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Der Komponist Herbert Baumann starb 94-jährig in München

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Wie die Familie des Komponisten mitteilt, ist der Komponist Herbert Baumann in der Nacht vom 20. auf den 21. Januar 2020 im Alter von 94 Jahren in München verstorben.
Baumanns Schaffen, vor allem seine Ballettmusiken zu „Alice im Wunderland“ und „Rumpelstilzchen“, aber auch seine Kammermusik und Orchesterwerke, haben ein großes Publikum erreicht. In seiner fröhlichen Art und seinem gesunden Optimismus neigte Herbert Baumann in seiner Musik zum Tänzerischen, Rhythmischen und Lebendigen. Er komponierte auch für Laien, schrieb oft Stücke, die zugänglich und praktisch gut umzusetzen waren, und sein Ziel war es stets, die Menschen an die Musik heranzuführen.  
Herbert Baumann wurde am 31. Juli 1925 in Berlin geboren und hatte dort auch im Schatten des Zweiten Weltkriegs eine unbeschwerte Kindheit. Trotz seiner frühen Neigung zur Musik schrieb er sich zwei Jahre nach Kriegsende auf Wunsch seines Vaters für ein Architekturstudium ein, begann aber bald darauf, zeitgleich bei Sergiu Celibidache in dessen erster Saison bei den Berliner Philharmonikern Dirigieren zu studieren und wechselte schließlich ganz zur Musik. Zum Komponieren kam er über ein als Dirigier-Übung gedachtes selbstgeschriebenes kleines Stück, das Celibidache an den Kompositionslehrer Paul Höffer weitergab, der daraufhin Baumann kostenlosen Kompositionsunterricht anbot.
So studierte Baumann zwei Jahre lang am Internationalen Musikinstitut in Berlin bei Paul Höffer und nach dessen Tod bei Boris Blacher. Nebenbei komponierte er als Leiter der Bühnenmusik für die Freilichtbühne am Waldsee. Als am Deutschen Theater Berlin die Stelle des Direktors für Bühnenmusik frei wurde, schlug Höffer den 22-jährigen für diese vor, und für die nächsten sechs Jahre schrieb Baumann viele Bühnenmusiken für das Deutsche Theater; außerdem war er als Gast noch an vielen anderen Schauspielbühnen in ganz Deutschland tätig. 1953 wechselte er zu den Staatlichen Schauspielbühnen in West-Berlin und zog 1970 nach München, wo er am Bayerischen Staatsschauspiel arbeitete und für drei Theater gleichzeitig komponierte. Seit 1979 komponiert Baumann freiberuflich. 1998 gründete er die Herbert-Baumann-Stiftung, ursprünglich zur Förderung der Zupfmusik durch Konzerte, Wettbewerbe und Festivals. Mittlerweile wird dort auch andere Musik unterstützt.
In Daniela Weidenthalers Buch „Duetto Concertante: Herbert und Marianne Baumann – ein Komponistenleben“ (2013, Allitera Verlag) erlebt man den Menschen und Komponisten Baumann aus nächster Nähe, teils in direkten Zitaten, teils in Form einer Erzählung mit kurzen historischen Exkursen. Baumann schrieb außer den insgesamt über 500 Bühnenmusiken auch viel Musik für Hör- und Fernsehspiele und Dokumentar- und Spielfilme, sowie Orchesterwerke, Kammermusiken und Orgel- und Chorkompositionen. Was Herbert Baumanns Musik so besonders und mitreißend macht, ist die Natürlichkeit und der Einfallsreichtum, mit denen er Anklänge an verschiedenste Musikstile zuweilen in außergewöhnlichen Kammermusikbesetzungen verband. Unter seinen 78 kammermusikalischen Kompositionen sind auch ungewöhnliche Besetzungen. Etwa im Werk „Con una marcetta" für zwei Oboen und Englischhorn. Für Blockflöten liegen die „Spielmusik" in sieben Sätzen für Blockflöte sowie die Tänzerischen Inventionen (1953) für drei Blockflöten vor. 1960 schrieb Baumann ein Divertimento für Oboe, Klarinette und Fagott. Es gibt ein rhythmisch-verspieltes und tänzerisches Streichquartett in C (1961), das sich musikalisch an das Divertimento des 18. Jahrhunderts anlehnt und ein Bläserquintett (1982). In den „Strophen" für zwei Violoncelli verwendete der Komponist das Volkslied „Es geht eine dunkle Wolk’ herein“. Im Rondo mit Mozart für Oboe, Klarinette, Horn und Fagott von 1992 spielte Baumann musikalisch mit einem Menuett des achtjährigen Wunderkinds.
Bedeutend sind auch seine zwei Ballette: „Alice im Wunderland“ wurde am 23. Dezember 1984 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden uraufgeführt. Darin wird eine Entstehungsgeschichte des Alice-Romans erzählt – Lewis Carroll unterrichtet als Mathematiklehrer täglich aufmüpfige Schüler und flüchtet sich in seiner Freizeit in eine Fantasiewelt, in der er sich das Mädchen Alice ausdenkt und ihre fantastischen Abenteuer miterlebt. Durch die vielfarbige und kontrastreiche kompositorische Gestaltung (das Schlagwerk besteht aus 26 Einzelinstrumenten!) werden hier viele sehr verschiedene Stimmungen erzeugt und farbenfrohe Bilder gemalt. Die Musik ist auch für Kinder leicht verständlich. Nach der Uraufführung beauftragte Helge Thoma, Intendant der Städtischen Bühnen Augsburg, Herbert Baumann mit dem nächsten Ballett für die Vorweihnachtszeit 1986 – „Rumpelstilzchen“. Ebenso wie „Alice im Wunderland“ war auch dieses Ballett mit über zweihundertfünfzig Aufführungen sehr erfolgreich. In diesem für Familien konzipierten Werk finden sich einfallsreiche und eingängige Melodien, unterstützt durch Volk- soder Kinderliedzitate. Dabei arbeitete Baumann überwiegend mit Leitmotiven. Von dieser Geschichte gibt es außerdem eine Version für Erzähler und Orchester, die einmal mit Elmar Guntsch als Sprecher bei Thorofon auf CD erschienen ist.

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