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Mischa Maisky mit Benjamin Yusupovs Cellokonzert auf Deutsche Grammophon

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Der Cellist Mischa Maisky ist seit vielen Jahren ein enger Freund und Interpret des russisch-israelischen Komponisten Benjamin Yusupov. Auf seinem neuesten Album bei der Deutschen Grammophon, wo Maisky mit seiner Tochter, der Pianistin Lily Maisky, Werke unter dem Motto „20th Century Classics“ eingespielt hat, durfte das vom Star-Cellisten seit Langem geliebte Violoncellokonzert Yusupovs natürlich nicht fehlen. Das 2006 entstandene Werk ist ein Repertoireklassiker der Neuen Musik für Violoncello. Mischa Maisky ist hier mit dem Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung des Komponisten eine wahre Referenzaufnahme gelungen.  

Benjamin Yusupov sagt über sein Verhältnis zu Mischa Maisky und sein Konzert für Violoncello und Orchester:

„Der Modernismus als ein Trend in der Kunst ist bereits vor 30 Jahren gestorben, was aber noch nicht jeder weiß, da anhaltend altmodische Schemata und Ideen neu gestaltet werden. Kunst muss einzigartig sein. Was ist Postmodernismus? Handelt es sich um ein Kaleidoskop von ungewöhnlichen Zusammenstellungen, stilistischen Kontrasten und unausführbaren Möglichkeiten?
Die Idee zu diesem Konzert entstand vor langer Zeit, ich hatte schon ziemlich lange den Gedanken, das Violoncello als ein singendes Instrument, als die „Seele“ des Künstlers und als die reine und unschuldige Welt eines menschlichen Wesens zu behandeln.
Seit meiner Jugend empfand ich das außergewöhnliche Spiel von Mischa Maisky als ein Beispiel einer solchen Spielweise. Der Klang seines Cellos, dessen Emotionalität und Ernsthaftigkeit haben mich stets fasziniert und meine Fantasie angeregt. Ich war glücklich, als ich dank eines Kompositionsauftrages des Luzerner Sinfonieorchesters die Möglichkeit bekam, sein musikalisches Portrait zu gestalten und aus Anlass des 60. Geburtstages von Mischa Maisky ein Cellokonzert für ihn zu schreiben.
Das Konzert besteht aus vier Sätzen, die ohne Pause gespielt werden. Es handelt sich um die Geschichte eines Künstlers, der kämpft, leidet und versucht, seinen eigenen Weg der Selbstentfaltung in unserer schrecklichen Welt zu finden.
Im ersten Satz ist der Künstler voller Kraft, Hoffnung, Pläne und musikalischer Ideen. Die Emotionalität überwältigt ihn. Die ergreifende Melodie im höchsten Register wird mehrmals wiederholt und beschreibt die verschiedenen Seiten seiner Persönlichkeit.
Der zweite Satz, komponiert im Walzer-Rhythmus, ist eine Art Illusion: Der Held versucht der Realität zu entkommen, um in den Bereich seiner Illusionen und Träume zu gelangen. Aber bei jedem Versuch holt ihn die Realität (dargestellt durch das Orchester-Tutti) wieder ein. Die Routine zerstört seine süßen Illusionen, seine unvollendete unschuldige Melodie. Beständig steigert sich der Konflikt des verzweifelten Komponisten und gipfelt in der Kadenz des zweiten Satzes.
Im dritten Satz versucht der vom Kampf gebrochene Held, sich den gesellschaftlichen Erwartungen gemäß zu verhalten und deren Regeln und Grundsätze zu akzeptieren. Nacheinander folgen drei Themen: Das erste ist eine sinnliche, permanent schneller werdende Zigeunermelodie, die in das zweite Thema, das banale russische Straßenlied „Kupite bubliki“ („Kaufen Sie Kringel“), übergeht. Dieses mehrmals in der musikalischen Literatur verwendete Lied steht als Symbol für die Oberflächlichkeit. Die dritte Welle kommt als ein grotesker Volkstanz, der voller Virtuosität und Feuer ist. Im letzten Abschnitt des Satzes schließlich erklingen alle drei Themen gleichzeitig, so dass klanglich das Chaos und die Kakophonie einer Sauforgie entstehen. Die Musik erreicht einen dramatischen Höhepunkt, in dem sich gewaltige Tutti-Passagen des Orchesters und das Wehklagen des Cellos gegenüber stehen. Der Künstler versteht, dass er sich nicht so verhalten kann, wie die Gesellschaft es von ihm erwartet, sein einmaliger Charakter kann sich nicht dem Rhythmus der Außenwelt anpassen, seine Persönlichkeit ist unerreicht.
Der vierte Satz (Epilog) besteht aus zarten und einsamen Schönklängen, die wie ein lang gezogener Traum sind, den der Künstler in seinem ganzen Leben gehen sollte ...
Und er lässt die Welt an seinem Traum teilhaben.“

Zur CD:
Benjamin Yusupov:
Konzert für Violoncello und Orchester
Luzerner Sinfonieorchester; Ltg.: Benjamin Yusupov
DG 483 7289

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