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Jan Müller-Wieland: Neues Melodram „Maria“ wird in Essen uraufgeführt

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Der in München als Kompositionsprofessor lehrende Jan Müller-Wieland hat einen neuen Beitrag zu der von ihm so geschätzten Gattung Melodram komponiert. Sein neues Werk „Maria“. Eine Vertreibung für Sprecherin, Sprecher, vier Herrensoli, Chor und Orchester nach einem Text vom Komponisten u.a. nach dem Matthäus-Evangelium, Goethe, Nietzsche, Rilke, Jean Paul, Ringelnatz und „Des Knaben Wunderhorn“ kommt am 23. September 2018 in Essen zu einer spektakulären Uraufführung. Das im Auftrag des Büros für Internationale Kulturprojekte in Kooperation mit der Ruhrtriennale entstandene Werk wird vom Balthasar-Neumann-Chor, der Cuban-European Youth Academy Orchestra unter der Leitung von Thomas Hengelbrock interpretiert. Der ehemalige Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters hat seine Arbeit mit jungen kubanischen Musikerinnen und Musikern parallel zu seinen Aktivitäten mit den Balthasar-Neumann-Ensembles intensiviert. Die Sprecherpartien des Melodrams übernehmen Hengelbrocks Frau Johanna Wokalek und Peter Simonischek.
„Maria“ bezieht sich ursprünglich auf Godards Kurzfilm „Je vous salue Marie“ und Saramagos Roman „Das Evangelium nach Jesus Christus“.

Der Komponist berichtet:

„Maria misstraut dem Erzengel Gabriel. Sie liebt ihren Josef. Dieser muss in die Stadt. Jesus wird geboren. Josef wird gekreuzigt. Maria flieht mit ihrem Baby vor den römischen Schergen zum Meer. Sie kann nicht schwimmen, riskiert aber die Flucht.
1985 sah ich im Kino ‚Je vous salue, Marie’ von Jean-Luc Godard. In diesem Film wird die biblische Liebes-Geschichte in unseren Alltag transformiert. Josef ist KFZ-Mechaniker, Gabriel ein Kunde bei dessen Tankstelle. 1998 las ich Saramagos Roman „Das Evangelium nach Jesus Christus“. In diesem Buch wird Josef - als einer von vielen, quasi als Widerständler - gekreuzigt.
Jesus hat somit ein traumatisches Überlebenssyndrom. Als ich 2015 nach einem Treffen mit Johanna Wokalek wieder zu Hause war, musste ich am frühen Abend in einen Supermarkt. An der Kasse sagte eine entnervte Kassiererin: ‚Zwei Neunzig bitte! Danke. Diese Kasse ist jetzt geschlossen. Ciao Chef. Ich packs. Schönen Feierabend.’ Diese Wortmeldung ist im Stück exakt so übernommen. Damit war Maria (Johanna Wokalek) eine Kassiererin, die womöglich traumbildhaft die Evangelien-Geschichte erlebt. Josef aber bleibt der stille Zimmermann, der mutig und trotzig - im Widerstand gegen die römische Herrschaft - ein Haus für Maria und sich baut, denn er weiß oder ahnt: ‚Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.’ Dieser Satz stammt aus dem Herbstgedicht Rilkes. Das heißt: Entlang der Geschichte ergaben sich Verweise, Konnotationen, Winke, Ausflüge, Zweige auf weitere Elemente unseres kulturellen Bewusstseins.
Das Stück ist eine Art Melodram-Oratorium, der Chor figuriert als heiliger Geist. Thomas Hengelbrock schlug vor, das Orchester genauso zu besetzen wie Schumann in seinen Faust-Szenen. Daher gibt es kein Schlagzeug. Keinen Schmuck! Nur Pauken! Bachs königliches Thema, das Thema regium aus dem ‚musikalischen Opfer’ hat mich beim Schreiben die ganze Zeit angestachelt. Als Maria sich Gabriel (Peter Simonischek) verweigert, taucht es zum ersten Mal gut hörbar auf. Es ist ihr Stern. Ihre Seele. Ihr Verbleib.“ In Pasolinis Jesus-Film von 1964 steht das Thema regium für Judas quälendes Gewissen. Warum? Der Musik wegen, der einfachen Ton-Folgen.
Der Mensch ist voll Liebe, aber ein Abgrund.
 
23.09.2018   
Essen               
UA Jan Müller-Wieland,
„Maria“. Eine Vertreibung für Sprecherin, Sprecher, vier Herrensoli, Chor und Orchester
(Text vom Komponisten u.a. nach dem Matthäus-Evangelium, Goethe, Nietzsche, Rilke, Jean Paul, Ringelnatz und „Des Knaben Wunderhorn“)
(Johanna Wokalek, Sprecherin
Peter Simonischek, Sprecher
Balthasar-Neumann-Chor                   
Cuban-European Youth Academy Orchestra; Ltg.: Thomas Hengelbrock
- Auftragswerk des Büros für Internationale Kultuprojekte in Kooperation mit der Ruhrtriennale -

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