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10. Todestag von Rudolf Barschai

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Am 2. November 2010 starb der große russische Dirigent und Bratschist Rudolf Barschai im Alter von 86 Jahren. Wir gedenken 2020 nun seines 10. Todestags.

Barschai wurde am 28. September 1924 in Russland geboren und studierte am Moskauer Konservatorium Viola und Komposition, u.a. bei Dmitri Schostakowitsch. Nachdem er zunächst als Bratschist konzertierte, mit Mstislaw Rostropowitsch und Leonid Kogan ein Streichtrio bildete und von 1945 bis 1953 Mitglied des Borodin-Quartetts war, gründete er im Jahre 1955 das Moskauer Kammerorchester, dessen Dirigent und Leiter er bis zu seiner Emigration nach Israel 1977 war. Danach dirigierte er zahlreiche internationale Orchester, darunter das Bournemouth Symphony Orchestra, dessen Chefdirigent er von 1982 bis 1986 war. Seit Ende der 1980er Jahre lebte er in der Schweiz.  

Barschais markantes äußeres Merkmal war sein knappgeschnittener schwarzer Lippenbart, der am Ende seines Lebens in starkem Kontrast zu seinem weißen Haar stand. Wer ihm begegnete, war sofort von seiner Eleganz und seiner unvergleichlichen Lebendigkeit beim Erzählen fasziniert.   

Barschais Emigration 1977 nach Israel hatte viele Beweggründe, die zum Teil auch mit dem von ihm bewunderten Schostakowitsch zusammenhingen. So hatte der Dirigent Barschai gegen heftigste Widerstände der politischen Machthaber die Aufführung der für  ihn  und  sein  Moskauer Kammerorchester geschriebenen Sinfonie Nr. 14 op. 135 von Schostakowitsch durchgesetzt. Bei den erst 2010 neugegründeten Internationalen Schostakowitsch Tagen in Gohrisch sollte Barschai im ersten Jahr ihres Bestehens der Internationale Schostakowitsch-Preis Gohrisch überreicht   werden, was durch seine Krankheit und seinen plötzlichen Tod verhindert wurde, so dass die  Auszeichnung posthum vergeben wurde.  

Berühmt wurde Rudolf Barschai insbesondere durch seine einfühlsamen und authentischen Bearbeitungen von Kammermusikwerken Dmitri Schostakowitschs und Sergej Prokofjews. Als besonders erfolgreich darf seine geniale Umsetzung des 8.  Streichquartetts op. 110 von Dmitri Schostakowitsch gelten, die unter dem Namen Kammersinfonie op. 110a weltweit große Beliebtheit erlangte. Kurz vor seinem Tod krönte er sein Lebenswerk mit einer grundlegenden Neufassung seiner Orchesterbearbeitung der „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach aus den 60er Jahren. Die Bearbeitungen Rudolf Barschais sind mit wenigen Ausnahmen im Musikverlag Hans Sikorski verlegt. Mit Schostakowitsch war Barschai bis zu dessen Tod 1975 eng verbunden. Als Barschai den Komponisten um Erlaubnis fragte, das 8. Streichquartett zu bearbeiten, hatte Schostakowitsch umgehend sein Einverständnis erklärt und das Werk schließlich auch als op. 110a in sein Werkverzeichnis aufnehmen  lassen. „Schostakowitsch war für uns ein Gott“, sagte Barschai einmal, „er war so klug und so ein großer Musiker.“ 

Barschais Umgang mit den originalen Vorlagen war überaus subtil.  Nicht mit einer Note verfälschte er die Klangwelt des Originals, gewann ihm dafür aber ganz neue Perspektiven ab. Wenig bekannt sind seine kongenialen Bearbeitungen der Streichquartette op. 59,1 und op. 74 von Beethoven sowie von Tschaikowskys Streichquartett Nr. 1 op. 11. Für Streichorchester bearbeitete Barschai 15 Stücke aus Sergej Prokofjews Klavierzyklus „Visions fugitives“, den dieser zwischen 1915 und 1917 offensichtlich für den eigenen Bedarf geschrieben hatte und dessen Titel er einem Zitat des Symbolisten Konstantin Balmont entnahm. Nicht für Streichorchester, sondern für großes Orchester arrangierte Barschai 12 Teile aus Prokofjews Ballettmusik „Romeo und Julia“. Bei seinen berühmten Schostakowitsch-Bearbeitungen wählte Barschai zuweilen eine Streichorchester-, dann wieder eine Kammerorchesterbesetzung.  

Werkauswahl von Rudolf Barschai: 

Ludwig van Beethoven / Rudolf Barschai 
- Kammersinfonie für Kammerorchester op. 59, 1a nach dem Streichquartett Nr. 7 op. 59/1 
- Kammersinfonie für Streichorchester op.74a nach dem Streichquartett op. 74 

Sergej Prokofjew / Rudolf Barschai 
- Vision fugitives. 15 Stücke für Streichorchester op. 22a 
- „Romeo und Julia“. Szenen aus dem Ballett für Orchester. Suite in 12 Teilen 

Dmitri Schostakowitsch / Rudolf Barschai 
- Kammersinfonie für Streichorchester op. 118a nach dem Streichquartett Nr. 10 op. 118 
- Kammersinfonie für Streichorchester op. 110a nach dem Streichquartett Nr. 8 op. 110 
- Kammersinfonie für Kammerorchester op. 83a 
- Kammersinfonie für Kammerorchester op. 73a nach dem Streichquartett Nr. 3 op. 73 
- Kammersinfonie für Streichorchester und Celesta op. 49a nach dem Streichquartett Nr. 1 op. 49 

Peter Tschaikowsky / Rudolf Barschai 
- Andante cantabile für Streichorchester 
- Kammersinfonie für Streichorchester op.11a nach dem 1. Streichquartett op. 11           

 

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