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Mahler in der Moderne: NDR-Kultur-Sendung am 30. Juni mit Werken von Nikolai Korndorf und Alfred Schnittke

In der Reihe „neue musik“ steht bei NDR Kultur am 30. Juni ab 21.15 Uhr eine Sendung über Gustav Mahlers Wirkung auf die Musik des 20. Jahrhunderts auf dem Programm. Darin wird unter anderem auch über die vielen Mahler-Aktivitäten der Hamburger Orchester berichtet. Anlässlich des 150. Geburtstages des Sinfonikers werden allein in Hamburg, wo Mahler einst als Kapellmeister wirkte, eine ganze Reihe von Veranstaltungen unter dem Motto „Mahler in Hamburg“ ihm gewidmet sein.
Der 1998 in Hamburg verstorbene russisch-deutsche Komponist Alfred Schnittke hatte eine ganz besondere Beziehung zu Gustav Mahler. Seinem 1973 komponierten Klavierquartett legte Schnittke ein Scherzo-Fragment des 16-jährigen Gustav Mahler zugrunde. Mit diesen siebzehn originalen Takten, einer unvollendet gebliebene Studienarbeit Mahlers sollte der zweite Satz eines Klavierquartetts beginnen. Eigentlich plante Schnittke, dieses Fragment zu ergänzen und im Stile Mahlers zuende zu komponieren. Das allerdings kam dann nicht zustande. Der Versuch des Gegenwartskomponisten, so Schnittke wörtlich, „sich an etwas zu erinnern, was gar nicht zustande kam ...“, misslang nach drei Anläufen. Schnittke gab auf, der Sprache Mahlers nachspüren zu wollen und fand eine andere Lösung. Sein eigenes Werk, das einsätzige Klavierquartett von nur wenigen Minuten Dauer, mündet schließlich in das notengetreu übernommene Zitat des Mahlerschen Fragmentes.
Die Uraufführung des Werkes fand 1988 im Rahmen des finnischen Kammermusikfestivals in Kuhmo statt, das dieses Klavierquartett in Auftrag gegeben hatte. Kurz danach übernahm Schnittke das Werk in einer orchestrierten Fassung als zweiten Satz seines Werkes Concerto grosso 4 / 5. Sinfonie. Schnittkes Klavierquartett wird in einer Aufnahme mit den Uraufführungssolisten in der NDR-Sendung ausgestrahlt.
Ein weiteres zur Sendung vorgesehenes Werk, in dem ein direkter Bezug zu Mahler aufgebaut wird, stammt von dem russischen Komponisten Nikolai Korndorf. In Bezug auf die gewaltigen Ausbrüche und Steigerungswellen in Mahlers Sinfonik steht dieses Orchesterwerk allerdings in krassem Gegensatz. Seinen „Hymnus III“ schrieb Korndorf 1990. Es sollte ein Orchesterstück zu Ehren von Gustav Mahler werden, „einen Komponisten“, so Korndorf wörtlich, „den ich als Musiker genauso schätze wie als Menschen. Ich kann nicht behaupten“, fährt der Komponist fort, „dass Hymnus III unbedingt Mahlers Musik nahe steht, aber er enthält verschiedene konzeptionelle Anklänge an Mahlers Werke: Solistische Ferntrompeten am Anfang, das Kantabile scheinbar endloser Melodie im zweiten Teil, die reine, himmlische Klangfarbe des Sopransolos – für alles findet man Entsprechungen in den ersten vier Symphonien Mahlers. Mein Sopransolo ist textlos, denn Vokalmusik ohne Gesangstext kann meiner Meinung nach manchmal mehr ausdrücken als vertonte Worte.

 

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