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Deutsche Erstaufführung von Rolf Wallins „Manyworlds“ in Hannover

„Manyworlds“ benannte der 1957 in Oslo geborene Komponist Rolf Wallin sein Stück für großes Orchester, das vom Bergen Philharmonic, dem Helsinki Philharmonic Orchestra sowie der NDR Radiophilharmonie Hannover gemeinsam in Auftrag gegeben und im vergangenen Jahr in Bergen uraufgeführt wurde. Am 24. Juni 2011 kommt das Werk in Hannover durch die NDR Radiophilharmonie zur deutschen Erstaufführung und wird auf NDR Kultur live übertragen.
Zur Ergründung der Geheimnisse unserer Welt und überhaupt des ganzen Universums hat die moderne Physik von Albert Einsteins Relativitätstheorie bis zur heutigen Quantenphysik viele neue Erkenntnisse beigetragen, die Gegenwartskomponisten wie der Norweger Rolf Wallin auf ihre Art aufgreifen. Der Begriff „Manyworlds“ von Rolf Wallins bewegtem und vielfarbigem Orchesterwerk bezieht sich konkret auf die sogenannte „Viele-Welten-Interpretation“ der modernen Physik. Mit Hilfe der Quantenphysik im atomaren und subatomaren Bereich hat sich die Interpretation physikalischer Vorgänge gegenüber klassischen Mess- und Darstellungsverfahren grundlegend verändert. In der Quantenmechanik ist es nicht mehr vorhersagbar, an welchem Ort und mit welcher Geschwindigkeit ein Teilchen nachgewiesen wird. Dies und andere Aspekte haben zu der Annahme geführt, dass die unterschiedlichen Eigenzustände, die sich ihrer Wellenfunktion gemäß als Darstellungsform des Objektes selber überlagern, tatsächlich in unterschiedlichen Welten realisiert sind. Die für den Laien abstrakte Botschaft hat Rolf Wallin für sich übersetzt. Die Analogien der Quantenphysik zur Musik lägen schließlich auf der Hand, sagt er. Er habe als Komponist immer davon geträumt, ein Universum zu schaffen, in dem multidimensionale Strukturen entstünden. In seinem Stück habe er versucht, ein paar der unendlichen Möglichkeiten einzufangen oder neu zu kreieren.
Die totale Freiheit sei wundervoll, aber sie verursache auch ein konstantes Dilemma, meint der Komponist Rolf Wallin. Was mache eine einmal gefällte künstlerische Entscheidung besser als die andere? Wo beschreite man in der Musik den richtigen Weg? „Das alles beschäftigt mich auch“, so Wallin weiter, „wenn ich über die verblüffende Viele-Welten-Theorie nachdenke. Sie spielt mit einer riesigen Zahl, vielleicht einer unendlichen Menge von Welten. Und alles, was möglicherweise in unserer Vergangenheit geschehen ist, aber eben doch nicht geschah, ist in einem anderen Universum vorgefallen. So gibt es ein Universum, in dem Kolumbus nicht Amerika entdeckt hat, ein anderes, in dem die Milchstraße gar nicht existiert und so weiter.“
Natürlich ist es unmöglich, das weiß auch Rolf Wallin, dies in einem Stück Musik beschreiben zu wollen. In „Manyworlds“ spielt er deshalb quasi symbolisch mit vielen „Parallelmusiken“, die neben- und übereinander existieren und sich nicht immer gegenseitig beeinflussen oder kreuzen müssen. „Es mag sein“, bekennt letztendlich auch Wallin, „dass sich Quantenphysiker und Musiker doch ähnlicher sind, als man so glauben würde.“

Konzert und Live-Übertragung
Rolf Wallin: „Manyworlds“ für großes Orchester
NDR-Radiophilharmonie Übertragung 24.06.2011 NDR Kultu

 

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