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Rodion Shchedrin zum 85. Geburtstag am 16. Dezember 2017

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Am 16. Dezember 1932 wurde Rodion Shchedrin in Moskau geboren. In diesem Jahr begeht er seinen 85. Geburtstag. Shchedrin studierte von 1950 bis 1955 am Moskauer Konservatorium und übte am gleichen Institut in den 1960er Jahren eine Lehrtätigkeit aus. Der Komponist, der bald weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt wurde und vor allem im Westen die russische Musikszene in der Nachfolge Schostakowitschs repräsentierte, stand dem Russischen Komponistenverband langjährig vor. Heute lebt er in Moskau und in München. Bereits 1976 wurde Shchedrin zum korrespondierenden Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ernannt, seit 1989 gehört er auch der Berliner Akademie der Künste an. 1992 wurde sein Chorwerk „The Sealed Angel" mit dem Russischen Staatspreis für Literatur und Kunst ausgezeichnet.
Shchedrins Werkkatalog umfasst Sinfonien, Konzerte, zahlreiche Chorkompositionen, Opern und Kammermusik. Bekannt wurde der Komponist aber vorwiegend durch seine Ballette, allen voran „Anna Karenina“ nach Leo Tolstoi aus dem Jahr 1971. Dieses Ballett entstand wie auch viele andere Werke dieser Gattung für seine Ehefrau Maja Plissezkaja, eine der ganz großen Primaballerinen Russlands. Fast alle seine Ballette wurden am Bolschoi-Theater uraufgeführt: „Carmen-Suite" (1967), „Die Möwe" (1979) und „Dame mit Hündchen" (1985). Die „Carmen-Suite", eine geniale Adaption der Opern-Vorlage von Georges Bizet für Streicher und Schlagzeug, gehört mittlerweile sowohl als Ballett als auch als brillantes Orchesterstück zu den meistaufgeführten Werken des 20. Jahrhunderts überhaupt. In diesem Werk zeigt sich der „Bearbeiter" Rodion Shchedrin vor allem als raffinierter Praktiker, Instrumentator und Arrangeur. Eine weitere Stärke Shchedrins neben diesen bewundernswerten Instrumentationsfähigkeiten liegt aber auch im Bereich des Chor-Arrangements und der Vokalmusik im Allgemeinen.
In seinen Kompositionen verbindet Shchedrin Elemente der Folklore und traditionelle Stilmittel, die sich durchaus an Kabalewski und Dmitri Schostakowitsch anlehnen, mit modernen Korn-positionsmethoden bis hin zu Collage und Aleatorik. Seiner süffig-schönen, fast filmmusikalisch illustrierenden „Anna-Karenina"-Musik stehen polyphone und komplex gebaute, ja bis zu spröder Strenge ausgereifte Kompositionen wie die „Musik für die Stadt Köthen" gegenüber. Auch sein „Polyphonisches Spielheft" für Klavier führt eine bis auf Bach zurückführende und von Schostakowitsch mit seinen Präludien und Fugen in Russland wiederaufgenommene Tradition weiter und weist - wie auch viele andere seiner Werke für Tasteninstrumente - auf den exzellenten Pianisten Shchedrin hin, der immer wieder auch als überzeugender Interpret seiner eigenen Klavier- und Orgelwerke in Erscheinung tritt.
Von Sergej Prokofjew, der Shchedrins Kompositionsweise ebenfalls stark beeinflusste, übernimmt der Komponist die Neigung zu einprägsamen Rhythmen und einen konstruktiven, nachvollziehbar klaren Sprachgestus. Die Spannkraft und ausgesprochene Vielseitigkeit seiner Musik speisen sich aus dem Spiel mit Klangfarben, stets wechselnden lyrischen und dramatischen Partien sowie weitgespannten melodischen Linien. Dank seiner virtuosen Instrumentenbehandlung und kontrapunktischen Geschicklichkeit findet Shchedrin in seinen jüngeren Werken zu einer eher gelösten Faktur, die häufig durch unruhig-dramatische Einsprengsel belebt wird. Auch wenn sich der Komponist von vorgegebenen Formmodellen löst, verliert er nie den Blick für Gleichgewicht und Dichte seiner musikalischen Textur.
Erst am 29./30. Oktober 2017 war in Weimar das Konzert Nr. 4 für Klavier und Orchester „Kreuztonarten“ von Rodion Shchedrin zu hören. Es spielte die Staatskapelle Weimar, die Leitung hatte Kirill Karabìts. Die Solistin ist Anica Vavic.
Im Sommer startete das bekannte Damenquartett „Salut Salon“ eine neue Tour unter dem Motto „Liebe“. Die Premiere fand am 19. Juli 2017 im Thalia Theater Hamburg statt. Am 2. Dezember 2017 ist die Show erneut, diesmal allerdings in der Elbphilharmonie, zu sehen. Wie gewohnt haben die Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried mit Anne-Monika von Twardowski am Flügel und der Cellistin Sonja Lena Schmid wieder Ausschnitte aus berühmten Teilen von Sergej Prokofjews Ballettmusik „Romeo und Julia“ und aus dem oft gespielten Werk „Im Stile von Albéniz“ von Rodion Shchedrin für ihre Besetzung arrangiert.
Außerdem kann von einer Neuvertanzung des Ballettklassikers „Carmen-Suite“ von Shchedrin im tschechischen Theater Ústí nad Labem berichtet werden. Die Premiere am 3. November 2017 war ein großer Erfolg.

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