Klaviertrio-Uraufführungen von Johannes X. Schachtner und Moritz Eggert in München

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Gleich zwei Uraufführungen neuer Klaviertrio-Kompositionen standen auf dem Programm eines Kammermusikkonzerts am 24. November 2018 in München. Das ensemble sonorizzonte mit Jessica Kuhn (Violoncello), Elisabeth Kufferath (Violine) und Moritz Eggert (Klavier) brachten die Werke „Follia. Bilder“ - Klaviertrio Nr. 2 von Johannes X. Schachtner und „Auf den Punkt“ für Klaviertrio und 3 Metronome des auch als Pianist mitwirkenden Komponisten Moritz Eggert zur Uraufführung.

Johannes X. Schachtner sagt zu seinem Werk „Follia. Bilder"  - Klaviertrio Nr. 2

„Das Bild von der ‚Kugelgestalt der Zeit’ ist untrennbar mit der Musik Bernd Alois Zimmermanns verbunden, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Mich inspirierte diese Idee zu einem Variationszyklus, in dem ich außerdem konsequent eine fast Zimmermannsche Zitiertechnik anwende.
Aus über 300 Jahren Musikgeschichte habe ich Variationen über das berühmte ‚La Follia’-Thema zusammengetragen und zu sieben Bildern und einem Epilog neu zusammengefügt, die sich der gängigen Dramaturgie der Follia-Variationen annähern und im letzten Bild in eine Ekstase münden.
Dabei kommen so unterschiedliche Komponisten wie Sergei Rachmaninoff, Antonio Salieri, Johann Sebastian oder CPE Bach zu Wort, aber nie in historisch korrekter Chronologie oder Instrumentierung. Um dieses Verwirrspiel auf die Spitze zu treiben, wechselt der Pianist zuweilen auf historisch gestimmte Tasteninstrumente und eine Jazz-Orgel, die eine Hommage an Zimmermann selbst ist.“

Moritz Eggert kommentiert „Auf den Punkt“ für Klaviertrio und 3 Metronome mit folgenden Worten:                                     
„Wie so oft gab es zuerst einmal eine Idee, die mit einer anfangs noch abstrakten musikalischen Vorstellung zu tun hatte: Einzelne, repetierte Töne, Zeitmessungen, Taktschlag, Metronomticken. Die Spieler in unterschiedlichen Zeitebenen, die miteinander korrespondieren…
Wir Deutschen gelten als pünktliches Volk. Für uns ist es wichtig, dass die Dinge auf den Punkt kommen. Auch das Metronom wurde von einem Deutschen erfunden (Mälzel, patentiert 1815). Brave Kinder üben mit Metronom. Doch jeder kennt die kleinen Ungenauigkeiten, die sich einschleichen, wenn man versucht, genau auf den Schlag zu spielen. Der menschliche Organismus ist für die mechanische Präzision nicht geschaffen, er begehrt auf mit individueller Zeitgestaltung.
Wenn Musik von Computern gespielt wird, klingt sie für uns daher befremdlich „genau“, alles ist ordentlich und immer exakt „auf den Punkt“. Inzwischen sind daher die Programmierer von Musiksoftware dazu übergangen, die elektronische Performance wieder „menschlich“ machen, indem sie Algorithmen für Ungenauigkeiten integrieren. Der Computer wird also gezwungen, leicht neben dem Schlag zu spielen, damit es „humaner“ klingt.
Vielleicht sollten wir Menschen froh sein, dass wir nicht so genau auf den Punkt funktionieren, obwohl sich das viele Diktatoren wünschen. Aber auf Dauer funktionieren wir nicht so – kleine Abweichungen stellen sich ein, nicht jeder marschiert im gleichen Takt.
Und mit dieser Taktlosigkeit bricht sich das Leben seine Bahn.“

24.11.2018
München
UA Johannes X. Schachtner,
„Follia. Bilder“ - Klaviertrio Nr. 2
UA Moritz Eggert,
„Auf den Punkt“ für Klaviertrio und 3 Metronome
ensemble sonorizzonte:
Jessica Kuhn (Violoncello)
Elisabeth Kufferath (Violine)
Moritz Eggert (Klavier)

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