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„Der Knacks“ von Jan Müller-Wieland und Roger Willemsen in Hamburg

Im Auftrag des NDR Hamburg, des Ensemble Resonanz und des Beethovenfestes Bonn, wo das Werk am 29. September zur Uraufführung gelangte, ist das Melodram „Der Knacks“ für Sprecher, 18 Streicher und Klavier nach einem Text von Roger Willemsen und der Musik von Jan Müller-Wieland entstanden. Am 26. Oktober 2010 kommt das Werk nun auch im Rolf-Liebermann-Studio des NDR im Rahmen der Reihe „das neue werk“ zur Aufführung.

Willemsen Musikliebe und umfangreiche Musikkenntnis haben den Schriftsteller und den Komponisten ganz unmittelbar zueinander geführt. Die Melodram-Gattung bilde dabei, wie Müller-Wieland es formuliert, „die archaische Schüssel für das deklamatorische und fabulierende Hinübertreten in Neuland durch ein Panorama aus Alterserscheinungen, Vergänglichkeitswahrnehmungen, Verletzungen und Todesarten."

Warum aber hat Müller-Wieland aus dieser Buchvorlage nun ein Melodram, also ein Stück für Sprecher und nicht für Sänger und Ensemble gemacht? „Willemsens - im besten Sinne - schlichte Sprechdiktion zieht die Musik sicher nicht ins übertrieben Pathetische“, erklärt der Komponist, „u.a. weil das Buch selbst inhaltlich kaum mit lyrischen Überhöhungen arbeitet, vielmehr mit geradezu lakonischer Bodenhaftung. Das evoziert Kontraste für neue Räume, Absprünge und Formen von Klang.“ Das Melodram folgt im Prinzip dem Ablauf des Buches, wenn auch in stark verkürzter Form. Im Geiste verbindet sich Müller-Wieland mit dem Autor, ja fügt ein imaginäres „Ich“ hinzu, mit dem er sich selber identifiziert. „Dieses Ich wandert durch unsere heutige Welt. Es erinnert sich. Es überlegt. Es hadert. Es trauert auch, und es erlebt dolle Geschichten. Zum Beispiel in unscheinbaren Gaststätten. Damit konnte ich mich identifizieren. Dieser Willemsen liebt das Leben. Das spürt man dauernd. Damit hat er mich. Darum bin ich dabei.“

Ilja Stephan schrieb im Hamburger Abendblatt eine Konzertankündigung:

„Mit seinem Essay ‚Der Knacks’ traf Willemsen 2008 den Nerv der Zeit: Brüche in der Biografie, Haarrisse im Lebenslauf, Ermüdung, Eintrübung, Enttäuschung, der Einzug des Alters und mit was für biblischen Plagen der moderne Mittelschichtler mittleren Alters sonst noch geschlagen ist, Willemsen fand dafür die rechten Worte. (...) Schaut man in Müller-Wielands Partitur, gewinnt man den Eindruck, als würden sich selbst die Namen der Dinge an dieser pessimistischen Weltverschwörung beteiligen. So trägt Roger Willemsen als einziges Sprecherrequisit eine Orchesterschlagzeigpeitsche, die auf Italienisch sinnigerweise ‚Frusta’ heißt. Und der Pianist hetzt im ‚flotten’ Tempo durch Bachs immer hitziger werdendes C-Dur-Präludium, bis die rechte Hand ihm den Dienst versagt. Mitkomponierte Wut- und Schmerzensschreie, ein desertierender Kontrabassist und eine Slapstick-Kadenz lassen vermuten, dass die Herren Willemsen und Müller-Wieland das ernste Thema aller Tragik zum Trotz auch mal von der komischen Seite angehen.“ (Hamburger Abendblatt, 01.09.2010)

 

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