Komponistensuche

Suche nach Nachnamen

Detailsuche

Repertoiresuche

Katalogsuche

Marko Nikodijevics „7 Deaths of Maria Callas“ wurden zur Spielzeiteröffnung in München uraufgeführt

Hochgeladene Datei

Warum die Interpretationen der wohl legendärsten Operndiva des 20. Jahrhunderts so einzigartig ergreifend klingen, dass man erzittern möchte, lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Maria Callas’ Fähigkeit, Töne aufblühen und die Seele im Klang förmlich nach außen dringen zu lassen, konnte von kaum einer anderen Sängerin je kopiert werden. Dazu kommt Callas‘ unübertroffene Rollencharakterisierung und ihr Charisma auch im Rahmen ihrer öffentlichen Auftritte. 

2017 gedachte die Musikwelt des 40. Todestags von Maria Callas. Die letzten Jahre vor dem frühen Tod der 53-jährigen am 16. September 1977 waren für die griechisch-amerikanische Sopranistin schwer. 1969 hatte sie noch im Paolo-Pasolini-Film „Medea“ mitgewirkt und unterrichtete zu Beginn der siebziger Jahre in einigen Meisterklassen an der New Yorker Juilliard School, ein echtes Comeback auf die Bühne gelang ihr aber nicht mehr.

An der Bayerischen Staatsoper München sollte es am 11. April 2020 zur Uraufführung einer wahrhaft spektakulären Oper mit dem Titel „7 Deaths of Maria Callas“ des serbischen Komponisten Marko Nikodijevic kommen. Nach der Münchner Uraufführung sollte das Werk nach ursprünglicher Planung auch gleich in Florenz, Athen, Berlin und in Paris gezeigt werden. Die Corona-Krise aber hat alles unvorhergesehen verändert. Wie groß war die Freude, als die Bayerische Staatsoper München noch vor der Sommerpause die Uraufführung des Werkes zur Spielzeiteröffnung am 1. September 2020 ankündigen konnte. Man entschloss sich aus gegebenem Anlass aber dazu, eine in der Orchesterbesetzung leicht reduzierte Fassung zu präsentieren. 

Die Idee und das Konzept zu diesem ungewöhnlich aufgebauten Stück stammt von der Regisseurin Marina Abramović, die musikalische Leitung hat Yoel Gamzou.

Das Konzept 

Marina Abramović, geboren in Belgrad, ist seit den 1970er-Jahren Pionierin im Bereich der Performance-Kunst. In ihren Stücken ist ihr Körper sowohl Gegenstand als auch Medium. Ihre Performances wurden u.a. im Centre Georges Pompidou in Paris, der Neuen Nationalgalerie in Berlin, dem Museum of Modern Art New York, dem Guggenheim Museum und bei der Documenta aufgeführt. Abramović erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter für ihr Werk Balkan Baroque den Goldenen Löwen als beste Künstlerin der 47. Biennale di Venezia. Ihre Retrospektive The Cleaner ist von 2017 bis Januar 2020 in zahlreichen europäischen Metropolen zu sehen. Am Opera Ballet Vlaanderen in Antwerpen gestaltete sie Bühne und Konzept für Pelléas et Mélisande.

In den „7 Deaths of Maria Callas” spielt die magische Zahl Sieben eine herausragende Rolle. In der Mythologie der Märchen- und Sagenwelten und der Symbolik besonders des Spätmittelalters kommen der Sieben besondere Bedeutungen zu. Als Summe der Zahlen Drei und Vier, wird die Sieben als Kombination von Geiste und Seele sowie des Menschlichen gedeutet. Im Märchen begegnen wir der Sieben in etlichen Beispielen wie den Sieben Zwergen, den Sieben Raben oder den Sieben Schwaben.

In Abramovićs Stück sind sieben historische Arien von Maria Callas das Ausgangsmaterial. Sie werden von intermezzo-artigen Zwischenspielen Marko Nikodijevics verbunden. Dazu laufen sieben Filme, in denen Marina Abramović selbst sieben Tode zur Darstellung bringt, die in den von Callas gesungenen berühmten Arien thematisiert sind. Danach tritt der wirkliche Tod der Maria Callas in einer schauspielerischen Darstellung in den Fokus des Abends. 

„Bei der Performance ist Blut das Material und die Rasierklinge oder das Messer sind die Instrumente. Es geht um das Hier und Jetzt in Echtzeit. Eine Performance kann man nicht proben, weil viele Dinge nicht wiederholt werden können – niemals“, sagte Marina Abramović in einem Gespräch. (...) Alle Menschen haben Angst vor einfachen Dingen. Wir haben Angst vor dem Leiden, wir haben Angst vor dem Schmerz, wir fürchten uns vor der Sterblichkeit. Und ich führe diese Ängste vor einem Publikum auf. Ich nutze Ihre Energie, und mit dieser Energie kann ich meinen Körper an die Grenzen bringen. Dann befreie ich mich von diesen Ängsten. Ich bin Ihr Spiegel. Wenn ich das für mich tun kann, können Sie es für sich auch tun.“

Exklusiv-Interview mit dem Komponisten Marko Nikodijevic:

Wie sind Sie auf dieses Projekt gekommen?

Nikodijevic: Marina Abramović hat dies Idee über die sieben Tode von Maria Callas jahrelang mit sich herumgetragen. Das änderte sich mehrere Male. Dann hat Nikolaus Bachler sie überzeugt und gefragt, ob sie sich auch eine Oper auf der Grundlage dieser Idee vorstellen könnte. Dann hat man die Frage nach einem Komponisten gestellt und Teodor Currentzis und Nikolaus Bachler haben mich vorgeschlagen. 

Ich habe Marian Abramović kennen gelernt. Und wie das unter Serben so ist: Entweder man mag sich gleich in der ersten Sekunde oder man mag sich überhaupt nicht. Wir haben sofort sehr gut verstanden.

Haben Sie zu Maria Callas denn ein besonderes Verhältnis?

Nikodijevic: Sie ist schon die Prima donna assoluta des 20. Jahrhunderts. Da ist die sehr kurze Karriere dieser Sängerin, das tragische Leben und die Geschichte, das macht ein Mysterium. Und dann ist sie relativ jung im Alter von 52 Jahren gestorben. Wie eine unfertige, aber auch eine sehr fertige Sängerin, weil sie sehr jung einen Gipfel erreicht hat. Und dann auch sehr schnell sich wieder von der Bühne zurückzog. Callas war eine Persönlichkeit, die schon zu Lebzeiten die Klatschblätter füllte. Natürlich eine interessante Frau mit einer Lebensgeschichte, die nicht so konventionell erscheint.

In dieser Oper werden Originalaufnahmen mit Ihrer Musik kombiniert.

Nikodijevic: Es gibt sieben historische Arien, die man mit Maria Callas verbindet. Und das passiert im ersten Teil des Abends. Und diese sieben Arien sind zusammengeschnitten und werden von meiner Musik miteinander verbunden. Zu diesen sieben Arien wurden außerdem sieben Filme gedreht mit Marina Abramović, wo sie sieben Todesarten, die wir mit diesen Arien verbinden, darstellt. Für Madama Butterfly ist es Harakiri, für Carmen ist es das Ermorden durch ein Messer, für „La Traviata“ ist es der Tod an Tuberkulose usw. 

Danach kommt ein zweiter Teil, der sozusagen den realen Tod mit Marina auf der Bühne darstellt. Da kommt tatsächlich auch eine verarbeitete Maria-Callas-Stimme aus dem Lautsprecher.

Es ist auch eine Oper darüber, dass in diesem Genre vor allem den Frauen so oft etwas Furchtbares zustößt. Es ist in dem Sinne auch eine Reflexion, dass Frauen ständig irgendwelche Opferrollen in der Oper annehmen müssen. 

Erklingen die sieben Arien in historischen Originalaufnahmen?

Nikodijevic: Sie erklingen im Original. Sie sind aber verbunden mit einer Musik wie in einem riesigen Film. Vor diesem Hintergrund erzählt Marina Abramović, was wir jeweils sehen werden. 

Können Sie ein paar Worte zu Ihren verbindenden Musiken sagen? Wie können wir uns das vorstellen?

Nikodijevic: Es sind Musiken, die so klingen, als würden die Arien weiterfließen. Es ist so gedacht, wie ein DJ zwei Songs mischen würde. Ein Element aus dem einen Stück begegnet einem Element aus dem anderen und werden zusammengemischt. Das geht ohne transitorische Mittel von einer Musik ind die andere. So dass man überhaupt nicht das Gefühl hat, irgendeine Arie wird vom folgenden wegradiert. Meine Verbundmusiken sind Durchgangsstücke, die das möglichst unmerklich lösen.   

01.09.2020
München
UA Marko Nikodijevic,
„7 Deaths of Maria Callas“
(Regie: Marina Abramović
Ltg.: Yoel Gamzou)
- Bayerische Staatsoper München -

Weitere Aufführungen:
Berlin: Deutsche Oper, Februar 2021
Athen: Greek National Opera, Juli 2021
Paris: Opéra Garnier, September 2021 

» Zeige alle News