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75. Geburtstag von Krzysztof Meyer

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Der 1943 geborene polnische Komponist Krzysztof Meyer gehört zu den Komponisten, die Dmitri Schostakowitsch noch persönlich begegnen durften. Zwanzig Jahre nach Schostakowitschs Tod legte Meyer beim Gustav Lübbe Verlag eine der wichtigsten Schostakowitsch-Biographien vor, in der er  sich zu seinen Beziehungen mit dem russischen Komponisten äußerte und seine Beobachtungen vor allem in Schostakowitschs letzten Lebensjahren festhielt. So berichtete er, dass Schostakowitsch nach Fertigstellung seiner 15. Sinfonie nahezu anderthalb Jahre keine einzige Note mehr geschrieben habe. Zum ersten Mal in seinem Leben habe er aus gesundheitlichen Gründen eine so lange Arbeitspause eingelegt. Und doch hätten, so Meyer, weder die vielen Ehrungen, die Schostakowitsch zuteil geworden seien, noch die unheilbare Krankheit, an der er litt, seine Persönlichkeit verändern können, die er sich von Jugend an habe bewahren können. Stets bewunderte Meyer an Schostakowitsch die große Zurückhaltung und Bescheidenheit, das fast scheue Auftreten nach Konzerten, in denen seine Werke erklangen. Besonders eindrucksvoll ist Meyers Beschreibung von Schostakowitschs Verhalten während einer Aufführung: „Sein Gesicht glich einer Maske, die Lippen waren verkniffen und der Blick geistesabwesend auf irgendeinen Punkt im Raum fixiert.“ Gleichzeitig habe sich Schostakowitsch beinahe „kindliche Züge“ in entspannter Stimmung bewahrt und sich über die geringsten Kleinigkeiten spontan ungemein freuen können. Dennoch urteilt Meyer: „Schostakowitsch blieb sein Leben lang in vieler Hinsicht eine rätselhafte Persönlichkeit. Die meisten Menschen, die fast täglich mit ihm Umgang hatten, wussten über ihn weniger als über längst verblichene Komponisten (...) Alle waren sich aber darin einig, dass er in sich Züge eines begnadeten Künstlers hatte, dessen Reaktionen nicht vorauszusehen waren und dessen persönlicher Charakter nicht immer in Einklang stand mit seiner künstlerischen Individualität.“
Als Krzysztof Meyer diese Beobachtungen kurz vor Schostakowitschs Tod machte, war er selbst gut dreißig Jahre alt. Geboren wurde er am 11. August 1943 in Krakau, lernte Klavierspielen und nahm dann ab 1954 Unterricht in Theorie und Komposition bei Stanislaw Wiechowicz. Nachdem er das Chopin-Musikgymnasium in Krakau absolviert hatte, studierte er an der dortigen Musikhochschule, wo er zwei Studiengänge mit Auszeichnung abschloss: 1965 erhielt er sein Diplom in Komposition bei Krzysztof Penderecki und 1966 sein Diplom in Musiktheorie. In den Jahren 1964, 1966 und 1968 studierte er jeweils für einige Monate in Frankreich bei Nadia Boulanger.
Von 1965 bis 1967 trat Meyer als Pianist im „Ensemble für zeitgenössische Musik MW2“ auf und konzertierte in Polen sowie in zahlreichen Ländern Europas. Außerdem spielte er als Solist seine eigenen Kompositionen. Von 1966 bis 1987 unterrichtete Krzysztof Meyer musiktheoretische Fächer an der Staatlichen Musikhochschule (heute Musikakademie) in Krakau und war von 1972 bis 1975 als Prorektor tätig, von 1975 bis 1987 hatte er den Musiktheorie-Lehrstuhl inne. Von 1987 bis 2008 war er Professor an der Musikhochschule in Köln, wo er eine Meisterklasse für Komposition leitete. Meyer hielt im In- und Ausland zahlreiche Vorlesungen über Neue Musik (unter anderem in der Sowjetunion, in Ost- und Westdeutschland, Österreich und Brasilien). Von 1985 bis 1989 war er Vorsitzender des Polnischen Komponistenverbandes. 
„Von Natur und Überzeugung bin ich natürlich ein polnischer Komponist“, schrieb Meyer im Jahr 2009 in einem Brief an den Sikorski-Verlagsdirektor Hans-Ulrich Duffek, „bin aber gleichzeitig ein Europäer. Mir ist völlig egal, ob ich in Polen oder woanders wohne. Ich kann im Westen ebenso gut leben und arbeiten wie in Polen, wenn ich nur Freunde und Interpreten meiner Musik finde. Wenn ich aber in Deutschland lebe, fühle ich mich bereichert, weil das deutsche Musikleben unglaublich umfangreich ist und mir verschiedenste Impulse gibt.“

Am 29. März 2019 kommt in Katowice das Orchesterwerk "MIroirs au carré" von Krzysztof Meyer zur Uraufführung. Es spielt das Nationale Sinfonieorchester des Polnischen Rundfunks, die leitung hat José Maria Florencio.
Für den 7. Mai 2019 ist die Uraufführung eines im Auftrag der Universität Poznan im Entstehen befindlichen Orchesterwerkes von Krzysztof Meyer in Poznan angekündigt. Lukasz Borowicz wird dabei die Philharmonie Poznan leiten. 

29.03.2019       
Katowice           
UA Krzysztof Meyer,                                       
“Miroirs au carré” für Orchester                                   
(Nationales Sinfonieorchester des Polnischen Rundfunks, Ltg.: José Maria Florencio)

07.05.2019           
Poznan               
UA Krzysztof Meyer,                                       
Orchesterwerk
(Philharmonie Poznan;
Ltg.: Lukasz Borowicz)                                           
- Auftragswerk der Universität Poznan -

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