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Konzert am Schicksalstag der Deutschen mit Schostakowitschs 14. Sinfonie

Das Kammerorchester Hamburger Camerata spielte am Dienstag, 9. November 2010, in der Hamburger Laeiszhalle, die 14. Sinfonie op. 135 von Dmitri Schostakowitsch. Die Tageszeitung DIE WELT schreibt dazu in ihrer Ausgabe vom 11. November:

„(...) Das Konzert war ebenso poetisch wie bedeutungsschwanger mit dem Passus ‚Aus der Tiefe’ betitelt und sollte dem historisch bedeutsamen Datum 9. November gewidmet sein. An diesem Herbsttag wurde 1918 die erste deutsche Republik ausgerufen, 61 Jahre später fiel die Mauer, und die Wiedervereinigung nahm ihren Lauf. Der 9. November 1938 aber war auch das Datum der ‚Reichskristallnacht’, vor deren verheerenden Folgen und grauenhafter Signalwirkung wir heute nur noch fassungslos stehen können.
Der finnische Pianist und Dirigent Ralf Gothóni, der erst zu Beginn des Jahres anlässlich eines Geburtstagsjubiläums seines Landsmanns Aulis Sallinen mit der Hamburger Camerata in der Laeiszhalle aufgetreten war, wählte für dieses Programm nun ein zuversichtliches und ein bedrückendes Mozart-Werk. Und als Kontrast dazu das von Todesahnung und Resignation durchäderte Spätwerk 14. Symphonie op. 135 des zum Zeitpunkt der Komposition schwer erkrankten und desillusionierten Russen Dmitri Schostakowitsch aus. (...)
Die finnische Sopranistin und studierte Theologin Emrikka Salonen und der an der Hamburgischen Staatsoper engagierte Bassist Wilhelm Schwinghammer waren die Gesangssolisten in Schostakowitschs bekenntnishafter vorletzter Sinfonie nach Texten von Apollinaire, García Lorca, Küchelbeker und Rilke.
In scheinbarer Traumstarre stellte Wilhelm Schwinghammer die Ohnmacht des Beobachters in "De profundis" dar, und Salonen berührte mit glockenheller, flexibler Stimme die "Loreley", die von warnenden Glockenschlägen abrupt unterbrochen und von Celesta-Klängen hoffnungsvoll durchstrahlt wurde. Im fünften Teil verwendet der Komponist sogar eine rhythmisierte, symbolträchtige Zwölftonmelodie im Xylofon. Schostakowitschs Vierzehnte ist weniger eine Sinfonie als ein Vokalzyklus, der wie Mahlers Werke um die ewigen Themen der Liebe, des Lebens und des Todes kreist. (...)“

DIE WELT, 11.11.2010

 

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