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„Der König des modernen Orchesters“ - Rodion Shchedrin zum 80. Geburtstag

Shchedrin 80. Geburtstag

Rodion Shchedrin gehört zu den bedeutendsten und weltweit bekanntesten russischen Komponisten in der Nachfolge Dmitri Schostakowitschs. Als Schostakowitsch 1975 starb, war Shchedrin 43 Jahre alt. Es war die Zeit, in der seine größten und am häufigsten gespielten Werke entstanden: die Ballette „Carmen-Suite“ (1967), „Anna Karenina“ (1971) und später dann „Die Möwe“ (1979) sowie „Dame mit Hündchen“ (1985). Seine Adaption des großen Opernwerkes „Carmen“ von Georges Bizet zu einem raffinierten Orchesterwerk unter dem Titel „Carmen-Suite“ zählt zu den am häufigsten aufgeführten Balletten des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Am 16. Dezember 2012 nun begeht der in München und Moskau lebende Komponist seinen 80. Geburtstag.

Shchedrin wurde 1932 als Sohn eines Musikers und einer Musikwissenschaftlerin in Moskau geboren. Von 1950 bis 1955 studierte er am Moskauer Konservatorium, wo er in den sechziger Jahren später selbst eine Lehrtätigkeit ausübte. Sein Werkkatalog umfasst Sinfonien, Konzerte, zahlreiche Chorkompositionen, Opern, Kammer- und Klaviermusik. Die Heirat mit der weltberühmten russischen Primaballerina Maja Plissetzkaja inspirierte den großen Orchesterpraktiker und Instrumentierungskünstler zu seinen bekannten Ballettmusiken. 1976 wurde Shchedrin zum korrespondierenden Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ernannt, seit 1989 gehört er auch der Berliner Akademie der Künste an. 1992 wurde sein Chorwerk „The Sealed Angel“ mit dem Russischen Staatspreis für Literatur und Kunst ausgezeichnet.

Der außergewöhnliche Individualstil dieses Komponisten oder – wie es der zwei Jahre ältere russische Komponist Alfred Schnittke einmal ausdrückte – das „Phänomen Shchedrin“ basiert auch auf dem besonderen Talent des Pianisten Shchedrin, der einst von Jakow Flier ausgebildet wurde. Bemerkenswert sind Shchedrins Neigung zum Experiment sowie seine starke Verbundenheit zur Folklore, aber auch zu archaischen Frühformen der Musik, die er mit avantgardistischen Techniken einschließlich serieller und aleatorischer Techniken verbindet.

„Die Quintessenz seiner Werke scheint auf den ersten Blick täuschend leicht zu verstehen sein, aber die kunstfertige Raffinesse seiner Tonsprache führt uns in die Tiefen seiner funkelnden Musik, die von Scharfsinn, Ironie, Humor, Lebensfreude und echter Komik erfüllt ist.“
(Lorin Maazel über Rodion Shchedrin)

Shchedrins süffig-schöner, fast filmmusikalisch illustrierender „Anna-Karenina“-Musik stehen polyphone und komplex gebaute, ja bis zu spröder Strenge ausgearbeitete Kompositionen wie die „Musik für die Stadt Köthen“ gegenüber. Sein „Polyphonisches Spielheft“ für Klavier führt eine bis auf Bach zurückführende und von Schostakowitsch mit seinen Präludien und Fugen in Russland wiederaufgenommene Tradition weiter und weist – wie auch viele anderer seiner Werke für Tasteninstrumente – auf den exzellenten Pianisten Shchedrin hin, der immer wieder auch als überragender Interpret seiner eigenen Klavier- und Orgelwerke in Erscheinung tritt. Shchedrins Stil lehnt sich weniger an die für Gubaidulina, Denissow oder Schnittke mehr oder weniger prägenden Einflüsse der westlichen Avantgarde an, sondern repräsentiert eine durch erweiterte Tonalität und traditionelle Formverläufe charakterisierte Sprache. Auf der Grundlage dieser durch viele melodische und rhythmische Einfälle geprägten Musik entstanden Shchedrins große Ballettmusiken, aber auch eine Vielzahl oft gespielter Orchesterkompositionen.

„Die Berufsmusiker nennen ihn den König des modernen Orchesters und meinen damit die maximale akustische Ausdruckskraft seiner Kompositionen, kombiniert mit maximaler Konzentration und ökonomischen Mitteln.“
(Mstislaw Rostropowitsch über Shchedrin)

Am 19. Dezember 2012 sendet NDR Kultur um 21.30 Uhr eine Portraitsendung zu Rodion Shchedrin im Rahmen der Sendereihe "neue musik". Hier werden auch Interviewausschnitte von Shchedrin selbst zur Ausstrahlung kommen.

 

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