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Im Gedenken an Gija Kantscheli zum 85. Geburtstagsjubiläum

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Am 10. August 2020 wäre der georgische Komponist Gija Kantscheli  85  geworden. Er starb am 2. Oktober 2019 in seiner Heimatstadt Tblissi an Herzversagen.  

Von 1956  bis 1963  studierte  der heute in aller Welt bekannte Georgier  Komposition  am  Staatlichen  Konservatorium von Tbilissi bei Ilja Tuskija, arbeitete daraufhin als freier Komponist und komponierte auch Film-  und  Bühnenmusik. 

Ab  1970  lehrte  er  selbst  am  Staatlichen  Konservatorium  Komposition  und  wurde  ein  Jahr  später  musikalischer  Leiter  des  Staatlichen  Akademischen  Rustaweli-Theaters  in  Tbilissi.  Von 1984 bis 1989 war Kantscheli Vorsitzender des Georgischen  Komponistenverbandes.

1991 zog er nach Berlin, wo er ein DAAD-Stipendium erhielt, und übersiedelte 1995  als  Composer in  residence  der  Flämischen Philharmonie Antwerpen nach Belgien. Dort lebte er lange Zeit freischaffend.

Kantschelis   Kompositionen sind stark von der Geschichte und der Kultur seiner Heimat geprägt. Er bezieht sich sowohl auf politische Themen als auch auf die  georgische  Folklore,  vor  allem  die  mehrstimmigen  volkstümlichen  Gesänge  seiner  Heimat,  ohne  diese  jedoch  konkret  zu  zitieren.

Kantschelis Klangwelt besitzt etwas ungemein Natürliches, ist modern und archaisch zugleich. Seine musikalischen Strukturen richten sich wesentlich nach emotionalen Gesichtspunkten wie Steigerung und Spannung, Erregung und Ruhe. Er arbeitet mit dynamischen Extremen und fordert nicht selten äußerste Langsamkeit.

Kantschelis Musik ist atmosphärisch seiner Heimat Georgien verbunden, ohne dass sie jedoch georgische Folklore zitiert. Nostalgie und Melancholie sowie Trauer über die politischen Zustände in der damaligen Sowjetunion, über die Zerstörungen infolge des georgischen Bürgerkriegs und über jegliche Form von Gewalt und Unfrieden in unserer Zeit prägen sein Schaffen.  

Kantschelis musikalischer Stil schwankt zwischen Modernität und Archaik.  Atmosphäre erzeugt er durch  mitreißende Klangspektren, die in der Breite ihrer Sinnlichkeit  und  unterschwelligen  Religiosität  zutiefst  bewegen. Kantschelis späte  Werke  sind  oft  von  Tod, Trauer und Verlust geprägt. Es  gibt  aber  immer  wieder  auch  Stücke,  in  denen  der Komponist nach einer, wenn auch komplexen, neuen Einfachheit sucht. Dies ist der Fall in seinem jüngeren Vokalwerk „Deda Ena“ für  Sopran,  Kinderchor  und  Kammerorchester,  in  dem  der  Komponist  wieder  einmal auf seine georgische Muttersprache zurückgreift.

Ein anderes Werk, „Middelheim“ für Klaviertrio und Streichorchester ist erfüllt von tiefer Dankbarkeit gegenüber seinen Ärzten, die ihm in dem so benannten Krankenhaus in  Antwerpen  das  Leben  gerettet  und weiterbehandelt haben. Schließlich wandte sich Kantscheli mit dem Cellokonzert „T.S.D.“ noch einmal der Gattung des Instrumentalkonzerts zu. Hinter dem Titel „T.S.D.“ verbergen sich die Begriffe Tonika, Subdominante und Dominante.

10.08.2020
Gija Kantscheli (10.08.1935 – 02.10.2019)
85. Geburtstag
- „Mit einem Lächeln für Slawa“ für Violoncello und Klavier
- Zyklus „Leben ohne Weihnacht“
- „Valse Boston“ für Klavier und Streichorchester
- „Amao omi” für gem. Chor und Saxophonquartett
- „T.S.D.” für Violoncello und Orchester

Foto des Komponisten: © Sarah Ainslie

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