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145. Geburtstag von Jean Sibelius

Die Sinfonie war für Jean Sibelius keine „Komposition“, sondern – wie er es einmal formulierte – eine Art „Glaubensbekenntnis in verschiedenen Zeitabschnitten seines Lebens.“ An dieser Gattung zu arbeiten, mit ihr zu kämpfen und auf der Schwelle zur Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts neue Lösungen zu finden, sah er als eine ethische Verpflichtung an. Der am 8. Dezember 1865 geborene finnische Komponist mit dem französischen Vornamen, den er selbst gegen seinen wirklichen Namen Johan Christian Julius ausgetauscht hatte, beschäftigte sich fast seine ganze Komponistenlaufbahn hindurch mit der Sinfonie. Am 8. Dezember gedenkt die Musikwelt des 145. Geburtstags von Jean Sibelius (gest. 20.09.1957).

Eigentlich hatte Sibelius Geiger werden wollen, ja er reiste sogar nach Wien, um bei dem schon damals berühmtesten Orchester der Welt, den Wiener Philharmonikern, ein Probespiel zu machen. Doch er wurde abgelehnt, nicht zuletzt wegen eines Handicaps am Ellenbogen, das er sich als Dreizehnjähriger bei einem Unfall zugezogen hatte. Sibelius reiste vorerst durch europäische Metropolen, „schäumte über vor Aufregung“, als er 1894 ein Musikdrama von Richard Wagner bei den Bayreuther Festspielen erleben durfte und stand im Banne des französischen Klangzauberers Hector Berlioz. Voller Hochachtung bewunderte er „die musikalische Ingenieurkunst“ und den orchestralen „Zirkus“ seines Altersgenossen Richard Strauss oder die dramatische Musik Franz Liszts und sagte von sich selbst: „Ich glaube, ich bin eigentlich ein Musikmaler und Poet.“

Die herbe Schönheit seiner Heimat, das weite, zuweilen über Hunderte von Kilometer hinweg menschenleere Land mit seinen Wäldern und Seen, hat Sibelius in archaische Klangwelten übersetzt. „Jede meiner Sinfonien hat ihren eigenen Stil. Ihn zu schaffen kostet mich immer lange Zeit des Mühens“, sagte Sibelius. Sieben Sinfonien vollendete er, wobei ihm die Arbeit an der Fünften Sinfonie während des 1. Weltkriegs die meiste Mühe bereitete. Immer kühner waren die Brüche in den Spätwerken geworden und immer schroffer die Gestik. Bis heute rätselt man, weshalb Sibelius Ende der Zwanziger Jahre beschloss, nur noch wenige Werke in Angriff zu nehmen, ja vieles gar nicht mehr zum Abschluss zu bringen, obwohl ihm fast drei Jahrzehnte Lebenszeit geblieben wären. Über das so genannte „Schweigen von Ainola“ – der Name bezieht sich auf ein Haus, in dem der große Sinfoniker seine späten Jahre verbrachte – wurde viel gemutmaßt. Fühlte sich Sibelius von der Zeit überholt? Schon 1911 hatte er von einem „unüberwindlichen Ekel“, den er für die „moderne Richtung“ empfinde, gesprochen. Daraus erwuchs, wie er sagte, „Alleingefühl“. Sogar mit einer Achten Symphonie soll Sibelius noch bis in die 40er Jahre hinein gerungen haben. Das Fragment aber ist verschollen. Sollten die Skizzen hierfür nie wiedergefunden werden, meinte der finnische Musikologe Tomi Mäkelä einmal, bliebe diese unbekannte Achte eine der großen Werkutopien des 20. Jahrhunderts.

Hauptwerke von Jean Sibelius in unseren Katalogen sind die Sinfonien Nr. 5 bis 7, die Humoresken Nr. 1 bis 6 und die Oper „Jungfrun i Tornet“.

 

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