeseler Verlag in Wolfenbüttel als Werbeleiter tätig, bevor er 1969 die Leitung der E-Musikabteilung beim Sikorski Verlag übernahm, die er 30 Jahre lang innehatte. Mit seinen Ideen und seinem verlegerischen Denken prägte er die programmatische Ausrichtung des Verlages. Insbesondere machte er sich um das Schaffen bedeutender russischer Komponisten der Nach-Schostakowitsch-Ära und deutscher Avantgardisten verdient. Er war für viele Autoren, die in den 70er und 80er Jahren für den Sikorski-Katalog gewonnen werden konnten, Ansprechpartner, Mentor und wichtiger Impulsgeber. Auch die Karrieren des jungen Peter Ruzicka, des Hamburger Komponisten Jens-Peter Ostendorf, Ulrich Leyendeckers oder Milko Kelemens begleitete er über Jahrzehnte hinweg. In der Musikwelt war Jürgen Köchel eine bekannte Größe, auch wegen seiner deutschen Textadaptionen, seiner Libretti und Musikschriften, die parallel zu seiner verlegerischen Arbeit entstanden.
Regelmäßig bereiste er Musikfestivals in der ehemaligen Sowjetunion. Auf einer seiner frühen Reisen hatte er auch Alfred Schnittke kennengelernt, mit dem er bis zu dessen Tod im Jahr 1998 eng befreundet war. Als Librettist von Schnittkes Oper „Historia von D. Johann Fausten“ und Übersetzer seiner Oper „Gesualdo“ hinterließ er tiefe Spuren in dessen Schaffen.
Neben seiner verlegerischen Tätigkeit war Jürgen Köchel auch Programmheftredakteur für das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und den Kissinger Sommer, aber auch ein passionierter Sammler bibliophiler Kostbarkeiten. Er besaß eine der weltweit größten Privatsammlungen von Mozart-Drucken mit rund tausend Früh- und Erstdrucken von Mozart-Werken. Weitere Sammelschwerpunkte waren die deutsch- und russischsprachige Lyrik des 20. Jahrhunderts (u.a. Werke von Rilke, Paul Celan, Marina Zwetajewa und Anna Achmatowa). Seine Mozart-Leidenschaft führte 2003 zur Gründung der Hamburger Mozart-Gesellschaft, der er bis 2016 vorstand.
1985 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz für seinen Einsatz zur Förderung der deutsch-russischen Beziehungen verliehen.

Foto von links.: Jürgen Köchel, Alfred Schnittke, Prof. Hans W. Sikorski