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Moritz Eggerts „Mir mit dir“ – eine Beethoven-Begegnung

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Der Komponist Moritz Eggert ist früh dran mit einer Komposition, die dem großen Jubilar des kommenden Jahres, Ludwig van Beethoven, zu dessen 250. Geburtstag huldigt. Das Projekt „Mir mit dir. 10 Vor- und Nachgedanken zu den Beethovenschen Violinsonaten“, das nun am 27. August 2019 in Kronberg zur Uraufführung kommt, könnte außergewöhnlicher kaum sein. In zehn, von ihm als Vor- und Nachgedanken zu den Beethovenschen Violinsonaten bezeichneten Präludien möchte Eggert Beethoven „auf Augenhöhe“ begegnen und ihm als dem großen „Erzähler der Freiheit" etwas entgegensetzen. Alle zehn Stücke des Zyklus werden in Kronberg von Top-Solisten uraufgeführt: Antje Weithaas, Nikita Boriso-Glebsky, Suyoen Kim, Mihaela Martin, Alina Pogostkina, Linus Roth, Vadim Gluzman,  Baiba Skride, Hyeyoon Park und Stella Chen.
   
Moritz Eggert beschreibt sein neues Werk mit folgednen Worten:

„’die Liebe fordert alles und ganz mit Recht, so ist es mir mit dir, dir mit mir.' So schrieb Beethoven im berühmten ‚Brief an die Unsterbliche Geliebte’, der den Historikern bis heute Rätsel aufgibt. Die ungewohnt zärtliche und poetische Formulierung Beethovens ist hierbei bemerkenswert, denn sie lässt eher auf innige und längere Vertrautheit schließen, als auf ein flüchtiges Liebesabenteuer.
Beethovens Musik ist mir auch innig und vertraut, und wenn sie eine Person wäre, könnte man auch sagen, dass sie für mich eine ‚unsterbliche Geliebte’ ist. Die Herausforderung, ‚Präludien’ für die wunderbaren Violinsonaten Beethovens zu schreiben, war daher natürlich ehrfurchteinflößend, denn was man bewundert, fürchtet man auch ein bisschen. Wir Komponisten bekommen von einem zunehmend bornierterem Musikbetrieb nämlich ständig eingeredet, dass wir nur Zwerge sind gegen die Giganten der ‚Klassik’ (die mit wenigen Ausnahmen für die meisten im 19. Jahrhundert beginnt und endet – interessanterweise das Jahrhundert des aufstrebenden Bürgertums).
Natürlich wurde aber zu allen Zeiten fade und aufregende Musik geschrieben – das war zu Beethovens Lebzeiten auch nicht anders. Nur musste er noch nicht gegen einen riesigen musikhistorischen Berg anschreiben, da zu seiner Zeit fast ausschließlich aktuelle Musik gespielt wurde (was – wenn man es bedenkt – ein wesentlich gesünderer Zustand war, als die 95-99-prozentige Dominanz des Alten in unseren Konzertprogrammen heute.)
Dennoch kann ich nicht umhin, das zu lieben, was unsere musikalische Tradition ausmacht. Dazu gehört sicherlich auch Beethoven. Aber ich möchte Beethoven auf Augenhöhe begegnen, ohne von unten heraufzuschauen. Als Würmchen fällt mir keine gute Musik ein. Ich möchte also zum Beispiel nicht zitieren (daher gibt es auch keine offensichtlichen Bezüge zu den folgenden und vorhergehenden Sonaten in meinen Stücken, außer einer tonartlichen Verwandtschaft), denn das hätte ich als billig anbiedernd empfunden. Einzig und allein das 9. Stück geht direkt in die ‚Kreutzer’-Sonate über (muss es aber nicht), die anderen Stücke sind in sich abgeschlossen. Meine Stücke können vor den jeweiligen Sonaten gespielt werden, bilden aber auch einen in sich stimmigen Zyklus für Violine solo. Auch einzelne Stücke könnte man daraus aufführen, ohne den gesamten Zyklus zu spielen.
Ich habe mich bewusst auf das konzentriert, was Beethoven für mich ausmacht: sein immer wiederkehrendes Definieren einer musikalischen Logik, die (sehr oft augenzwinkernd) dann individuell aus dem Ruder läuft und sich von Konventionen befreit. Für mich ist Beethoven der große Erzähler der Freiheit, und meine eigene Freiheit in diesen Stücken bestand darin, keineswegs mit vordergründig effekthascherischen Methoden der Neuen Musik beeindrucken zu wollen, sondern sich tatsächlich auf eine vornehmlich melodische und gestische Tonsprache einzulassen, die ich in der heutigen Musik oft vermisse. Hierbei ist Beethoven „mir mit ihm“ nahe gewesen, und ich stelle mir gerne vor, dass er mir ein wenig über die Schulter geschaut hat. Der Rest ist das, was die Liebe fordert, und das mit Recht.“
[Moritz Eggert, 16.7.2019]

Die Satztitel lauten:

1. Amoroso
2. Feroce
3. Amabile e liberamente
4. Heimlich
5. Überschwänglich
6. Giocoso
7. Verhuscht
8. Forsch
9. Zärtlich
10. Con bravura

27./28.09.2019   
Kronberg           
UA Moritz Eggert,                                       
„Mir mit dir. 10 Vor-und Nachgedanken zu den Beethovenschen Violinsonaten“   
10 verschiedene Solisten: Antje Weithaas (Nr. 1), Nikita Boriso-Glebsky (Nr. 2), Suyoen Kim (Nr. 3), Mihaela Martin (Nr. 4), Alina Pogostkina (Nr. 5), Linus Roth (Nr. 6), Vadim Gluzman, (Nr. 7), Baiba Skride (Nr. 8), Hyeyoon Park, (Nr. 9), Stella Chen (Nr. 10)

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