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Jan Müller-Wieland spricht über „König der Nacht“

Die Uraufführung von Jan Müller-Wielands Drama für Sprecher, drei Sängerinnen, großes Orchester und Zuspielelektronik „König der Nacht“ am 13. November 2014 in der Hamburger Laeiszhalle durch das NDR Sinfonieorchester und die Neuen Vocalsolisten Stuttgart unter Leitung von Thomas Hengelbrock wirft seine Schatten voraus. Jan Müller-Wieland wird in der NDR-Sendung „neue musik“ am 29. Oktober 2014 (ab 21:13 Uhr) im NDR-Studio zu Gast sein, am Klavier Ausschnitte aus dem Werk vorstellen und im Gespräch mit dem Moderator tiefe Einblicke in die Entstehung des Werkes und die Erweiterungen geben, die er an dem „Drama“, wie er das Melodram nun nennt, vorgenommen hat.

Das Melodram, das 2003 bereits in einer Kammerbesetzung ebenfalls mit dem großen Burgtheater- und Filmschauspieler Klaus Maria Brandauer als Sprecher uraufgeführt wurde, hat Müller-Wieland um einen weiteren Satz erweitert, die Partitur für großes Orchester gesetzt und vollständig überarbeitet. Auf die Frage, was denn der Titel „König der Nacht“ in einem Stück bedeute, das um die Hiob-Thematik aus dem Alten Testament kreist, antwortet der Komponist:
„Es gibt den König der Nacht, der drei Damen neben sich hat. Das können die drei Damen aus der Zauberflöte, drei Hexen aus Shakespeares ‚Macbeth’ oder die drei Rheintöchter sein. Das lässt das Stück offen. Der Titel ‚König der Nacht’ kam mir durch zweierlei in den Sinn: einmal durch den König von Dänemark Hamlet und dann durch das sehr delikate, aber auch dezente Schlagzeugwerk „The King of Denmark“ von Morton Feldman. Als ich das einmal wieder las und hörte, empfand ich sofort, dass mein Drama ‚König der Nacht’ heißen sollte.“
Inhaltlich bewegt sich das Stück in dem spannungsreichen Konflikt des von Leid heimgesuchten Hiob, der an seinem Glauben zu zweifeln beginnt. „Ich habe für den Sologesang zwei Gedichte von Nelly Sachs verwendet“, berichtet Müller-Wieland. „Das sind himmlische Gesänge auf die Not des Menschen. Es geht ja auch darum, dass Hiob jeder von uns sein könnte. Damit wird das Ganze auch ins Archaische gezogen.“

Die Instrumentalbesetzung der zuvor mit 32 Instrumentalisten besetzten Epiphanie aus dem Jahr 2003 hat sich in der Fassung für großes Orchester komplett geändert. „Für ein großes Orchester fühlt man anders“, sagt der Komponist. „Ich habe Phrasierungen und Balancen, vor allem Raumbalancen, geändert. Eine Raumbalance innerhalb eines großen Instrumentariums sich vorzustellen, ist meiner Ansicht nach das Schwierigste am Komponieren. Ich habe eine Kontrabassposaune, eine Basstrompete und acht Hörner dabei. Und dann habe ich einen Satz hinzugefügt. Der neunte Abschnitt heißt ‚Angst’. Das ist die erstarrte Angst, die Hiob beim Anblick des Behemoth empfindet.“

 

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