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Uraufführung und deutsche Erstaufführung von Gerald Reschs Streichquartett Nr. 3 „attacca“

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Der österreichische Komponist Gerald Resch hat sich im Beethoven-Jubiläumsjahr einmal mehr der Streichquartett-Gattung zugewandt und möchte sich in seinem Streichquartett Nr. 3 attacca wie viele andere Komponisten unserer Zeit dem Jubilar und großen Quartettkomponisten annähern. Das Vorgängerwerk aus Reschs Feder, das Streichquartett Nr. 2 Kopien, war 2017 entstanden. 

Das neue Streichquartett Nr. 3 „attacca“ hat vier Sätze:

- Ritornello: Unisono - Transizioni
- Ritornello: A quattro voci - Perpetuum mobile
- Ritornello Duetti - Arioso
- Ritornello: Canon

Die geplante Uraufführung des Werkes wurde mehrfach verschoben. Nun steht fest, dass das Werk, das im Auftrag der Gesellschaft der Musikfreunde Wien entstanden war, am 17. September 2020 in Basel durch das Aris-Quartett zur Uraufführung gelangen soll. Die deutsche Erstaufführung erfolgt dann gleich am 27. September 2020 in Usingen mit denselben Interpreten. 

Zum neuen Streichquartett Nr. 3 attacca“ schreibt Gerald Resch: 

„Mein 3. Streichquartett beginnt mit einer fertigen Gestalt: Tempo, Rhythmik und Melos sind von Anfang an etabliert, in einer Unisono-Textur beginnen die beiden ‚mittleren‘ Streicher sehr leise, nach und nach kommen Violine 1 und Cello dazu und spielen zu viert eine Unisono-Tonlinie, die sich scheinbar wiederholt, dabei aber immer ‚weiterrutscht‘: Die Tonabfolge bleibt weitestgehend gleich, verdichtet sich aber rhythmisch und füllt ihre Leerstellen zunehmend auf.

Die Linie wird lauter, exaltierter, spaltet sich im Tonraum auf, bleibt dabei aber stets innerhalb einer ‚selbstähnlichen‘ rhythmischen Kontur. Die meisten Konstellationen und Motive, die in diesem etwa einminütigen Ritornell durch ‚Abtasten‘ der melodischen Linie spielerisch gefunden werden, tauchen im weiteren Verlauf der Komposition mit motivischer Konsistenz wieder auf. Die Großform meines 3. Streichquartetts besteht aus vier Sätzen, die jeweils durch ein Ritornello eingeleitet werden. Ist dieses am Anfang des 1. Satzes noch besonders deutlich verfolgbar (Ritornello: Unisono), wird seine Struktur bei jedem Auftreten komplexer.

Als Einleitung zum zweiten Satz (Ritornello: A quattro voci) ist das Unisono aufgebrochen zu Vierstimmigkeit, weitgehend in einheitlicher Rhythmik. Der dritte Satz beginnt mit einem ‚Ritornello: Duett‘, in starker zeitlicher Dehnung ist die ursprüngliche Linie nun aufgeteilt auf sich verändernde PaarKonstellationen, die nach Art verzerrter Echos ineinander verzahnt sind. Im vierten Satz schließlich ist im ‚Ritornello: Canon‘ die melodische Linie in charakteristische, stark rhythmisch definierte Motive aufgelöst, die gestaffelt durch alle vier Instrumente mit sich selbst überlagert werden, sodass ein regelrechter Kanon entsteht.

Im Hauptteil des 2. Satzes zitiere ich den bizarren Beginn des 2. Satzes aus Beethovens Streichquartett op. 59/1: eine charakteristisch rhythmisierte Tonwiederholung im Cello, aus der sich alles Folgende in Art eines  Perpetuum mobile ableitet, ohne dabei die durchlaufend gehetzte Motorik des 3/8-Taktes (mit zahlreichen Verschiebungen) jemals zu verlieren. Der Hauptteil des dritten Satzes trägt den Titel Arioso und verwendet als Matrix die Struktur des 2. Satzes aus Beethovens op. 18/1.

Der letzte Satz etabliert verschiedene Ostinati, die zu einer sehr lebendigen, motorischen Textur zusammengefügt werden. Nach einem Zwischenteil, der in Violinen und Bratsche mittels kontinuierlich steigender und fallender Glissando-Linien den Gesang einer singenden Säge nachahmt, tauchen zunehmend Relikte der bereits erklungenen Sätze auf, allerdings in unvorhersehbar vertauschter Reihenfolge: eine Art ‚verzerrte Reprise‘.“

17.09.2020
Basel
UA Gerald Resch, Streichquartett Nr. 3 „attacca“ (Aris-Quartett)
- Auftragswerk der Gesellschaft der Musikfreunde Wien - (geschlossene Veranstaltung der Paul Sacher Stiftung)

27.09.2020
Usingen
DEA Gerald Resch, Streichquartett Nr. 3 „attacca“ (Aris-Quartett)

Foto des Aris Quartetts: © Michael Reh

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