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80. Geburtstag von John Neumeier – ein Blick auf große Ballette

Am 24. Februar 2019 begeht der legendäre Choreograph John Neumeier seinen 80. Geburtstag. Seit 1973 ist Neumeier Ballettdirektor und Chefchoreograph des Hamburg Balletts. 1939 wurde er in Milwaukee/Wisconsin geboren, erhielt seine Tanzausbildung in Kopenhagen und später an der Royal Ballet School in London und wurde 1963 von John Cranko für das Stuttgarter Ballett engagiert. Von 1969 bis 1973 war Neumeier Ballettdirektor in Frankfurt am Main. In seinen choreographischen Arbeiten geht es ihm darum, zeitgenössische Formen für traditionelle Ballettklassiker, aber auch für Vertanzungen großer klassischer Musikwerke wie der Dritten Sinfonie von Gustav Mahler oder Bachs „Matthäuspassion“ zu finden. Ein enges Band knüpfte Neumeier bereits in den 80er Jahren zu Alfred Schnittke, und in jüngerer Zeit entstand im Rahmen mehrerer aufsehenerregender Produktionen eine enge Beziehung zur russisch-amerikanischen Komponistin Lera Auerbach.
Neumeier fühlte sich von der starken Ausstrahlung der Musik Schnittkes magisch angezogen. Diese löst Assoziationen aus, die u.a. in der Vielfalt der Überlagerung und Kombination von Stilelementen ihre Ursache haben. Schnittkes und Neumeiers Zusammenarbeit bei den mit Schnittkes Musik verbundenen Balletten „Peer Gynt“, „Endstation Sehnsucht“ und „Othello“ führte zu bahnbrechenden Choreographien des Jubilars.
Genauso eng wie das Verhältnis zu Alfred Schnittke sollte zur Jahrtausendwende dann Neumeiers Zusammenarbeit mit Lera Auerbach werden. Zu Auerbachs 24 Präludien für Violoncello und Klavier und den 24 Präludien für Violine und Klavier schuf Neumeier im Jahr 2003 ein abendfüllende Ballett. Beim Choreographieren habe er sich ganz auf die Musik eingelassen, erinnert sich Neumeier. Mit seinen 17 Solorollen, die er in abstrakten tänzerischen Formationen auftreten ließ, nimmt sein Ballett „Préludes CV“ eine Sonderstellung ein: „Ich glaube, es hat in der Geschichte kein Ballett mit so vielen Solopartien gegeben“, sagt der Choroegraph.
Die zweite Zusammenarbeit mit Lera Auerbach war das gefeierte Auftragswerk des Königlichen Theaters Kopenhagen anlässlich des 200. Geburtstages von Hans Christian Andersen. Auerbach komponierte für Neumeier die abendfüllende Ballettmusik „Die kleine Meerjungfrau“, die am 15. April 2005 mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Zu ihrer Zusammenarbeit mit John Neumeier bei diesem Werk sagte Lera Auerbach einmal: “The peculiar quality of theater music is that there are extra-musical frames to work with. One needs to find a balance between achieving what you intend to create artistically and yet make it work organically together with all the dramatic requirements of the theater. If music becomes only a servant of the dance as it happened with many 19th century ballets – then it is a problem. The other difficulty is the length. With the Little Mermaid we have full three acts – and to sustain your best quality within the span of a three-hour production where the overall architecture needs to hold the structure together is definitely a challenge.“
Eine weitere Zusammenarbeit von John Neumeier und Lera Auerbach entstand mit dem abendfüllenden Handlungsballett „Tatjana“, das 2014 an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt wurde. In diesem Werk steht nicht Eugen Onegin, der die Gutsherrentochter Tatjana abweist und diesen Schritt später bitter bereut, im Mittelpunkt, sondern die weibliche Hauptfigur aus dem Versroman von Alexander Puschkin. Tatjana wird in Russland seit der Veröffentlichung dieses Romans als eine Art russisches Ideal bewundert und verehrt. Fjodor Dostojewski, der für Puschkin eine besondere Leidenschaft hegte, schrieb einmal über diese Frau: „Tatjana ist ein starker Mensch, die steht fest und sicher auf ihrem Boden. Sie ist tiefer als Onegin und natürlich auch klüger als er. Sie ahnt schon allein durch ihren feinen Sinn, wo die Wahrheit ist und worin sie besteht. Vielleicht wäre es besser gewesen, Puschkin hätte seinen Roman nach ihr ‚Tatjana Larina‘ genannt, und nicht nach ihm ‚Jewgenij Onegin‘, sie ist der Held, nicht er. Sie ist ein bejahender Typ, nicht ein verneinender wie er, sie ist ein Typ wahrhafter Schönheit.“
Ein weiteres wichtiges Ballett von John Neumeier ist „Nijinsky“. Es enthält Musik von Dmitri Schostakowitsch. Die Choreographie sei, so der Hamburger Ballettchef, keine tänzerische Skizzierung des Lebens des großen Tänzers und Stars der Ballets russes, sondern eine Biografie der Seele, der Empfindungen und Zustände dieses am Ende seines Lebens so schwer erkrankten Künstlers. Es erklingen Ausschnitte aus der 11. Sinfonie „Das Jahr 1905“ op. 103 und der Sonate für Viola und Klavier op. 147, dem letzten Werk von Dmitri Schostakowitsch, das als eine Art Vermächtnis verstanden werden kann.
Zudem hat John Neumeier natürlich auch die großen Ballettmusikklassiker von Sergej Prokofjew, „Cinderella“ und „Romeo und Julia“, choreographiert.

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