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Müller-Wielands „Der kleine Ring“: Interview mit Regisseurin Rebecca Rosenthal in der Mittelbayerischen Zeitung

Am 28. Juli 2010 kommt es in der Sing- und Musikschule in Regensburg zur Uraufführung von Jan Müller-Wielands musikalischem Märchen „Der kleine Ring“. Anlass ist das 100-jähriges Jubiläum der Schule. „Wagners Ring für Kinder - geht das überhaupt?“ In der Mittelbayerischen Zeitung ist ein interessantes Interview mit der Regisseurin Rebecca Rosenthal erschienen (Ausgabe 24./25. Juli 2010).

MZ: Frau Rosenthal, „Der Kleine Ring" ist Ihre zweite größere Regiearbeit Der Komponist Jan Müller-Wieland hat die Oper für den Cantemus-Chor geschrieben. Was macht dieses Stück so besonders?

Rosenthal: Anders als bei Wagners „Ring" steht bei Müller-Wieland der Chor im Mittelpunkt. Vom Cantemus-Chor, der insgesamt ungefähr 500 Mitglieder hat, sind beim „Kleinen Ring" 130 Kinder dabei. (...) Dazu kommen 16 Solisten, sowohl Erwachsene als auch Kinder, teils hauptberufliche Sänger, teils Chormitglieder. (...) Wir vermeiden es, dem Stück eine bestimmte Lesart aufzupfropfen. Stattdessen haben wir gemeinsam nach einer Gestaltung gesucht, die zunächst die Komposition umsetzt. Das meiste ist so bereits vorgegeben, in der Musik und auch in Szenenanweisungen.

Was zum Beispiel?

Müller-Wieland hat sich musikalisch weitgehend vom Wagnerschen Vorbild entfernt. Er hat diese Oper auf die Kinderdarsteller und das Kinderpublikum zugeschrieben.  (...) Entscheidend ist aber: Müller-Wieland hat ein völlig neues Werk geschaffen, mit einer eigenen musikalischen Sprache, mit zeitgenössischer Musik. (...) Auch das Libretto seiner Frau Birgit Müller- Wieland ist ganz auf Kinder zugeschnitten. Humorvoll und mit viel Spaß hat sie die Figuren gestaltet. Das nimmt dem Publikum die Angst vor dieser Art von Musik. (...)

Also Wagners Ring mal völlig anders?

Nein, die Nibelungengeschichte bleibt größtenteils erhalten. Die Walküre ist aber nicht drin, und es gibt keine Götterdämmerung. Auch das Ende unterscheidet sich von Wagners Vorbild deutlich.

Keine Walküre? Keine Götterdämmerung? Warum nicht?

Die Handlungen von „Rheingold" und „Siegfried" haben im Vergleich mehr Action, mit Ring-Fluch, den Riesen und dem Drachen. Wieland setzt auf starke Handlungen. Die Kinder sollen auch alltägliche 'Situationen wiedererkennen. (...) Da wäre die Mythologie eher Ballast. Den hat Müller-Wieland abgeworfen und auch die Götter vermenschlicht. (...) Die Geschichte soll damit für Kinder besser zugänglich gemacht werden.

Was ist denn die Aussage in Ihrem „kleinen Ring?"

(...) Für Siggi (Siegfried) und Schönwilde (Brunhilde) spielt die Anziehungskraft der Macht keine Rolle, sie erliegen also dem Fluch des Rings nicht. (...) Bei Wagners „Ring" geht es meistens um zwei große Regieansätze: Mythos oder Gesellschaftskritik. Es geht um Macht, Reichtum und Liebe. Der „Kleine Ring" — und damit auch die Regie — hat mit unserer Gesellschaft zu tun. In diesem „Ring" ist es ein Privileg, jung zu sein wie alle Darsteller. Man hat noch alle Chancen und muss nur an sich glauben. (...) Zuallererst ist das Stück aber als musikalisches Märchen konzipiert, das spielt ebenfalls eine große Rolle. Die Figuren sind auch deshalb ganz anders als bei Wagner. (...) Siggi ist ein cooler Typ. Er führt das Scheitern der Erwachsenen vor und ist erfolgreich, weil er sich wehrt und sich nicht mit seinem Leben abfindet, etwas besser machen will. Da kommen tatsächlich Sätze vor wie: „Du bist nicht mehr der Bestimmer!" Das sagt er dem König direkt ins Gesicht.

Sie haben viele Vorgaben durch den Komponisten und einen Riesenchor. Was ist Ihre Handschrift in der Inszenierung?

Ich arbeite sehr stark mit Körpern und Bewegungen. Das habe ich aus meiner Zeit vom Ballett. (...) Bühne und Kostüme sind darauf ausgerichtet, dass die Menschen im Mittelpunkt stehen; sie sind sogar lebendiger Teil des Bühnenbildes. (...) Das eigentliche Bühnenbild ist stark reduziert, eher abstrakt.

Was sagt der Komponist zu Ihrer Umsetzung?

Wir sind gespannt. Jan Müller-Wieland ist sehr positiv und offen, hat viel Erfahrung mit Kinderopern und -darstellern. Trotz vieler seiner Vorgaben, an die wir uns wie gesagt auch größtenteils halten, haben wir natürlich auch eigene Bilder gefunden. Die wird er am Samstag bei der Bühnenprobe das erste Mal sehen.

 

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