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Hans Werner Henze wird 85

Am 1. Juli 2011 begeht einer der großen Klassiker der Moderne, Hans Werner Henze, seinen 85. Geburtstag. Der 1926 in Gütersloh geborene und heute in Italien lebende Komponist hat sich nie einer bestimmten Schule zuordnen lassen, mit seinen Werken vieler Gattungen aber maßgeblich zur Entwicklung der Neuen Musik in der Zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dem Beginn des 21. Jahrhunderts beigetragen. Der Komponist verfasste mehr als 40 Werke für das Musiktheater, Solokonzerte, Sinfonien, Oratorien, Liederzyklen und Kammermusik. Einige Werke entstanden auch durch seine enge Freundschaft mit der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann oder, wie beim Bühnenstück „Der heiße Ofen“, sogar mit weiteren Ko-Autoren. Die großen Werke der jüngsten Zeit sind Henzes Opern bzw. Bühnenstücke „L’Upupa – und der Triumph der Sohnesliebe“, „Gisela“ oder die Serenade „L’heure bleue“. Henze gehört zu den meist gespielten und renommiertesten Komponisten unserer Tage.

Vor allem mit seinem Opernschaffen, weltberühmt wurde vor allem sein jüngstes Projekt für die Salzburger Festspiele „L’Upupa oder der Triumph der Sohnesliebe“, erreicht Henze ein großes Publikum. Seine Freundschaft mit Ingeborg Bachmann und seine enge Zusammenarbeit mit Hans Magnus Enzensberger sind nur einige Beispiele für die enge Vernetzung des Komponisten mit der Kunst- und Intellektuellenszene. Oft ist in Henzes musikalischen Werken auch eine politische Botschaft enthalten. Ein berühmtes Beispiel war 1968 die geplante Uraufführung des Oratoriums „Das Floß der Medusa“ nach einem Text von Ernst Schnabel, die daran scheiterte, dass Westberliner Mitwirkende nicht unter einem Portrait von Che Guevara und einer roten Fahne auftreten wollten.

Durchaus bekennt sich Henze zur Tradition der großen europäischen Musik, ohne deshalb Traditionalist zu sein. Zentral ist eine Aussage von 1966: „Ich bin der Ansicht, dass der Weg von Wagners „Tristan“ zu Mahler und Schönberg noch lange nicht ausgeschritten ist, und mit den „Bassariden“ habe ich versucht, ihn weiterzugehen. Ich will nicht auf das verzichten, was uns die Jahrhunderte zuspielen.“ Ein weiteres Merkmal seiner Kunst brachte Henze 1972 selbst auf den Begriff „musica impura“. Er bedeutet sowohl Distanzierung von allzu „cleanen“ ästhetischen Konzeptionen als auch das Bekenntnis, dass Musik, da sie nolens volens politisch sei, sich bewusst in öffentliche gesellschaftliche Belange einmischen sollte. Auf der Ebene des Stils tritt Henzes Kunsthaltung als ein „Referenzstil“ in Erscheinung, bei dem Fremd-, Stil- und Genrezitate ein integraler Bestandteil des Komponierens sind. Dies mit dem diffusen Konzept der Postmoderne gleichzusetzen, wäre indessen verfehlt.

Vom 26. Juni bis 10. Juli 2011 wird in Münster das Festival HENZE! veranstaltet.

Der NDR widmet Hans Werner Henze eine Geburtstagssendung in seiner Reihe "neue musik"  auf NDR Kultur am 29. Juni von 20.59 bis 22.00 Uhr.

 

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