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Russischer Dirigent Gennadi Roschdestwenski im Alter von 87 Jahren gestorben

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Der russische Dirigent Gennadi Roschdestwenski ist am 16. Juni 2018 in Moskau im Alter von 87 Jahren gestorben, wie das Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium mitteilte.
Roschdestwenski war einer der bedeutendsten Dirigenten der Nachkriegszeit und unterhielt engste Beziehungen zu Musikern, aber auch Komponisten wie zum Beispiel Alfred Schnittke, Sofia Gubaidulina und Edison Denissow aus der Ärä nach Dmitri Schostakowitsch. Über sechs Jahrzehnte hinweg gab er Konzerte rund um die Welt, leitete das Rundfunk-Symphonieorchester der UdSSR und später das renommierte Bolschoi-Theater in Moskau. Roschdestwenski war der erste Dirigent der ehemaligen Sowjetunion, der zum Chefdirigenten ausländischer Orchester ernannt wurde. Viele Jahre lang leitete er das BBC Symphony Orchestra in London, die Wiener Symphoniker und das Stockholm Royal Philharmonic Orchestra. Er war mit der russischen Pianistin Wiktoria Postnikowa verheiratet, mit der er auch viele Konzerte gab und Aufnahmen realisierte.
1982 einmal initiierte Gennadi Roschdestwenski als Zugabe für ein Konzert im Großen Saal des Moskauer Konservatoriums am 15. April 1982 einen im Autorenkollektiv komponierten Marsch mit dem Titel „Schwan, Krebs und Hecht” für Blechbläser und Schlagzeug.  Roschdestwenski war damals für den Schlagzeugpart zuständig. Der Komponist Alfred Schnittke verwendete dieses Stück später als Einleitung und Finale seines Balletts „Skizzen“. Einen wichtigen Beitrag leistete Gennadi Roschdestwenski auch zur Geschichte der bekannten Gogol Suite von Alfred Schnittke. Die komplizierte Entstehungsgeschichte der Bühnenmusik zum Schauspiel "Die Revisionsliste" von Nikolai Gogol beginnt 1976, als Juri Ljubimow, Leiter und Regisseur des Moskauer Taganka-Theaters, Schnittke den Auftrag erteilt hat, die Bühnenmusik zu einem ungewöhnlichen Gogol-Spektakel zu schreiben. Schnittke hatte zu dieser Zeit vor allem als Film- und Bühnenkomponist (Musik zu über 40 Filmen und zu Stücken von Shaw, Schiller, Puschkin und Brecht) hohen künstlerischen Ruf erlangt. Scheinbar chaotisch hatte Ljubimow damals zahlreiche Gogol-Stoffe ("Die Nase", "Der Revisor", "Die toten Seelen", "Der Mantel", "Das Porträt" u.a.) zu einem grandiosen Theaterstück vermischt, wobei sein subtiles Gefühl für den zeitlichen Ablauf und das gegenseitige Durchdringen der Handlungsabläufe zu einer ausgeklügelten Dramaturgie führten. Diese Arbeitsweise deckt sich mit den Formprinzipien Schnittke, der Eigenes und Fremdes, echte und falsche Zitate, Neukomponiertes und Teile aus früher Entstandenem in seiner Musik verwendet.
Ein Wechsel in der musikalischen Leitung des Taganka-Theaters führte dazu, dass Gennadi Roschdestwenski, der sich schon seit 1963 für Schnittke mit der Uraufführung vieler Orchesterwerke engagiert hatte, das Dirigat der Bühnenmusik zur "Geschichte des Revisors" übernahm. Später kam ihm der Gedanke, wesentliche Teile er Schauspielmusik zu einer Gogol-Suite zusammenzustellen. Das Ergebnis dieser Arbeit liegt nun in dieser bemerkenswerten Neuerscheinung vor.

Foto: Gennadi Roschdestwenski (im Hintergrund) und Alfred Schnittke

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