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Johannes X. Schachtners „Trois mouvements“ erleben schweizerische Erstaufführung

Schachtner - Trois mouvements

Das 2009 gegründete Ensemble Schwerpunkt wird am 27. April 2013 die „Trois mouvements“ für Blechbläserquintett von Johannes X. Schachtner in Basel zur schweizerischen Erstaufführung bringen. Die Sätze 1 und 2 (‚Prologue et Cortège funèbre’) wurden am 7. Mai 2011 in Gauting (Munich Brass Connection) und Satz 3 (‚Réjouissance - en passant’) am 28. Mai 2011 in Bamberg (KlangKonzepteEnsemble der Neuen Pegnitzschäfer) bereits uraufgeführt.

Johannes X. Schachtner zur Entstehung seines Werkes:
„Das Denkmal für die Opfer des Todesmarsches, das am Friedhof meiner Heimatgemeinde Gauting steht, war für mich in meiner Kindheit wohl der Ort, an dem das Grauen des zweiten Weltkrieges mir am nächsten war. Dazu kamen noch die Erinnerungen, die durch Zeitzeugen überliefert wurden. So entstanden mir viele Bilder und Ahnungen – immer als Versuch, das damals Geschehene zu begreifen.
Mein Werk ‚Cortège funebre’, der 2. Satz der ‚Trois mouvements’, ist für mich ein Versuch, mich der Situation im April 1945 zu nähern: Der Marschrhythmus, der eigentlich ein Trauermarsch betiteltes Musikstück tragen sollte, existiert kaum noch und ein unwirklicher Choral erhebt sich. Irgendwann dann ein Aufblitzen von Hoffnung: Der Marsch ist überwunden, erstickt und am Ende erhebt sich tröstend die Piccolo-Trompete – ‚like a butterfly on a killing field’ - wie ein Schmetterling über einem Minenfeld.
Während der Arbeit zu der ‚Cortège funebre’ fiel mir Lyrik des Österreichers Ernst Jandl in die Hände. ‚Vater komm erzähl vom Krieg’ heißt es dort. Heute, 2011 nachdem nach fast 50 Jahren wieder deutsche Soldaten im Kampfeinsatz sterben, müsste es eher so heißen: ‚Sohn, komm’ erzähl vom Krieg’. Entsprechend fern und verzerrt erklingt diese Floskel in der Mitte des Prologs - eingerahmt von harten, unerbittlichen Schlägen, die in Ernst Jandls Gedicht ganz konkret in Worte gefasst sind: Krieg, Krieg, Krieg...
Der 3. Satz meiner ‚Trois mouvements’ bezieht sich auf die Skulptur ‚Große Figur 1982’ des Bildhauers Joannis Avramidis, die am Pfahlplätzchens im Herzen von Bamberg steht und damit fast direkt neben dem Atelier, in dem ich 2009/2010 als Stipendiat der Villa Concordia arbeiten durfte. So oft bin ich in diesem Jahr an dieser Plastik vorbei gegangen und dabei war sie immer unterschiedlich stark präsent. So reizte mich bei der Komposition, eben dieses ‚Vorbeigehen’ in eine ‚Rejouissance’ hineinzukomponieren, die eine Hommage an das barocke Ambiente des Pfahlplätzchen ist. Der Satz beginnt mit einer Prozession, die wie in Zeitlupe vorüber zieht, ehe sich das Tempo beschleunigt und sich aus einer aufsteigenden Skala die ‚Rejouissance’ entwickelt. Am Ende vereinigen sich alle Blechbläser in einer Kaskade - wie die beiden verschlungenen Körper der Avramidis-Skulptur.“

27. April 2013
Basel
Musikerwohnhaus, Weisser Saal, 15 Uhr
Schweizerische Erstaufführung: Johannes X. Schachtner,
„Trois mouvements“ für Blechbläserquintett
Ensemble Schwerpunkt

Fotorechte: Margret Hoppe

 

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