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David Geringas bringt die neue Cellosonate von Jüri Reinvere auf Usedom zur Uraufführung

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Der im Juli dieses Jahres 73 Jahre alt gewordene litauische Cellist David Geringas ist eine Institution seines Fachs und hat sich mit Uraufführungen etwa der Musik Alfred Schnittkes, legendären Interpretationen klassisch-romantischen, aber vor allem osteuropäischen Repertoires einen großen Namen erspielt. Auch der estnische Komponist Jüri Reinvere nahm Kontakt zu David Geringas und dessen Frau Tatjana auf. Er schrieb eine Sonate für Violoncello und Klavier, die am 22. September 2019 nun im Rahmen des Usedomer Musikfestivals in Stolpe auf Schloss Usedom von David Geringas und seinem Klavierbegleiter Ian Fountain zur Uraufführung gebracht wird.

Der Komponist berichtet, wie seine Cellosonate entstand:

„Vor einigen Jahren traf ich David Geringas und seine Frau Tatjana zum ersten Mal. Wir saßen in einem Berliner Programmkino und sahen einen Dokumentarfilm über Davids Lehrer Mstislaw Rostropowitsch. Bald darauf hörte ich David Geringas jährlich bei den Konzerten des Usedomer Musikfestivals, wo er das große Repertoire für Violoncello und Klavier von Beethoven bis Prokofjew spielte und immer wieder weit in unsere Gegenwart vorstieß. Nach einem seiner Konzerte mit Sonaten von Beethoven hatte ich plötzlich ganz klare Vorstellungen, wie eine Sonate von mir aussehen konnte. War also einmal das Spiel von David Geringas eine starke Inspiration für mich, so war es zum anderen ein Buch von Christiane Wiesenfeldt über die Cellosonate des 19. Jahrhunderts. Ich habe mich daraufhin intensiv mit diesem gewichtigen Repertoire befasst: mit Mendelssohn und Brahms, den großen Sonaten von Chopin und Rachmaninow, die von den Möglichkeiten des Cellos so fasziniert waren, dass sie ihre sonstige Zurückhaltung gegenüber der Kammermusik völlig vergaßen.
Ich stellte mir die Frage: Was ist das eigentlich gewesen – die große romantische Cellosonate? Worin lag ihre Faszination? Was ist daran bis heute lebensfähig? Welche Ambitionen, welche Probleme sind mit dem Genre und der Besetzung verbunden? Entstanden ist dabei ein Stück, das ganz bewusst nicht auf eine Überbietung der romantischen Cellosonate, auf eine Ausdehnung ihrer zeitlichen Proportionen und der spieltechnischen Möglichkeiten setzt. Eher ging es mir um Konzentration. In gut zweiundzwanzig Minuten soll aus dem Gegensatz thematischen Materials, aus dem Kontrast hörbarer Gestalten, ein Prozess in Gang kommen, der den Titel „Sonate” auch rechtfertigt. Alle Möglichkeiten, Charaktere, Stimmungen und Techniken der mehrsätzigen Form sind hier in einem Satz zusammengefasst. Virtuosität im Sinne des Effekts tritt zurück zugunsten gedanklicher Arbeit und emotionaler Spannung. Trotzdem sollen sich beide Instrumente, Violoncello und Klavier, in ihrer Wirkung gegenseitig steigern, statt sich zu erdrücken oder zur Zurückhaltung zu zwingen. Gewidmet ist die Sonate David Geringas, der mich nicht nur durch sein Können beeindruckt hat, sondern auch darin, wie er, als Litauer, Kulturpatriotismus und kosmopolitisches Denken verbindet.“

22.09.2019        
Stolpe auf Usedom       
UA Jüri Reinvere,                                       
Sonate für Violoncello und Klavier                               
(David Geringas, Violoncello                                   
Ian Fountain, Klavier)                                   
- Usedomer Musikfestival -

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