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Komponisten zur Coronavirus-Krise: Ferran Cruixent

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Die Folgen der Coronavirus-Krise bewegen uns alle. Wir haben unsere Komponisten gefragt, wie sich diese Monate und Wochen auf ihr künstlerisches Schaffen auswirken. Was sie darauf geantwortet haben, veröffentlichen wir sukzessive in dieser Rubrik.

Ferran Cruixent

(Ferran Cruixent wurde 1976 in Barcelona geboren. Sein Repertoire umfasst Werke für Soloinstrumente, Kammermusik, Orchesterkompositionen und Multimediakunst.)

„Seit 13. März bin ich zuhause eingesperrt. Ich muss dankbar sein, dass ich noch gesund bin.
Die Quarantäne hat mich in der Endphase der Arbeit an einem 70-minütigen Stück erwischt. Es ist die Ballettmusik ‚Oscillation‘ für Orchester, die im Auftrag des Ballettensemble des Theaters Heidelberg entstanden ist. Die Uraufführung findet Anfang November 2020 statt, hoffentlich … Die Partitur habe ich Anfang April abgeben müssen. Zufall oder nicht, gerade beim Thema der Komposition geht es unter anderen um “Emergency und Self Organization”. Fast maßgeschnitten. Am Anfang der Krise hat mich die Arbeit daran tatsächlich zur Ruhe gebracht und mir sehr geholfen, das Stück zuende zu bringen. Aber jetzt fühle ich mich wie unter Schock stehend. Das kranke Lebenstempo und die Rastlosigkeit der Gesellschaft sind weg. Wir hören die Vögel wieder. Die Strände sind sauber. Ein Virus hat die ganze Welt gestoppt. Nur ein Virus? Ironie des Lebens. Sind wir selbst nicht auch wie ein Virus für andere Lebewesen?

Zeiten können sich unglaublich schnell ändern. Das ‚System‘ konnte sich sowieso nicht mehr weiter ausdehnen. Die Krise ist schon im Visier gewesen. Das Virus tritt gerade rechtzeitig als großartiger Hauptdarsteller auf, um den notwendig kommenden Crash zu rechtfertigen. Ohne all dies zu wissen, habe ich eine Musik geschrieben, die mir geholfen hat, mich aus dieser Notsituation zu befreien. Sie stellt einen meditativen Zustand dar und löst eine tiefe Trance aus. Fast möchte ich sagen, man wird an die Ursprünge zurückgeführt. Diese Musik drückt aber auch ein Bedürfnis nach einem neuen Leben aus.

Ich habe manchmal Angst, weil ich noch nicht weiß, wie die Zukunft ausschauen wird. Aber heute sehe ich die Katastrophe als eine Chance für uns alle. Wir werden danach sicherlich das Beste daraus machen. Wir sind gerade mit ganz essenziellen Dingen und Gefühlen konfrontiert. Als Menschen und als Gesellschaft. Das werde ich niemals vergessen. Ich stelle mir eine neue, aufrichtige und liebevolle Welt für uns alle vor. Ist das überhaupt möglich? Oder wäre das eine postglobalistische Utopie?

Bleiben wir zu Hause, damit wir alle immer noch da sind, wenn wir wieder ausgehen können.
Mit Liebe und stiller Musik aus Barcelona.“

(Ferran Cruixent am 14. April 2020)

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