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Sir John Tavener verstarb am 12. November 2013

Der britische Komponist Sir John Tavener ist tot. Am 12. November 2013 erlag er in Child Okeford, Dorset, im Alter von 69 Jahren den Folgen einer schweren Krankheit. Tavener hatte sich vor allem als Komponist religiöser Vokalmusik einen Namen gemacht. Auch seine Instrumentalmusik, darunter solch erfolgreiche Werke wie „The Protecting Veil“ für Violoncello und Streicher, war religös geprägt und in ihrem Wesen stets für den sakralen Raum gedacht. Konsonanz, Sanglichkeit und Farbigkeit im Rahmen von klar gegliederten und eingängigen Formen wurden zu seinem Markenzeichen. Sein „Song for Athene“, der 1997 auf der Beerdigung von Prinzessin Diana erklang, machte ihn weltbekannt.

Der am 28. Januar 1944 in London geborene Tavener kam als Sohn presbyterianischer Eltern schon früh mit religiöser Musik in Berührung. Den Entschluss, Komponist zu werden, fasste Tavener, nachdem er Igor Strawinskys „Canticum Sacrum“ gehört hatte. Er besuchte die Londoner Highgate School und war bereits in jungen Jahren Organist und Chorleiter an der St. John’s Presbyterian Church. Von 1962 bis 1965 studierte er an der Royal Academy of Music. Seinen eigentlichen Traum, Konzertpianist zu werden, machte seine schwache Konstitution zunichte. Tavener verlegte sich daher auf das Komponieren, was er bei Lennox Berkeley studierte.

Noch als Student gewann er mit seiner von der London Bach Society uraufgeführten Kantate „Kain und Abel“ 1965 den Prix Prince-Pierre-de-Monaco. Weitere Kompositionen, überwiegend religiöser Thematik, folgten. Sein Durchbruch kam 1968 mit der an Olivier Messiaen angelehnten, aufwendig komponierten Kantate „The Whale“, die beim Gründungskonzert der London Sinfonietta uraufgeführt wurde. Ein Jahr später wurde Tavener Professor für Komposition am Trinity College. Noch im selben Jahr lud ihn Benjamin Britten ein, eine abendfüllende Oper für das Royal Opera House zu schreiben. Quälende Schreibblockaden verzögerten die Fertigstellung der Oper und anderer Werke. Von entscheidender Bedeutung für die Lösung von Taveners Schaffenskrise waren die Begegnungen mit dem Karmeliterpater Malachy Lynch und dem Metropoliten Anthony (Bloom) von Surosch (1914–2003), Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche in England, der zu einem wichtigen Mentor für Tavener wurde.

Ab 1991 war Mutter Thekla, Äbtissin des orthodoxen Klosters von Normanby in Yorkshire, die für viele von Taveners Chorwerke Texte übersetzt, zusammengestellt oder geschrieben hat, eine weitere wichtige Person im Leben des Komponisten. 1977 konvertierte Tavener zum russisch-orthodoxen Glauben. Seine Musik nahm nun einen wesentlich strengeren, transzendenten Charakter an, während seine Kompositionstechnik unverändert blieb. Während Tavener nach einer Scheidung zunehmend von Depressionen heimgesucht wurde, erlitt er 1980 einen schweren Schlaganfall, 1991 folgte eine Herz-Operation. Diese Erfahrung machte ihn einerseits noch ernster und introvertierter, andererseits nahm sie ihm die Angst vor dem Tod. Seine Schreibblockaden ließen nach, er heiratete 1991 ein zweites Mal, wurde Vater zweier Töchter und hatte einen Welterfolg mit „The Protecting Veil“.

Im Sommer 2013 wurde Sir John Tavener im Rahmen des Festivals Europäische Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd der Preis der Europäischen Kirchenmusik zugesprochen.

 

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