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Bregenzer Festspiele 2010

Bregenzer Festspiele

Im Mittelpunkt der Bregenzer Festspiele 2010 stehen das Leben und das musikalische Schaffen des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg.

Vom 21.07. bis 22.08. werden in der Landeshauptstadt von Vorarlberg viele seiner maßgeblichen Werke erklingen. Ein besonderer Höhepunkt wird mit Sicherheit die westliche Erstaufführung seiner Oper „Das Porträt“ am 31.07. sein. Im Rahmen eines dreitägigen Weinberg-Symposiums (31.7. - 2.8.2010) werden Weinberg-Experten, -Interpreten und -Zeitzeugen aus England, Deutschland und Russland zusammen mit David Pountney, dem Intendanten der Bregenzer Festspiele, den Versuch unternehmen, dem kompositorischen Genie Mieczyslaw Weinberg auf die Spur zu kommen.

Für Weinberg war das Exil gleichzeitig Fluch und Segen. Zum einen rettete es ihm als polnischem Juden vor den Deutschen das Leben, trieb ihn aber in die Schreckensherrschaft Stalins. Sein Schwiegervater wurde 1948 Opfer der Stalin-Diktatur, Weinberg selbst wurde 1953 verhaftet, aber nach dem Tod des Diktators wieder freigelassen. Seine Antwort auf diese allgegenwärtige Gefahr war ein lebenslanges musikalisches Schaffen. David Pountney sieht in Weinberg sogar den „dritten Mann“ neben den zwei großen kompositorischen Genies der Sowjetunion Prokofjew und Schostakowitsch.

„Wir wollen Weinbergs Überleben feiern und seine Fähigkeit, sein ganzes schwergeprüftes Leben hindurch jenen ungebrochenen Strom von Musik zu erschaffen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hätte Weinberg beinahe unter sich begraben, wir aber wollen eine Wiederauferstehung versuchen – die freudige Wiedergeburt eines erstaunlichen Talents!“, so die Organisatoren.

Kurz vor Beginn des Festivals ist in der Fachzeitschrift OPERNWELT (Juli 2010) ein ausführlicher Artikel über Mieczyslaw Weinberg von seinem Biographen David Fanning erschienen, in dessen Rahmen sich auch Sofia Gubaidulina und Krzysztof Meyer in längeren Passagen über den 1998 verstorbenen Weggefährten und Kollegen äußern.
Fanning, dessen lesenwerte Biographie „Mieczyslaw Weinberg: Auf der Suche nach Freiheit“ erst kürzlich beim Wolke Verlag erschienen ist, schreibt in der OPERNWELT: „Nun sind Weinbergs Opern alles andere als autobiografische Dramatisierungen. Der Komponist war ein bescheidener Privatbürger, der sich nie als Opfer stilisierte und jene seiner Kollegen verachtete, die dieses taten. Freilich hatte ihn der Verlust der Eltern und der Schwester auf der Flucht aus Polen schwer getroffen. Später sollte er erfahren, dass sie im Auffanglager von Trawniki (bei Lublin) ums Leben gekommen waren. Er gedachte ihrer sowie ihrer polnischen Leidensgenossen – und schließlich sämtlicher Opfer des Zweiten Weltkriegs – in einer Reihe von Liedern, Kantaten und Symphonien (...), in seinen ersten beiden Opern sowie in Orchesterwerken, die entweder seiner Familie gewidmet sind oder die Schlüsselpassagen aus den beiden genannten Opern zitieren. Bekanntlich widmete Schostakowitsch eines seiner Werke – das Streichquartett Nr. 8 – den Opfern von Krieg und Faschismus, doch ist selbst diese Widmung noch als eine Art Deckmantel gegenüber der Obrigkeit zu werten. Weinberg hingegen versah Dutzende seiner Werke mit solchen expliziten oder impliziten Widmungen – er wollte die Erinnerung an die Schrecken des Krieges wach halten.“

Sofia Gubaidulina sagt in diesem Beitrag über Weinberg: „Aus der Ferne habe ich dieser geistvollen Musik zugehört, die zugleich üppig und bescheiden, durchsichtig und durchdringend, frei und traurig, hell und dramatisch war.“
Und Krzyzstof Meyer ergänzt: „Als Komponist bewundere ich seine leichte Feder, seine Schnelligkeit, seine technische Meisterschaft.“

Das Programm der Bregenzer Festspiele mit dem Schwerpunkt Mieczyslaw Weinberg in der Übersicht:

25. Juli 2010 - Seestudio
Mieczyslaw Weinberg: „Drei Palmen“ nach Versen von Michail Lermontow
für Sopran und Streichquartett  op. 120 – Österreichische Erstaufführung
Talia Or (Sopran), EOS-Quartett Wien

29. Juli 2010
– Theater am Kornmarkt
Mieczyslaw Weinberg: „Das Porträt“. Oper in 3 Akten – Öffentliche Generalprobe
John Fulljames (Regie), Wiener Symphoniker, Rossen Gergov (Ltg.)

31. Juli 2010 – Theater am Kornmarkt
Mieczyslaw Weinberg: „Das Porträt“. Oper in 3 Akten – Westliche Erstaufführung
John Fulljames (Regie), Wiener Symphoniker, Rossen Gergov (Ltg.)

1. August 2010 - Festspielhaus
Mieczyslaw Weinberg: Sinfonie Nr. 6 für Knabenchor und Orchester op. 79 – Österreichische Erstaufführung
Wiener Sängerknaben, Wiener Symphoniker, Vladimir Fedoseyev (Ltg.)

2. August 2010 - Seestudio
Mieczyslaw Weinberg: Streichquartett Nr. 15 op. 124 – Österreichische Erstaufführung
Quatuor Danel

3. August 2010 – Theater am Kornmarkt
Mieczyslaw Weinberg: „Das Porträt“. Oper in 3 Akten
John Fulljames (Regie), Wiener Symphoniker, Rossen Gergov (Ltg.)

5. August 2010 – Theater am Kornmarkt
Mieczyslaw Weinberg: „Das Porträt“. Oper in 3 Akten
John Fulljames (Regie), Symphonieorchester Vorarlberg, Rossen Gergov (Ltg.)

9. August 2010 - Festspielhaus
Judith Weir: „Concrete – eine Motette über London“ für Sprecher, Chor und Orchester
Wiener Symphoniker, Dmitri Jurowski (Ltg.)

15. August 2010 - Festspielhaus
Mieczyslaw Weinberg: Sinfonietta Nr. 1 d-moll op. 41 – Österreichische Erstaufführung
Mieczyslaw Weinberg: Konzert für Trompete und Orchester B-Dur op. 94 – Österreichische Erstaufführung
Jürgen Ellensohn (Trompete), Wiener Symphoniker, Gérard Korsten (Ltg.)

 

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