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40. Todestag von Aram Chatschaturjan

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Aram Chatschaturjans Musik ist einzigartig, hochlebendig und vielfarbig. Ohne Frage liegen die Hauptgründe dafür auch in der armenischen Heimat des Komponisten, von deren Folklore und deren Geschichte Chatschaturjan zutiefst beeinflusst war. Diese Einflüsse hat Chatschaturjan auf vielfältigste Weise kultiviert, transportiert und interpretiert, obwohl er als junger Mann durch seine Ausbildung ganz in den Einzugsbereich der russischen Moderne gezogen wurde.
Mit 19 Jahren war er nach Moskau gegangen, eigentlich um Biologie zu studieren. Nach wenigen Monaten aber begann er ein Violoncello- und Kompositionsstudium am dortigen Gnessin-Institut. 1930 wechselte er ans Moskauer Konservatorium, wo er bei Nikolai Mjaskowski (Komposition) und Sergej Wassilenko (Orchestration) studierte. 1951 erhielt er eine Professur für Komposition am Moskauer Konservatorium und avancierte 1957 zum Sekretär des Komponistenverbandes der Sowjetunion. Bereits viele Jahre zuvor hatte er sich auch einen Namen als Dirigent gemacht und gastierte seit Mitte der 70er Jahre in dieser Funktion auch im Westen. Ein Auftritt beim NDR in Hamburg war legendär, die Aufnahmen gehören noch heute zu den großen Schätzen des Sendearchivs.
Geprägt durch die ‚konservativen‘ Bestrebungen Wassilenkos, die an Neuem orientierte Einstellung Mjaskowskis und den sich aus seiner Herkunft ergebenden Einfluss armenischer Folklore gelang es Chatschaturjan, die Volksmusik seiner armenisch-kaukasischen Heimat mit der russischen Kunstmusik zu verbinden. Vor allem das Ballett „Gajaneh“ ist Ausdruck seines persönlichen, individuellen Gestaltungswillens. Der „Säbeltanz“ aus diesem Werk errang weltweite Popularität. Aram Chatschaturjan verstarb am 1. Mai 1978. Am 1. Mai 2018 gedenken wir seines 40. Todestags.
In jüngster Zeit sind viele, auch weniger bekannte Kompositionen aus Chatschaturjans riesigem Oeuvre wiederentdeckt, aufgeführt und neu auf CD eingespielt worden. Allein 24 Bände umfasst die russisch-sowjetische Werkausgabe Aram Chatschaturjans. Wer darin forscht, wird feststellen, dass der vielbeschworene Folklore-Pragmatismus kaum auf alle Werke des Armeniers anzuwenden ist und das Bild vom „kaukasischen Grieg“ arg überstrapaziert. Der wirbelig-nervöse erste Satz des selten gehörten Violinkonzertes von 1940 belegt diese Behauptung und mag den französischen Flötisten Jean-Pierre Rampal vor nunmehr fast fünfzig Jahren zur Transkription dieses Violinkonzertes inspiriert haben, die Chatschaturjan in Wirklichkeit aus Unlust, selbst ein Flötenkonzert zu schreiben, ihm 1968 zubilligte.  Vor allem in der tiefen Lage unterstreicht diese Fassung die schillernden Farbenwechsel des, selbst im orientalisch-verspielten Andante sostenuto, unablässig vorwärtsdrängenden Werkes. Manche Schärfen in Chatschaturjans Instrumentierung, vor allem die kantigen Mischungen mit hohen Holzbläsern und dem Gerassel des Schlagwerks, werden elegant konterkariert.
Eine Neuauflage erfuhr in unserem Katalog das zweibändige Kinderalbum für Klavier von Aram Chatschaturjan. Die Folge gut spielbarer, illustrativer Klavierstücke ist längst ein Klassiker. Dabei hat der armenische Komponist wirklich an alles gedacht. In den „Bildern der Kindheit“ (Ed. 2144) lässt er die kleinen und großen Pianisten einen Spaziergang machen. Einen musikalischen Trost für den kranken Ljado gibt es ebenso wie eine wilde „Reiterei“.  Genauso Spaß macht es, den „Zwei plappernden Tanten“ aus den „Klängen der Kindheit“ (Ed. 2166) zuzuhören oder sich einen „Leoparden auf der Schaukel“ vorzustellen, dem Chatschaturjan ein klavieristisches Porträt widmet. Und natürlich sind viele Stücke dabei, die an die Folklore von Chatschaturjans Heimat angelehnt sind.
Die redigierte Neuauflage der beiden Bände setzt allem voran im Notenbild ganz neue Maßstäbe. Die Notensysteme sind übersichtlich auf die Seiten verteilt, Spielanweisungen und Fingersätze wurden vollkommen überarbeitet und deutlicher als vormals in den Notentext integriert. Sämtliche in der Erstveröffentlichung noch enthaltene russischsprachige dynamische Angaben wurden übersetzt. Außerdem wurde das Schriftbild den Bedingungen einer ausgewogenen Artikulation angepasst.
Als kleine Genrestücke im Konzert, im Unterricht und als tägliche Spielliteratur eignen sich die „Bilder und Klänge der Kindheit“ hervorragend.  Nun hat der ungarische Trompeter Gábor Boldoczki auf seiner aktuellen CD „Orientalische Trompetenkonzerte“ beim Label Sony das „Kleine Lied“ aus den „Bildern der Kindheit“ in einer Bearbeitung für Trompete und Orchester von Péter Erdélyi eingespielt. Auf der neuen Boldoczki-CD ist ebenfalls das berühmte Trompetenkonzert von Alexander Arutjunjan in der Bearbeitung von Timofej Dokschizer enthalten.
Eine weitere Entdeckung sind die Drei Konzertarien und die Sinfonie Nr. 2, die die Sopranistin Julia Bauer und die Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz unter Leitung von Frank Beermann gerade beim Label cpo eingespielt haben. Die deutsche Erstaufführung der Drei Konzertarien am 17. Mai 2015 in Chemnitz mit denselben Interpreten war ein besonderes Konzertereignis. Das Arien-Trio stammt aus dem Jahr 1946 und ist Chatschaturjans Ehefrau Nina Wladimirowna Makarowa gewidmet. Uraufgeführt wurden die Arien indes erst 1967.

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