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Presse zu Lera Auerbachs Requiem in Dresden

Zur Uraufführung von Lera Auerbachs Requiem „Dresden – Ode an den Frieden“ unter anderem mit der Staatskapelle Dresden und dem Sächsischen Staatsopernchor Dresden am 11. Februar 2012 in der Frauenkirche Dresden schreibt Michael Ernst in der Neuen Musikzeitung (13.02.2012):

„Vierzig Sprachen des Erbarmens: zur Uraufführung von Lera Auerbachs 'Requiem' für Dresden“

„(...) Lera Auerbach hat nach vielfältigen Bezügen zum Ort und zur Geschichte gesucht. Sie hat sie gefunden und dazu ein sakral anmutendes, von formalen Zitaten lebendes und sehr deutlich auch Adaptionen nutzendes Klangmaterial geschaffen. Mal verstört es ein wenig, wirkt eher spröde dann wirklich versöhnlich, mal ist es lautstark voll Anklage, tönt schrill aus dem Entsetzen heraus, und mal setzt es ganz schroffe Kontraste. Mit vergleichsweise schmalem Orchesterapparat, dem immer wieder Momente des Kammerspiels und scharf gestochene Soli beigegeben sind, hat die Komponistin die Gegebenheiten des schwierigen Klangraums bedient. Manch unendlicher Nachhall, der in die Kuppel fortschwebt, geriet geradezu bezwingend.
Auch die das Requiem bestimmenden Chorpassagen – neben Herren des Staatsopernchores wurden zwei Knabenchöre aus London und New York nach Dresden verpflichtet – füllten den Tempel (wenn auch nicht immer engelhaft rein) mit absichtsvoller Weihe. Herausragend war da vor allem Richard Pittsinger als Knabensopran, der mit unglaublich klarer Strahlkraft und beachtlichem Durchhaltevermögen die Herzen besang. Der niederländische Countertenor Maarten Engeltjes eroberte kristallklare Höhen und sorgte gemeinsam mit dem britischen Bariton Mark Stone, der eindringliche Kontraste gesetzt hat, für unvergessliche Emotion.
Wie Vladimir Jurowski mit höchster Umsicht durch das in 18 Teilen gegliederte Requiem steuerte, Chor- und Orchesterparts gegeneinander abwog, miteinander verband, sie mal brachial mit all der Inbrunst solch glaubensvoller Musik und mal geradezu wie Tüll schwebend fast weltlich in den Raum strömen ließ, das verdient größten Respekt. (...)“

In einem Beitrag für Deutschlandradio sagt Gerog-Friedrich Kühn:

„(...) Sehr leise, wie fragend beginnt das Requiem. In den Knabenstimmen klingt auch schon an als Leitmotiv das Dresdner ‚Amen’, das Felix Mendelssohn in der Reformations-Symphonie und Richard Wagner im ‚Parsifal’ verwendet haben. Aber dann öffnet sich das in einen harten Bruch zum Heute.
Es ist Lera Auerbachs bereits drittes Requiem. Die russisch-jüdische Komponistin mit österreichischen Wurzeln, die heute in Amerika lebt, schrieb schon ein russisches Requiem und eines für einen Dichter.
‚Der Tod war immer in meinen Gedanken’, sagt sie. Ihr Kindermädchen nahm sie oft mit auf den Friedhof. Den Tod habe sie immer als ‚sehr anwesend’ empfunden. Das Requiem jetzt für Dresden sollte aber etwas Besonderes sein. So erläuterte sie bei einem Publikumsgespräch am Vorabend der Uraufführung:
‚Ich wollte ein sehr ungewöhnliches Requiem schreiben. Das war mein Gedanke von Anfang an, dass ich über die Hoffnung schreibe. Ich wollte nicht nur die Toten ehren, sondern ich wollte mich auch an die Lebenden richten. Und die wichtige Frage, die ich aufwerfen wollte, ist die Zukunft: Was sind unsere Möglichkeiten in der Zukunft? Deshalb hat es den Untertitel ‚Ode an den Frieden’. Und deshalb habe ich auch andere Texte, die normalerweise nicht in einem Requiem zu finden sind, ebenfalls einbezogen."
So hat Auerbach in ihrem 18-teiligen Libretto auch Psalmen einbezogen oder das ‚Vater unser’ und Gebete der jüdischen Liturgie, ein Gebet, das der Kaplan Father Judge, das erste Opfer der Anschläge am Ground Zero, hinterließ oder ein Gedicht, das der Theologe Christian Lehnert zur Glockenweihe der wieder aufgebauten Frauenkirche schrieb. Das ‚dies irae’, der Tag des Zorns, hingegen fehlt.
In 40 Sprachen gesungen, wird das Kyrie, beginnend in einem geradezu fordernd-stampfenden Ton, als Bitte um Erbarmen und Vergebung.
Der Symbolgehalt dieser Uraufführung in der Dresdner Frauenkirche ist hoch. Seit über 50 Jahren hat man für das Gedenkkonzert auf den Tag der Zerstörung Dresdens 1945 durch die alliierten Bomber jetzt zum ersten Mal wieder eine Uraufführung in Auftrag gegeben. (...)“

 

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