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„Komponisten sind wie Priester und Gärtner“ – zum 70. Geburtstag von Jelena Firssowa

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Am 21. März 2020 begeht die aus St. Petersburg stammende Jelena Firssowa ihren 70. Geburtstag. „Die Komponisten – natürlich nicht alle – haben viel mit Priestern und Gärtnern gemeinsam“, sagte Jelena Firssowa einmal. Eine in gewisser Weise überraschende Aussage, der Firssowa noch hinzufügte, dass Komponieren für sie Selbstvertiefung, Berührung mit der Schönheit und Verbindung zur immateriellen Welt bedeute. So erklärt sich, warum ihre meist kurzen und immer formbewussten Werke stets einen intimen und überaus lyrischen Charakter haben.
Die Schönheit der Kunst auch in Zeiten politischer Krisen und widriger Lebensumstände in den Mittelpunkt zu stellen, spricht für das große künstlerische Selbstvertrauen Firssowas. 1950 als Tochter eines Physiker-Ehepaares in Leningrad geboren, begann sie bereits mit zwölf Jahren zu komponieren und erhielt vier Jahre später erstmals Kompositionsunterricht. 1970 wurde Firssowa am Moskauer Konservatorium Studentin von Alexander Pirumow. Mit zeitgenössischer Musik kam sie durch ihren Privatlehrer Edison Denissow in Kontakt. Durch ihn und durch Philipp Herschkowitz, einen Schüler von Alban Berg und Anton Webern, verinnerlichte sie das musikästhetische Denken der Zweiten Wiener Schule, das mehr oder weniger bis heute ihr Schaffen prägte. Doch auch Einflüsse französischer Komponisten wie Olivier Messiaen und Pierre Boulez finden sich in Firssowas musikalischer Sprache wieder.
1972 heiratete Jelena Firssowa den Komponisten Dmitri Smirnow. Mit ihm, Nikolai Korndorf und Edison Denissow gründete sie im Januar 1990 die Vereinigung "Gesellschaft für zeitgenössische Musik", die mit einem eigenen Ensemble Neue Musik russischer Komponisten aufführte. 1979 wurden erstmals Werke von Firssowa in Köln, Venedig und Paris mit großem Erfolg aufgeführt. In demselben Jahr erlebte die junge Komponistin in der russischen Heimat jedoch einen herben Rückschlag: Der Komponistenverband griff ihre Werke als „nicht sowjetwürdig“ an. Die Angst vor einem politischen Putsch und die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder führten 1991 zu dem Entschluss des Ehepaars, nach England zu emigrieren. Dort war Firssowa zunächst von 1993 bis 1997 als Professorin an der Universität Keele in Newscastle-under-Lyme tätig. Von 1999 bis 2001 unterrichtete Firssowa in Manchester.
„Als wir nach England gingen“, erinnert sich die Komponistin, „erhielten wir dort sehr wichtige Aufträge (u.a. bei den ’Proms’). Ich war mit meinem Mann Dmitri Smirnow zu Aufführungen unserer Musik beim Southbank Festival in London eingeladen. In England hatten wir große Unterstützung durch unseren Freund Gerard McBurney, der für uns eine Art Forschungsstipendium in Cambridge organisierte, um uns im Vorfeld bei der Eingewöhnung behilflich zu sein. So beschlossen wir, es zu versuchen, und waren erfolgreich.“ Der Dirigent und Bearbeiter Gerard McBurney zeichnet für viele Einrichtungen von Schostakowitschs Werken verantwortlich, darunter eine kongeniale Fassung der Operette „Moskau. Tscherjomuschki“.
Bis heute hat Jelena Firssowa weit über hundert Kompositionen geschrieben. In ihren Vokalwerken verwendet sie oft Texte des russischen Dichters Ossip Mandelstam, der 1937 vom russischen Regime verhaftet wurde und ein Jahr später auf dem Weg in ein Arbeitslager starb. Aber auch ihre Instrumental- kompositionen sind fast immer mit Mandelstams Poesie verbunden, mit seiner Beziehung zur Kunst und zum Tod.

Wichtige Werke von Jelena Firssowa:

- Requiem für Sopran, gem. Chor und Orchester nach Texten von Anna Achmatowa
- „Beyond the Seven Seals“ für Orchester
- Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester
- Kammerkonzerte Nr. 1-5- Musik für 12 für Kammerensemble
- Streichquartette
- Drei Gedichte von Ossip Mandelstam für Singstimme und Klavier