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Der Komponist Gija Kantscheli ist tot

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Wir trauern um unseren langjährigen Freund und Verlagsautor Gija Kantscheli, der am 2. Oktober 2019 im Alter von 84 Jahren in seiner Heimatstadt Tbilissi an Herzversagen verstarb.

Gija Kantscheli wurde 1935 in Tbilissi geboren. Er studierte von 1959 bis 1963 am dortigen Konservatorium bei Iona Tuskija. 1971 wurde er musikalischer Leiter des Rustaweli-Theaters in Tbilissi. Daneben unterrichtete er bis 1978 am Konservatorium. Von 1984 bis 1989 war er Vorsitzender des Georgischen Komponistenverbandes. Kantscheli  übersiedelte im Jahre 1991 nach Berlin, wo er ein Stipendium des DAAD erhielt. 1995 wurde er Composer in residence der Königlichen Flämischen Philharmonie in Antwerpen. Seither lebte er freischaffend in Belgien. Eine besondere Freundschaft verband ihn mit Alfred Schnittke, aber auch mit einer Reihe von Interpreten wie dem georgischen Dirigenten Dschansug Kachidse, der Kantschelis einzige Oper „Musik für die Lebenden“ und die meisten seiner Sinfonien zur Uraufführung brachte, mit Mstislaw Rostropowitsch, für den er u.a. das Cellokonzert „Simi“ schrieb, mit Yuri Bashmet, dem er zwei Bratschenkonzerte widmete, sowie mit Gidon Kremer, für den er zahlreiche Violinwerke schrieb und viele seiner Kompositionen für Violine einrichtete. Mit Kremer verband ihn auch sein leidenschaftliches Eintreten für Gerechtigkeit und Menschenrechte. Im Jahre 1999 wurde er mit dem russischen Kulturpreis ‚Triumph‘ ausgezeichnet, 2008 erhielt er den Preis der israelischen Wolf-Stiftung. 

Der Schwerpunkt seines umfangreichen Schaffens liegt im Orchester- und Kammerorchesterbereich, doch entstanden immer wieder auch bemerkenswerte Chor- und Kammermusikwerke. Viele seiner Kompositionen arbeitete Kantscheli, oft auf Wunsch von Interpreten, für Alternativbesetzungen um. Daneben hinterlässt er auch ein bedeutendes Oeuvre im Bereich der Film- und Bühnenmusiken. Der Großteil seines Schaffens liegt auf CD vor, insbesondere beim Label ECM in exemplarischen und vom Komponisten autorisierten Einspielungen. 

Kantschelis Klangwelt besitzt etwas ungemein Natürliches, ist modern und archaisch zugleich. Seine musikalischen Strukturen richten sich wesentlich nach emotionalen Gesichtspunkten wie Steigerung und Spannung, Erregung und Ruhe. Er arbeitet mit dynamischen Extremen und fordert nicht selten äußerste Langsamkeit. Kantschelis Musik ist atmosphärisch seiner Heimat Georgien verbunden, ohne dass sie jedoch georgische Folklore zitiert. Nostalgie und Melancholie sowie Trauer über die politischen Zustände in der damaligen Sowjetunion, über die Zerstörungen infolge des georgischen Bürgerkriegs und über jegliche Form von Gewalt und Unfrieden in unserer Zeit prägen sein Schaffen.

Wir verneigen uns vor einem großen Komponisten und Humanisten, der uns sehr fehlen wird.

 

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