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Der große Musikverleger Prof. Dr. Hans W. Sikorski ist tot

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Prof. Dr. Hans W. Sikorski ist tot. Er starb am 22. Januar 2021 im Alter von 94 Jahren in Hamburg.

Hans W. Sikorski war der Sohn des Verlagsgründers Hans Sikorski und galt im Musikleben über seine Verlagsarbeit hinaus als eine Institution und ein Doyen der deutschen Musikverleger-Branche. Aus der aktiven Verlagsarbeit hatte er sich im Jahr 2002 zurückgezogen. Er besuchte noch bis kurz vor seinem Tod zahlreiche Konzerte und Opernaufführungen in Hamburg und genoss in der Musikszene hohe Achtung.

Der ehemalige Verlagsdirektor der Sikorski Musikverlage, Hans-Ulrich Duffek, schreibt: „Ich bin sehr betroffen. Eine große Persönlichkeit des Musiklebens und ein lebenskluger und großzügiger Mensch ist von uns gegangen. Wir haben ihm viel zu verdanken.“ Und der langjährige Leiter der Abteilung PR und Werbung, Helmut Peters, ergänzt: „Prof. Sikorski war die Seele der Sikorski Musikverlage. Mit Hingabe nahm er am Musikleben teil und war sowohl für die Autoren und Kunden des Hauses als auch für seine Mitarbeiter ein großherziger und verständnisvoller Gesprächspartner.“

Hans W. Sikorski trat 1968 in den Musikverlag seines Vaters ein. Seine besondere Aufmerksamkeit widmete er von Anfang an den Kulturbeziehungen zu Osteuropa, insbesondere zur damaligen Sowjetunion. Nahezu das gesamte Musikrepertoire großer russischer Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Dmitri Schostakowitsch, Sergej Prokofjew, Aram Chatschaturjan, Alfred Schnittke, Gija Kantscheli, Sofia Gubaidulina und Galina Ustwolskaja wurde dank seiner Pionierarbeit der westlichen Musikwelt zugänglich gemacht. Auch der westeuropäischen Moderne fühlte er sich in hohem Maße verpflichtet. So konnte er Komponisten wie Moritz Eggert, Milko Kelemen, Rolf Liebermann, Krzysztof Meyer, Jan Müller-Wieland, Jens-Peter Ostendorf und Peter Ruzicka für den Verlag gewinnen.

Daneben entwickelte er den Bereich der Popularmusik, der zu seiner Zeit ein wichtiges zweites Standbein des Verlages war, nach Kräften weiter. Hier waren für ihn Autoren wie Franz Grothe, Les Humphries, Peter Kreuder, Eduard Künnecke, Theo Mackeben, Lothar Olias, Norbert Schultze und Robert Stolz von besonderer Bedeutung. Auch Rolf Zuckowski vertraute ihm sein erfolgreiches Liedschaffen an.

Hans W. Sikorski wurde aufgrund seines großen ehrenamtlichen Engagements vielfach ausgezeichnet: Ernennung zum Professor durch den Hamburgischen Senat (1985), Verdienstkreuz Erster Klasse (1990), Großes Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens (1996) und Silberner Portugaleser (1993). Die GEMA verlieh ihm die selten gewährte Ehrenmitgliedschaft sowie die Richard-Strauss-Medaille für Verdienste um das Urheberrecht und den GEMA-Ehrenring. Die Hamburger Bach-Gesellschaft wählte ihn zum Ehrenvorsitzenden, das Hamburger Konservatorium zum Ehrenpräsidenten seines Kuratoriums. Zudem war er Ehrenpräsident des Deutschen Musikverleger-Verbandes und wurde mit der Medaille für Verdienste um das Musikleben ausgezeichnet.

Auch auf internationaler Ebene übte Hans W. Sikorski viele Funktionen aus. So diente er lange Jahre als Vizepräsident des Internationalen Musikverleger-Verbandes (IFPMP) London/Amsterdam und war Ehrenpräsident des BIEM, Paris. Im Jahre 1998 verlieh ihm die CISAC, der internationale Dachverband der Verwertungsgesellschaften, ihre Goldmedaille für langjährige Verdienste um das Urheberrecht.


Hans W. Sikorski veröffentlichte eine Vielzahl von Beiträgen zu musik-, kultur- sowie urheberrechtspolitischen Fragen in zahlreichen Büchern und Fachzeitschriften und wirkte viele Jahre als ehrenamtlicher Dozent an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater.
 

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