Uraufführung des Brahms-Parergon von Johannes X. Schachtner

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Unter der Leitung des Komponisten Johannes X. Schachtner kommt am 23. März 2018 in Gauting dessen Parergon zum „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms für Sopran, Bariton, Chor und Klavier vierhändig zur Uraufführung.
In den Augen des bayerischen Komponisten Johannes X. Schachtner ist das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms „einer der großen Monolithe der Musikgeschichte“. Tatsächlich berührt dieses Requiem über seine einzigartige kompositorische Qualität hinaus ja vor allem deshalb so stark, weil es – im Gegensatz zu Verdis Requiem etwa – so intime, tröstende und berührende Momente in sich trägt.
„Mehrmals durfte ich mich mit dem Werk als Dirigent beschäftigen“, erklärt Johannes X. Schachtner, „und jedes Mal wuchs die Faszination für die so eigenständige Werkkonzeption, die Unmittelbarkeit der musikalischen Sprache und dieser umwerfenden Präzision.“
Tatsächlich wurde Brahms in seiner Treue zu alten Gattungen und Formen Ende des 19. Jahrhunderts zuweilen eine gewisse Zopfigkeit und Verliebtheit in die Tradition vorgeworfen. Arnold Schönberg, der mit seiner Dodekaphonie der Moderne des 20. Jahrhunderts die wichtigsten Impulse gab, widersetzte sich diesem Urteil standhaft.“ Schachtner sagt dazu
„Schönbergs Aphorismus über ‚den neuen Wein in alten Schläuchen’ ist in diesem Zusammenhang geradezu überstrapaziert worden. Aber natürlich passt er gerade auch zum Requiem. Folgt man dieser Spur, findet sich genau in der Entstehungsgeschichte und der Uraufführung Erstaunliches: Bei der ersten Aufführung in Wien im Jahr 1867 wurden nach den ersten beiden Sätzen Werke aus Händels ‚Messias’ gesungen, ein Violin-Solo von Joseph Joachim gespielt sowie das Alt-Solo ‚Erbarme dich’ aus der Matthäus-Passion. Bei der sechssätzigen Aufführung am Karfreitag 1868 in Bremen, die heute als Uraufführung gilt, wurde noch die Messias-Arie ‚Ich weiß, dass mein Erlöser lebet’ statt des Sopran-Solos gesungen.“
Johannes X. Schachtner weiß, dass man aus diesen aufführungsbezogenen Details nicht unmittelbar Rückschlüsse auf die Machart des Brahms-Requiems ziehen kann. Und doch, so sagt er, „sieht man diese Werke im Zusammenhang, kann man einen inneren Zusammenhalt spüren.“
Genau an diesem Punkt setzt der Komponist mit seinem „Parergon zum Deutschen Requiem“ an: Es soll jene inneren Zusammenhänge offen legen und musikalisch erfahrbar machen, ohne dass der musikhistorische Aufhänger in irgendeiner Art bei der Rezeption von Bedeutung ist.
„Die Dramaturgie meiner siebensätzigen Zusammenstellung folgt der des Requiem“, erläutert der Komponist. „Für diesen Zweck habe ich die Werke der beiden Uraufführungen um drei besondere Werke
ergänzt: zwei Schütz-Motetten und das Präludium zur Bach-Kantate ‚Ich hatte viel
Bekümmernis’. Diese drei Werke fanden sich in der umfangreichen Privatbibliothek von Johannes Brahms, und von diesen Werken sind doch gestische und zum Teil auch motivische Spuren im ‚Deutschen Requiem’ zu finden. Sie haben wohl tatsächlich als Impulsgeber für seine Komposition fungiert. Dabei gehe ich nicht von einer Aufführung für großes Orchester aus, sondern von der auch zu Brahms’ Lebzeiten gängigen Aufführung mit Klavier zu vier Händen. So entstanden zu allen Originalwerken neue, zum Teil sehr eigenständige Klavierstimmen.“
Bei dieser Arbeit hat sich Schachtner auch von den überlieferten Continuo-Aussetzungen Bachscher Arien inspirieren lassen, die er genau studiert hat.
„Genauso wie der Anfang und das Ende von neukomponierten Meditationen umrahmt wird, habe ich schließlich das Violin-Solo von Joseph Joachim durch eine eigene Reflexion ersetzt. In diese schlich sich auch noch ein anderes Werk, das für mich immer innerlich im Zusammenhang mit dem Brahms'schen Requiem klingt: das Thema der Geistervariationen von Schumann, das Brahms später ebenfalls variierte.
Dass das Werk auch für Brahms nicht folgenlos blieb, zeigen seine ‚Vier ernsten Gesänge’, die nur kurze Zeit vor seinem Tod entstanden. Besonders der erste Satz verweist auf den Tonfall des ‚Deutschen Requiem’. Dieser Satz bildet den 6. Satz meines Parergons und so kommt Brahms in diesem ‚Nebenwerk (Parergon)’ noch selbst zu Wort.“

23.03.2018      
Gauting          
UA Johannes X. Schachtner,                                  
Parergon zum „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms für Sopran, Bariton, Chor und Klavier vierhändig  
(Jana Baumeister, Sopran / Florian Prey, Bariton
Lauriane Follonier und Halina Bertram, Klavier vierhändig     
collegium:bratananium, Ltg.: Johannes X. Schachtner

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