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Komponisten zur Coronavirus-Krise: Arvo Pärt

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Die Folgen der Coronavirus-Krise bewegen uns alle. Wir haben unsere Komponisten gefragt, wie sich diese Monate und Wochen auf ihr künstlerisches Schaffen auswirken. Was sie darauf geantwortet haben, veröffentlichen wir sukzessive in dieser Rubrik.

Arvo Pärt

(Der estnische Klassiker der Moderne wurde am 11. September 1935 geboren. Typisch für sein Schaffen sind u.a. die Reduktion auf melodisch einfache Dreiklangsmotive, insistierende Wiederholungsmuster, litaneiartige Floskeln und archaische Formen)

„Das, was in der Welt jetzt passiert, erlegt uns allen Entbehrungen auf, eine Art ‚Mega‘-Fasten. Den Fastenbegriff kennt man in allen Kulturen, mit all seinen Folgen und Wirkungen. Der Verzicht trifft alle, ob wir es wollen oder nicht, auch die Welt der Kunst.
(…) Jede ernste Lage mobilisiert die Künstler, sich dem Wesentlichen zu nähern. Die Folgen dieser Konzentration werden sich erst auf längere Sicht zeigen. (…) Dieses winzige Corona-Virus hat uns schmerzhaft gezeigt, dass wir Menschen ein einheitlicher, ja einziger Organismus sind und dass eine menschliche Existenz nur in Beziehung zu anderen Lebewesen möglich ist. Der Begriff ‚Beziehung‘ muss als Maxime verstanden werden, als die Fähigkeit zu lieben. Es ist aber der höchste Anspruch, der fast zu hoch für einen Menschen ist. 
Die Situation, in der wir uns befinden, ist paradoxal: einerseits bedeutet sie Isolation, anderseits werden wir gerade dadurch näher zueinander gerückt. In der Isolation müssen wir in der Lage sein, ja sind wir sogar dazu gezwungen, persönliche Beziehungen wieder hoch zu schätzen und sie im kleinen Kreis auch wieder zu pflegen. Und das alles sollten wir lernen, bevor wir Liebe und Gerechtigkeit von der ganzen Welt erwarten oder gar fordern. (…)“

(Arvo Pärt im April 2020)

Anmerkung der Redaktion:
Arvo Pärts Äußerungen wurden auch in der spanischen Zeitung „ABC cultura“ publiziert. Er hat seine Äußerungen in deutscher Sprache auf unsere Anfrage zur Veröffentlichung freigestellt.

Foto des Komponisten: (c) Viviane Purdom

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