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Peter Ronnefeld: 85. Geburtstag vom Komponisten der „Ameise“

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Der deutsch-österreichische Komponist, Pianist und Dirigent Peter Ronnefeld, eine unter anderem von Herbert von Karajan wesentlich geförderte Hochbegabung, stammte aus einer Musikerfamilie. Sein Vater war als Bratscher in der Dresdner Staatskapelle angestellt, die Mutter war Buchhändlerin. Peter Ronnefeld wurde am 26. Januar 1935 in Dresden geboren. Wir gedenken am 26. Januar seines 85. Geburtstags.
Nach dem Krieg hatte Peter Ronnefeld das Glück, an die Dresdner Waldorfschule zu kommen, wo seine große Begabung früh erkannt wurde. Mit Begeisterung nahm er Klavierunterricht und begann zudem früh zu komponieren. Unter anderem entstand schon 1949 eine Kleine Suite für Orchester. Nach dem Schulabschluss im Jahr 1950 begann der junge Peter Ronnefeld sein Studium an der Berliner Musikhochschule. Hier waren Hans-Erich Riebensahm (Klavier) und Boris Blacher (Komposition) seine inspirierenden Lehrer. Nach Abschluss seines Berliner Studiums ermöglichte es ihm ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes, seine Studien in Paris bei der Pianistin Yvonne Lefébure und dem Komponisten Olivier Messiaen fortzusetzen. Messiaen war es, der Ronnefelds großes Instrumentationstalent erkannte und förderte und die Grundlagen für die ausgesprochen klangfarbenreiche Musik des jungen Mannes legte. Neben seiner kompositorischen Leidenschaft zog es Peter Ronnefeld gleichermaßen auch zum Dirigieren. Bevor er 1955 am Salzburger Mozarteum selbst eine Lehrtätigkeit begann, nahm er an einem Dirigierkurs in Siena teil und gewann den Dirigenten-wettbewerb in Hilversum. In den Salzburger Jahren freundete sich Ronnefeld mit Herbert Feuerstein und mit dem österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard an, der in seiner frühen Oper „Die Nachtausgabe“ die Sprechrolle eines Wacht-meisters übernahm.
1958 holte Herbert von Karajan Ronnefeld als Solo-Repetitor und Assistent an die Wiener Staatsoper. Daneben wirkte er auch als Cembalist im damals neu gegründeten Concentus musicus von Nikolaus Harnoncourt. In Wien trug er sich mit ersten Gedanken zu seinem Hauptwerk, der Oper „Die Ameise“. Das Werk, dessen Libretto er zusammen mit Richard Bletschacher entwickelte, entstand in den Jahren 1959 bis 1961. Unter Ronnefelds Leitung wurde es am 21. Oktober 1961 an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf uraufgeführt. Dabei führte der Filmregisseur Wolfgang Liebeneiner Regie.
Das Stück erzählt von einem unglücklichen Gesangslehrer und seiner begabten Schülerin Formica. Als diese ermordet wird, kommt der unschuldige Lehrer ins Gefängnis. Dort hält er sich in einem Kästchen eine Ameise. Mit künstlerischer Besessenheit und unbändigem Willen gelingt es ihm, die Grenzen der Natur zu durchbrechen und der Ameise das Singen beizubringen.
Zum Zeitpunkt der Arbeit an dieser Oper war Peter Ronnefeld bereits als Chefdirigent an der Oper Bonn tätig. Dort zählten u.a. Otto Tomek und Bernd Alois Zimmermann, der Ronnefeld bat, die Uraufführung seiner Oper „Die Soldaten“ zu leiten, zu seinem Freundeskreis. Schon 1963 wechselte Ronnefeld dann als Deutschlands jüngster Generalmusikdirektor an das Opernhaus Kiel. In dieser Zeit dirigierte er auch die Berliner und die Wiener Philharmoniker und war ein hoch geschätzter Gast an der Königlichen Oper in Kopenhagen. Als Dirigent engagierte sich Peter Ronnefeld in seinem viel zu kurzen Leben intensiv für die Neue Musik seiner Zeit. Die Uraufführung und Schallplatteneinspielung von Isang Yuns Werk „Fluktuationen“ sowie die Uraufführung von Heinz-Friedrich Hartigs Oratorium „Wohin“ op. 41 sind nur einige Beispiele. Am 7. April 1965 wurde vom Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main eine viersätzige Suite der Oper „Die Ameise“ uraufgeführt. In demselben Jahr erkrankte Peter Ronnefeld an unheilbarem Krebs. Dennoch setzte er sich im Frühjahr 1965 u.a. intensiv mit der Partitur der Oper „Ein Traumspiel“ seines langjährigen Freundes Aribert Reimann auseinander, konnte aber die Uraufführung nicht mehr leiten. Am 6. August 1965 starb Peter Ronnefeld im Alter von nur dreißig Jahren in Kiel. Das Dirigat der Neuinszenierung der „Ameise“, deren Premiere Peter Ronnefeld für den 18. September 1965 in Kiel geplant hatte, übernahm Gerd Albrecht in Vertretung für seinen verstorbenen Kollegen.

Peter Ronnefeld
„Die Ameise“. Oper in 4 Akten (1961)
13 Gesangssolisten, Chor
(SATB)3(3Picc,AFl),3(EnglHorn),3(BKlar),3(KFag) – 4,3,3,1 – 5 Pk, 4-6 Schl (Trgl, Kast, 2 Tempelbl, 2 Tomt, Tamb, kl.Tr, gr.Tr, kl.Bk, gr.Bk, Tam-t, Glsp, Xyl, Vibr), Klav, Cel, Streicher
Instrumente hinter der Szene: 0,0,0,0 – 0,3,3,0 – kl.Tam-t, gr.Tam-t, Harfe
Bühnenmusik I: 0,0,3(2 Es-Klar),0 – 0,3,3,0 – 1 Schl (Tomt, kl.Tr, gr.Tr, kl.Bk, gr.Bk), Schlagbass
Bühnenmusik II: 0,0,1,0 – 0,0,0,0 – 1 Schl (kl.Tr, Bk), Klav

Foto des Komponisten: Archiv Minna Ronnefeld

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