Irisierende Klangsinnlichkeit beim Schnittke-Konzert der Hamburger Camerata

Die Hamburger Camerata widmete dem 1998 in Hamburg verstorbenen Komponisten Alfred Schnittke am 11. November ein Konzert unter dem Motto „Schubert & Schnittke“. Die Leitung des Kammerorchesters übernahm der ehemalige Hamburger Professorenkollege an der Musikhochschule Hamburg und Dirigent Ralf Gothóni.

Die Hamburger Presse schreibt dazu:

„War Alfred Schnittke nicht einer jener lebendigen Beweise, dass Hamburg eigentlich doch eine attraktive Musikstadt ist? Offenbar bot die Hansestadt dem deutsch-russischen Komponisten, dem die Hamburger Camerata am Dienstag ein bewegendes Gedenkkonzert widmete, einen fruchtbaren und breiten Humus zur Entfaltung: Als Auftragswerk der Staatsoper schuf er 1989 das Ballett ‚Peer Gynt’, an der Musikhochschule wurde er 1990 Nachfolger Ligetis als Leiter einer Komponistenklasse, die Freie Akademie der Künste Hamburg ernannte ihn zum Ehrenmitglied. 1995 wird seine Oper ‚Historia von D. Johann Fausten’ an der Staatsoper uraufgeführt. Der Sikorski Verlag in der Johnsallee setzt sich für die Verbreitung seines Schaffens ein.

1998 erlag Schnittke mit 63 Jahren im Universitätsklinikum Eppendorf den Folgen eines Schlaganfalls. Wie entscheidend Schnittke die Musikstadt Hamburg geprägt und bereichert hat, war nun auch in der Musikhalle zu erleben, wenngleich beide vorgestern zu hörenden Werke des Polystilisten vor seiner Übersiedlung in die Hansestadt entstanden sind. Sein "Konzert für Klavier und Streichorchester" aus dem Jahre 1979 geriet zu Beginn dank des hoch konzentrierten Spiels der Camerata überaus fesselnd.

Als Solisten und musikalischen Leiter des Abends hatte das Kammerorchester einen der größten Interpreten des Wahlhamburgers eingeladen: Ralf Gothóni. Der finnische Pianist und Dirigent war Schnittkes Professorenkollege an der Musikhochschule, hat das Werk in einer Referenzaufnahme vorgelegt und sorgte so für einen authentischen Zugriff auf das suggestive und assoziative Konzert. Irisierende Klangsinnlichkeit und intellektuelle Tiefenschärfe bedingen sich bei Gothóni geradezu. Er hat die Strukturen vollends durchdrungen, wodurch er die Freiheit gewinnt, Schnittkes kühne Kräfte vollendet zum Klingen zu bringen.

Nicht minder berührend war der nordisch düstere Ton von Schnittkes ‚Streichtrio für Violine, Viola und Violoncello’, das der Bratscher und Schnittke-Freund Yuri Bashmet für Kammerorchester bearbeitet hat.“

(Peter Krause, DIE WELT, 13.11.2008)

„Mit großer Innerlichkeit und einem Gespür für weitgespannte Phrasen begann Gothóni Schnittkes Klavierkonzert (...) Das Ensemble hatte hörbar gründlich geprobt: Untadelig changierte es zwischen Ponticelloeffekten und klassischem Melos.“

(vfz, Hamburger Abendblatt, 13.11.2008)