Quatour Danel spielt Streichquartette von Mieczyslaw Weinberg ein

Mit seiner Gesamteinspielung aller fünfzehn Streichquartette von Dmitri Schostakowitsch hat das Quatour Danel bereits Zuhörer und Kritiker für sich gewonnen. Nun hat sich das renommierte junge Ensemble einem weiteren diskografischen Großprojekt zugewandt: den Streichquartetten des polnisch-russischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg. Die in Brüssel lebenden französischen Musiker nehmen alle 17 Streichquartette Weinbergs für das Label cpo auf. Im Herbst 2008 erscheint Volume 2 mit den Quarteten Nr. 7, 11 und 13.

Weinberg ist gebürtiger Warschauer. In Polen studierte er dann auch zunächst bei Józef Turczynski Klavier, bevor er 1939 in die Sowjetunion übersiedelte. Bis 1941 setzte er seine Studien am Konservatorium Minsk bei Wassili Solotarjow fort, kam 1943 nach Moskau und absolvierte dort die Kompositionsklasse von Dmitri Schostakowitsch.

Vergleichbar Schostakowitsch, mit dem der Komponist zeitlebens eine enge Freundschaft pflegte, setzt sich Weinbergs Werkverzeichnis aus einer Vielzahl von Orchesterkompositionen - darunter 22 Sinfonien -, aus Kammermusik und vor allem Balletten und Opern zusammen. So schrieb er unter anderem ein Ballett zum Tolstoi-Sujet „Das goldene Schüsselchen“, die komische Oper „Die Liebe d’Artaignans“ nach der populären Romanvorlage „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas sowie die Opern „Das Porträt“ nach Gogol und „Der Idiot“ nach Dostojewski. In der Wahl dieser Themen, die teilweise auf die Literatur des 19. Jahrhunderts in Rußland zurückgreifen, korrespondiert Weinberg auffallend häufig mit Dmitri Schostakowitsch („Die Nase“ nach Gogol, „Lady Macbeth von Mzensk“ nach Leskow sowie ein Ballett zu „Der Idiot“ von Dostojewski) und Rodion Shchedrin („Die toten Seelen“ nach Gogol, „Anna Karenina“ nach Tolstoi und „Die Möwe“ nach Tschechow). Auch zur Gattung Filmmusik trug Weinberg allein 60 Kompositionen bei. Möglicherweise mit Blick auf Strawinsky wandte er sich stilistisch einem expressiven Neoklassizismus zu und entwickelte vor diesem Hintergrund einen individuellen Personalstil.