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50. Todestag von Paul Celan und Textvertonungen von Ruzicka und Müller-Wieland

Vor 50 Jahren starb der Dichter Paul Celan. Am 20. April 1970 hatte er sich in seiner Wahlheimat Paris das Leben genommen.
Celan (geboren am 23. November 1920) stammte aus Bukowina, wo er während der Kriegsjahre Schreckliches erlebte. Deutsche und rumänische Truppen hatten ab Mitte 1941 die siebenhundertjährige Geschichte der Juden in Czernowitz ausgelöscht. Celans Familie und viele Freunde starben in den Deportationslagern. Unter dem Verlust der Eltern litt Celan sein Leben lang besonders stark. Er selbst hatte in einem Versteck eines Industriellen überlebt und hier Freundschaft mit Immanuel Weissglas geschlossen. In dieser Zeit beschäftigte sich Celan intensiv mit Werken hochdeutscher Mystiker, Apollinaires und Georg Trakls. In einem Arbeitslager an der Moldau wurde Celan zum Straßenbau abkommandiert, wo er schwere Steine schaufelnd beiseite zu schaffen hatte. Dieses Bild kehrt unter anderem in dem berühmten Vers aus der Todesfuge „Wir schaufeln ein Grab in den Lüften, da liegt man nicht eng“ wieder.
Celan entwickelte eine außergewöhnliche lyrische Sprache, Gedichte, die gleichsam das Schweigen mit inkludieren, die beinahe ohne wörtliche Konsistenz auskommen.

In vielen Werken unserer Autoren wurden Texte von Paul Celan vertont. In der Oper CELAN von Peter Ruzicka stehen der Dichter und sein Schaffen selbst im Mittelpunkt.

Peter Ruzicka: „... der die Gesänge zerschlug“

Die letzten Gedichte vor Paul Celans Freitod in der Seine sind magisch-hieroglyphische Texte, chiffrenhafte Bilder, Zeichen, die – wie Ruzicka es formuliert – nur am Rande des Verstummens zu orten seien. Außerdem, so Ruzicka weiter, seien sie „herrisch in ihrer hermetischen, entsprachlichten Einsamkeit!“
Seit jeher standen dem Komponisten die dunklen Verse des Dichters nahe. Die stete Auseinandersetzung mit Celans Werken kulminierte schließlich im Musiktheater CELAN, das sich keineswegs als klingende Biographie des Dichters versteht, sondern als eine Folge von Momentaufnahmen, die sich zu Fragmenten aus dem Leben und Wirken des Dichters zusammenfügen. In Bezug auf den Zyklus „... der die Gesänge zerschlug“ zitiert Peter Ruzicka den Dichter Paul Celan, der zur Verleihung des Büchnerpreises einmal sagte: „Die Kunst erweitern? Nein. Sondern geh mit der Kunst in deine allereigenste Enge. Und setze dich frei.“ Dieses Bild hat Peter Ruzicka auch zur Grundlage seines kompositorischen Konzeptes gemacht. „Die schmerzvolle Unbefriedetheit der Gedichte Celans wurde zum Impuls der Komposition, die nur sein kann: Reflektion, Gegenbild, ‚Engführung’ – nicht Verdopplung des Gesagten. Auch: Kreisen ohne Ziel, Stillstand – Spüren der Todesnähe.“

Jan Müller-Wieland: „Berliner Weihnachtslied“

Jan Müller-Wielands „Berliner Weihnachtslied“ wurde am 11. Mai 1996 im Rahmen der Münchener Biennale uraufgeführt. Es handelt sich hierbei um eine siebenminütiges Vertonung des Gedichtes „Du liegst“ von Paul Celan.

„Du liegst im großen Gelausche,
umbuscht, umflockt.
Geh du zur Spree, geh zur Havel,
geh zu den Fleischerhaken,
zu den roten Äppelstaken
aus Schweden -
Es kommt der Tisch mit den Gaben,
er biegt um ein Eden -
Der Mann ward zum Sieb, die Frau
mußte schwimmen, die Sau,
für sich, für keinen, für jeden -
Der Landwehrkanal wird nicht rauschen.
Nichts stockt.“
(Paul Celan)

Auf Paul Celan bezogene Werke unserer Kataloge:

Jan Müller-Wieland: Berliner Weihnachtslied für Sopran und Klavier
Peter Ruzicka: Oper „Celan“
Peters Ruzicka: Celan-Symphonie für Orchester
Peters Ruzicka: „… der die Gesänge zerschlug“ für Bariton und Kammerensemble
Peter Ruzicka: „… Inseln, randlos …“ für Violine, Kammerchor und Orchester
Peter Ruzicka: „Todesfuge" Szene für Alt, Kammerensemble, Sprecher und Tonband

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