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Resonanz auf Lera Auerbachs Oper Gogol in der Presse

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Am 13. Oktober 2011 war Lera Auerbachs Oper „The Blind“ nach einem Sujet von Maurice Maeterlinck am Konzerthaus Berlin zur Uraufführung gelangt. Es handelt sich dabei um die erste Oper für Chor a cappella der Musikgeschichte überhaupt. Im Theater an der Wien kam es dann wenig später am 15. November 2011 zur Uraufführung von Lera Auerbachs neuer Oper „Gogol“. Der aus St. Petersburg stammende Dirigent Vladimir Fedoseyev leitete hierbei das ORF Radio-Symphonieorchester Wien und den Arnold Schoenberg Chor. Regie führte Christine Mielitz.

Nachdem die Komponistin in der Fachzeitschrift „Opernglas“ bereits ein umfangreiches Interview zu beiden Projekten gegeben hatte, ist nun eine nicht minder umfangreiche Uraufführungsbesprechung beider Opern unter dem Titel „Musik, die aus der Kälte kommt“ in der Fachzeitschrift „Opernwelt“ (Januar 2012) erschienen. Hartmut Regitz schreibt hier zu „Gogol“ u.a.:

„’Gogol“ nennt Lera Auerbach lapidar ihre Opera-misteria in drei Akten, als wollte sie auf einen Epitaph anspielen. ‚Russland’ wäre nicht weniger waghalsig gewesen, denn ihre erste Oper, die nicht wirklich ihre erste ist, könnte kaum russischer sein. Dabei lebt die in Tscheljabinsk geborene Komponistin seit 1991 in New York und besitzt seit Jahren neben dem russischen einen amerikanischen Pass. Von einem kurzen Aufenthalt vor längerer Zeit und einem längeren vor kurzer mal abgesehen, hat sie heimatlichen Boden nicht mehr betreten, und deshalb könnte man ihre ‚Gogol’-Oper auch als Versuch verstehen, sich der eigenen Vergangenheit wieder zu versichern: Russland mit der Musik suchend, finden sich dennoch keine erkennbaren Zitate in der Oper (wie noch in dem Ballett ‚Die kleine Meerjungfrau’, das im Auftrag John Neumeiers entstand). (...)
‚Gogol’ ist alles andere als eine Literaturoper, schon gar nicht eine Biografie, die linear ein Ereignis an das andere reiht. Vielmehr mischt sich in ihrer ‚Fantasie’, was den Dichter zeitlebens bedrängte. Literatur und Leben werden sich darin so zum Verwechseln ähnlich, dass der Protagonist am Ende nicht unterscheiden kann zwischen Wahn und Wirklichkeit. Eine gespaltene Persönlichkeit, geht Gogol am Ende mit sich selbst ins Gericht — und seinem eigenen, fatalen Urteilsspruch fällt nicht bloß der zweite Teil der ‚Toten Seelen’ zum Opfer, sondern letztlich auch der Autor. Von seiner eigenen Sündhaftigkeit zutiefst überzeugt, hungerte sich Gogol bekanntlich zu Tode. (...)

Es ist viel los auf der Bühne, eine Nymphe auf Ballerinenbeinen nebst einem spiegelübersäten Geigenengel inldusive. Ja, selbst die Leningrad Cowboys lassen zwischendurch mal grüßen — als ob die Regisseurin optisch darüber hinwegtäuschen wollte, dass diese «opera-misteria» zwar für den Arnold-Schönberg Chor wie für die Grazer Kapellknaben und den Wiener Mozartknabenchor ein paar herausragende Szenen bereithält, insgesamt aber doch nicht über einen funktionsfähigen Spannungs- bogen verfügt und deshalb etwas gleichförmig gerät. Was ganz sicher nicht am ORF-Radiosyrnphonieorchester Wien unter Vladimir Fedoseyev liegt. Er hat die Klangballungen gut im Griff. (...)“
(Opernwelt, Januar 2012)

Im österreichischen „Kurier“ ist am 16. November 2011 ein Artikel von Peter Jarolin zur Oper „Gogol" erschienen:

„ (...) Auch musikalisch geht es hoch her. Auerbach verleugnet erst gar nicht die russische Tradition. Im Gegenteil: Sie spielt mit ihr. Das groß besetzte Orchester (toll das ORF Radio-Symphonieorchester Wien und Dirigent Vladimir Fedoseyev) darf in post-romantischen Klangfarben schwelgen. Da flirren die Streicher, da toben sich die Bläser aus, da hämmert das Schlagwerk. Man wartet förmlich darauf, dass Boris Godunow um die Ecke biegt, dass sich Anna Karenina vor einen Zug wirft, dass Mütterchen Russland einem ihr unglückliches Herz ausschüttet. (...)
(Kurier, 16.11.2011)

 

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